Mit einer Erkältung nicht mehr im Wartezimmer sitzen zu müssen, als Mutter per Video-Chat Fragen an eine Hebamme stellen zu können oder Sorgen um Symptome einfach per App zu klären: Die Vorteile der Telemedizin liegen auf der Hand.

Gerade die medizinische Versorgung im ländlichen Raum kann mit digitaler Hilfe verbessert werden. Nur bezüglich des digitalen Arztbesuchs vom heimischen Sofa aus sind die Thüringer skeptisch: Von 1.100 im Thüringen-Monitor Befragten gab mit 42 Prozent weniger als die Hälfte an, eine Förderung der Videosprechstunde sei ihnen wichtig.

Moderne Technologien nutzen

Gleichzeitig ist das Problembewusstsein über die zukunftssichere Versorgung im ländlichen Raum vorhanden. Und in den nächsten 15 Jahren stehen Thüringen auch demografisch einige Veränderungen bevor. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit hat sich in seinem 2019 veröffentlichten Bericht zum Beschäftigungsbedarf in der Pflege auch der Demografie angenommen. Unter Berufung auf die Zahlen des Thüringer Landesamtes für Statistik wird bis zum Jahr 2035 ein Bevölkerungsrückgang um zwölf Prozent, gleichzeitig jedoch ein Anstieg der Über-65-Jährigen um 13 Prozent erwartet. Es bildet sich also eine Schere - und gerade auf dem Land müssen moderne Technologien die steigende Zahl der Menschen, die eine intensivere ärztliche Betreuung benötigen, unterstützen.

Keine Berührungsängste

Die Thüringer haben also keine Berührungsängste mit der Telemedizin, schätzen aber nach wie vor den persönlichen Kontakt zwischen Mediziner und Patient. Mobile Arztpraxen, welche gerade in den ländlichen Gebieten nach festen Fahrplänen eine Versorgungsmöglichkeit für die alternde Gesellschaft bieten, halten daher 95 Prozent der Thüringer für wichtig oder sehr wichtig. Auch der verstärkte Einsatz der "VERAH", der Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis, einem der ehemaligen Gemeindeschwester ähnlichen Berufsbild, wird von 97 Prozent der Thüringer begrüßt.

Hohe Zustim­mung für Verah in Thüringen

TK-Infografik zur Einschätzung der Verah. Basierend auf dem Thüringen-Monitor 2019. Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Fast alle Thüringer - 97 Prozent -  halten Verah für eine gute Idee. Dies geht aus dem Thüringen-Monitor 2019 hervor.

Das Prinzip ist simpel, aber eine große Entlastung für die Ärzte auf dem Land: Nicht nur die klassischen Aufgabenfelder einer medizinischen Fachangestellten, sondern auch weitergehende medizinische Tätigkeiten wie die Messung des Blutzuckerspiegels, die Kontrolle und den Wechsel von Verbänden oder die Erstellung von Versorgungsplänen übernimmt die VERAH. So kann in der Hausarztpraxis auf dem Land besser ambulant versorgt werden. Und in der Zwischenzeit übernimmt die VERAH auch die Sprechstunde zu Hause: Mittels eines speziellen TeleArzt-Rucksacks kommt der Arzt per Video mit zum Patienten.

Telemedizinisch auf gutem Weg

Vor anderthalb Jahren, also Mitte 2018, wurde das Fernbehandlungsverbot gelockert. Telemedizinische Dienstleistungen sind leichter zu realisieren und die Digitalisierung im Gesundheitswesen hat seitdem große Fortschritte gemacht. Insbesondere Ansätze zur Unterstützung der Mediziner vor Ort auf dem Land werden Realität. Der online-gestützte Hausbesuch überzeugt dabei nicht nur die Patienten, welche aufgrund von Krankheit oder eingeschränkter Mobilität nicht mehr selbst die Praxis aufsuchen können.

Thüringer Ärzte nutzen Konsiliarmethoden bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems, um den Patienten die Suche, Anfahrt und Wartezeit auf einen Facharzttermin zu ersparen. Und mittels des SATELIT-Netzwerks können Tele-Stroke-Units in kleineren Kliniken bei der Versorgung von Schlaganfallpatienten rund um die Uhr eine fachgerechte Betreuung bieten. 

Thüringen ist also telemedizinisch auf einem guten Weg. Die Akzeptanz der vorhandenen Digital-Health-Angebote zeugt dabei klar von einem enormen Entwicklungspotenzial. Und nicht zuletzt die Digital-Gesetze von Gesundheitsminister Spahn bringen eHealth immer weiter in die Fläche.