Das ZNS-Konsil und der TeleArzt sind zwei Beispielprojekte, die zeigen, welche Vorteile die Digitalisierung für das Gesundheitswesen bringen kann.

ZNS-Konsil

Wie reagiert der Hausarzt, wenn er zwar eine  Diagnose vermutet, aber unsicher ist? Er schickt den Patienten zur Absicherung zum Facharzt. Allerdings kann es gerade im ländlichen Raum oder für Neupatienten schwer werden, in angemessener Zeit einen Facharzttermin zu bekommen. Für Patienten bedeutet das vor allem zusätzliche Wartezeit auf einen - eventuell dringend - benötigten Termin und organisatorischen Aufwand. Dass es auch unkomplizierter und effizienter geht, zeigt das Telemedizinprojekt "ZNS-Konsil" -  eine digitale Expertenberatung bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems durch Fachärzte für Neurologie oder Psychiatrie in Thüringen.

Schneller Austausch

Was in Krankenhäusern schon seit Jahren selbstverständlich ist, wird damit auch in der ambulanten Praxis möglich: Beim Verdacht auf eine neurologische oder  psychiatrische Erkrankung - zum Beispiel Demenz, Depression oder Psychosen - vernetzen sich Thüringer Ärzte online, um Befunde auszutauschen. Erstbehandelnde Ärzte tragen  Symptome ihrer Patienten in standardisierte Formulare des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte ein. Anschließend übermitteln sie die Daten über eine Kommunikationssoftware, verschlüsselt und anonymisiert, an Fachärzte. Die Fachärzte antworten dann auf dem gleichen Weg mit Diagnostik- und Therapieempfehlungen; über Kurznachrichten können sich die Ärzte zudem in einem datengesicherten Bereich austauschen. Stellt sich heraus, dass eine fachärztliche Behandlung nötig ist, ist ein entsprechender Termin über das System schnell vereinbart.

Entlastung für Patienten und Ärzte

Die Vorteile des  Projektes liegen auf der Hand: Ärztliches Fachwissen gelangt schneller in die Praxis vor Ort und Patienten erhalten Facharztdiagnosen, ohne dafür lange Wartezeiten oder  Anfahrtswege auf sich nehmen zu müssen. Zudem werden Überweisungen auf das erforderliche Maß reduziert. Das  verringert nicht nur Wartezeiten, sondern spart ganz  nebenbei auch fachärztliche Arbeitszeit. Das ZNS-Konsil stärkt damit die digitale Zusammenarbeit zwischen Haus- und Fachärzten und ist gleichzeitig eine sinnvolle Reaktion auf den steigenden Versorgungsbedarf im Bereich der  psychischen Erkrankungen.

TeleArzt

Mit dem demografischen Wandel steigt nicht nur das Durchschnittsalter der Thüringer, sondern gleichzeitig auch die Zahl der kranken und pflegebedürftigen Menschen. Gerade für sie ist es oft eine große Last, Arztbesuche wahrzunehmen, besonders wenn sie abseits der städtischen Gebiete wohnen. Nicht nur für diese Menschen bringt das Projekt TeleArzt eine große Erleichterung, indem es eine Fernbehandlung in den eigenen vier Wänden oder auch im Pflegeheim ermöglicht.

Mobile Untersuchung

Mit dem Tele-Arzt-Rucksack ausgestattet, gehen speziell ausgebildete medizinische Fachangestellte - sogenannte nichtärztliche Praxisassistenten (NäPas) - zu den Patienten nach Hause. Im Rucksack sind ein Tablet und daran gekoppelte Diagnosegeräte enthalten. Vor Ort lassen sich damit etwa Puls, Blutdruck und -zuckerwerte ermitteln und dadurch den Gesundheitszustand des Patienten abschätzen. Das Tablet ist über eine gesicherte Datenverbindung mit der Praxissoftware verknüpft. So können die Daten dann direkt in die Praxis übertragen werden. Außerdem ist bei Bedarf auch ein Videoanruf beim behandelnden Hausarzt möglich.

Weiter so!

Projekte wie diese sind in Thüringen seit der Aufhebung des Fernbehandlungsverbots seit Mitte 2018 möglich. Der Tele-Arzt-Rucksack liefert ein Beispiel, wie flächendeckende Hausarztversorgung funktionieren kann, der Aufwand reduziert sich sowohl für die Patienten als auch für die Allgemeinmediziner. Ein weiterer Vorteil liegt in der Betreuung durch die Praxisassistenten: Auch Patienten, die selbst Schwierigkeiten im Umgang mit der Technik haben, profitieren von diesem digitalen Projekt.

Allerdings ist der TeleArzt an zwei wesentliche Bedingungen geknüpft: Grundlegende Voraussetzung, um überhaupt anwendbar sein zu können, ist eine schnelle, zuverlässige Datenverbindung. Gerade in ländlichen Gebieten hakt es noch viel zu häufig an dieser Stelle. Und zweitens sind Projekte wie dieses auf die Beteiligung der Ärzte angewiesen. Fernbehandlungen anzubieten ist schließlich (noch) keine Pflicht - es gilt jedoch: Je mehr Arztpraxen sich beteiligen, desto mehr Patienten können davon profitieren. 

Zusammenfassung

Projekt

TeleArzt

ZNS-Konsil

Ziel 

ambulante Routineuntersuchungen für Patienten erleichtern, Entlastung der Hausärzte

schnelle fachärztliche Diagnostik- und Therapieempfehlungen für erstbehandelnden Arzt bei Verdacht auf eine neurologische und psychiatrische Erkrankung

Anbieter

AOK Plus, IKK Classic und Techniker Krankenkasse mit der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen

Barmer, BKK LV Mitte, DAK Gesundheit, IKK Classic und Techniker Krankenkasse mit der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen

Förderung

120.000 Euro Zuschuss vom Thüringer Gesundheitsministerium für die TeleArzt-Rucksäcke 

225.000 Euro vom Thüringer Gesundheitsministerium für den Aufbau der benötigten Daten-Infrastruktur