Bad Neustadt a. d. Saale, 14. April 2021. Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Herzschwäche. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto eher lässt sich der Krankheitsverlauf aufhalten und die Lebensqualität erhalten. "Dafür müssen Patientinnen und Patienten allerdings kontinuierlich betreut und ihre Symptome überwacht werden", erklärt Prof. Sebastian Kerber, Chefarzt der Klinik für Kardiologie I am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt.

Im jetzt begonnenen und durch die Beiträge der gesetzlich Krankenversicherten geförderten Innovationsfondsprojekt "sekTOR-HF" (Transsektorale bedarfsorientierte Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz und Schaffung eines regionalen Vergütungsmodells) sollen mittels telemedizinisch vernetzter Geräte bis zu 250 Patientinnen und Patienten mit einer Herzschwäche in ausgewählten Kreisen in Unter- und Oberfranken für zwölf Monate kontinuierlich betreut werden.

Ziel ist es, unnötige Krankenhausaufenthalte zu reduzieren und Wiederaufnahmen zu vermeiden. "Wir wollen die heutige Regelversorgung weiterentwickeln. Dieses innovative Projekt kann einen relevanten Beitrag für eine bessere Versorgung der Herzinsuffizienz-Patientinnen und -Patienten leisten", sagt Dominik Walter, Leiter Fachbereich Integrierte Gesundheits- und Versorgungsmodelle der RHÖN-KLINIKUM AG. Parallel wird das Konzept in der Region Marburg-Bienenkopf (Hessen) durchgeführt.

Erster Teilnehmer freut sich auf das Projekt

Mit Herrn H., einem 73-jährigen Mann mit chronischer Herzmuskelkrankheit, startet der Campus Bad Neustadt in das Projekt. Als ehemaliger Teilnehmer am Telefon basierten Herzschwäche-Programm HeartNetCare am Campus weiß er, welche Vorteile es hat, mit einer Herzschwäche gut betreut zu werden. Daher ist er froh und motiviert, auch an diesem Projekt teilnehmen zu können.

"Wir freuen uns, Herrn H. als ersten Teilnehmer begrüßen zu dürfen. Gleichzeitig ist es uns ein Anliegen, auch weitere Patientinnen und Patienten mit einer Herzinsuffizienz für dieses Projekt begeistern zu können", sagt Dr. Frank Gietzen, Facharzt für Innere Medizin/Kardiologie am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt.

Wer kann teilnehmen?

Beteiligt sind u. a. die RHÖN-KLINIKUM AG, der RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt, die Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), die als Interessenvertretung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit den beteiligten Krankenkassen AOK Bayern, DAK-Gesundheit und Techniker Krankenkasse den Selektivvertrag aktiv mitgestaltet haben.

Die Versicherten dieser Krankenkassen können sich ab sofort bei teilnehmenden Praxen in das Programm einschreiben lassen (Informationen darüber, ob die jeweilige Haus- oder Fachärztin oder der jeweilige Haus- oder Facharzt am Projekt teilnehmen, erhalten die Patientinnen und Patienten über die regionale Netzwerkstelle oder über die Projekthomepage www.sekTOR-HF.de).

Betreut werden sie dann von am Projekt teilnehmenden Fach- und Hausarztpraxen, aber auch durch den Campus Bad Neustadt. Die Besonderheit: Patientinnen und Patienten erheben kontinuierlich Gesundheitsdaten wie EKG, Blutdruck, Körpergewicht und Angaben zum subjektiv empfundenen Gesundheitszustand und senden diese über eine App oder ein Web-Portal an eine gemeinsame digitale Austauschplattform, sodass eine engmaschige Kontrolle möglich ist.

Digitales Monitoring

Die App sowie das Web-Portal wurden durch das ZTM Bad Kissingen GmbH entwickelt, welches zudem als regionaler Partner im Projekt fungiert und die datenschutzkonforme Übermittlung der Gesundheitsdaten sicherstellt. Unterstützt werden die Patientinnen und Patienten dabei von der eigens eingerichteten Netzwerkstelle, bestehend aus Netzwerkmanager (Facharzt/-ärztin für Innere Medizin) und Netzwerkassistenz (Herzinsuffizienz-Krankenpflegenden).

Die hierfür erforderlichen Geräte werden den teilnehmenden Patientinnen und Patienten kostenfrei nach Bedarf zur Verfügung gestellt. Im Vorfeld gibt es dazu eine ausführliche Einweisung. Das digitale Monitoring erlaubt es, frühzeitig zu erkennen, ob eine Änderung der Therapie notwendig ist. Dieser Ansatz verhindert, dass erst zunehmende Beschwerden die Patientin oder den Patienten in die Haus- oder Facharztpraxis führen. Die Unterstützung der Versorgung von Patientinnen und Patienten erfolgt hierbei zwischen den beteiligten ambulanten Praxen, dem Krankenhaus und der Netzwerkstelle sektorenverbindend.

Das Projekt läuft bis zum November 2023. Die wissenschaftliche Versorgungsevaluation erfolgt durch das RWI e. V., Essen und die Konzeption eines neuen Vergütungsmodells durch die inav GmbH, Berlin.