Frankfurt am Main, 15. Februar 2021. Seit Beginn der Corona-Pandemie erlebt die Video-Sprechstunde in Hessen einen regelrechten Boom. Nach einer Auswertung von Versichertendaten der Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen ist die Zahl der Patientinnen und Patienten, die sich ausschließlich per Video-Sprechstunde behandeln ließen, alleine im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres um das Neunfache angestiegen. Gleichzeitig bieten immer mehr Praxen eine Video-Sprechstunde an. Aktuell sind es mehr als 2.800 Ärztinnen und Ärzte in Hessen.

Video-Sprechstunde hat festen Platz im Praxisalltag

Im ersten Quartal 2020 haben sich in Hessen knapp 170 Patienten ausschließlich per Video-Sprechstunde behandeln lassen. Im zweiten Quartal waren es schon über 1.500. "Die Corona-Pandemie war für viele Praxen der Auslöser, eine Video-Sprechstunde anzubieten. Auch wenn sie den persönlichen Austausch in vielen Fällen nicht ersetzen kann, gehört sie wegen ihrer Vorteile mittlerweile ganz selbstverständlich mit dazu und wird auch nach der Pandemie ihren festen Platz im Praxisalltag behalten", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen.

Wichtige Zusatzleistung

Dr. Hans-Joachim Kerger und Dr. Manuela Kerger, Allgemeinärzte aus Frankfurt, nutzen die Video-Sprechstunde seit Beginn der Pandemie und sprechen ihre Patienten mittlerweile häufig in der virtuellen Sprachstunde: "Die Video-Sprechstunde ist für uns ein wichtige Zusatzleistung geworden, die wir unseren Patienten gerne anbieten. Vor allem Befunde wie zum Beispiel Labor- oder Blutdruckwerte können mit der Video-Sprechstunde mit wenig Aufwand für den Patienten besprochen werden.

Natürlich ersetzt sie nicht die normale Sprechstunde, bei der die klinische Untersuchung unerlässlich ist. Jedoch zeigt sich, dass es in der aktuellen Situation weiterhin viele Patienten gibt, die Angst haben, in eine Arztpraxis zu gehen. Auch für diese Patienten ist die Video-Sprechstunde wichtig, denn so können wir mit ihnen in Kontakt bleiben und bei kritischen Situationen handeln", so Dr. Manuela Kerger.

Es ist aus Sicht der TK in Hessen ein richtiger Schritt, dass die Video-Sprechstunde auch gesetzlich weiter gestärkt wird. Das dritte Digitalisierungsgesetz, das im Januar vom Kabinett verabschiedet wurde, sieht unter anderem vor, dass künftig auch Hebammen und Heilmittelerbringer Video-Sprechstunden anbieten oder Ärzte eine Arbeitsunfähigkeit auch bei ausschließlicher Fernbehandlung ausstellen können. 

eRezept als logische Weiterentwicklung

Zum Jahresbeginn 2022 soll auch das elektronische Rezept verpflichtend eingeführt werden. "Das elektronische Rezept ist eine logische Weiterentwicklung der Video-Sprechstunde, damit Patienten, die im digitalen Arztgespräch eine Verordnung erhalten, nach der Video-Sprechstunde nicht mehr persönlich in die Bereitschaftsdienstzentrale oder Arztpraxis kommen müssen, um ein Papierrezept abzuholen", so Voß. Erste praktische Schritte in diese Richtung gibt es bereits in einem Pilotprojekt in Hessen: Patienten, die im Ärztlichen Bereitschaftsdienst die Video-Sprechstunde nutzen, können ein eRezept erhalten, dies online verwalten und in der Apotheke einlösen.

Hinweise für die Redaktion

Nach Angaben der KV Hessen bieten aktuell 3.166 Praxen eine Video-Sprechstunde an. Im Einzelnen sind dies 2.805 Ärzte und 2.396 Psychotherapeuten. Die Zahl der Praxen ist geringer als die Summe der Ärzte und Psychotherapeuten, da bspw. in Gemeinschaftspraxen oder Medizinischen Versorgungszenten mehrere Ärzte und/oder Psychotherapeuten jeweils eine Video-Sprechstunde anbieten (Stand 15.01.2021).

Am 20. Januar 2021 hat das Kabinett das "Digitale Versorgung und Pflege-Modernisierungs-Gesetz" (DVPMG) verabschiedet. Ziel des Gesetzentwurfs ist es, die Digitalisierung im Gesundheitswesen auszubauen, an aktuelle Entwicklungen anzupassen und um neue Ansätze zu ergänzen: