Kiel, 21. Januar 2021. Video-Sprechstunden haben durch die Pandemie an enormer Bedeutung gewonnen. Die Nutzerzahlen sind alleine im ersten Halbjahr 2020 in Schleswig-Holstein stark angestiegen. Demnach haben sich TK-Versicherte in Schleswig-Holstein im ersten Quartal insgesamt 77 Mal ausschließlich über Video-Sprechstunden von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten behandeln lassen. Im zweiten Quartal waren es schon 624 Fälle.  

"Der Durchbruch der Video-Sprechstunde ist gelungen. Es ist ganz klar, dass dies aufgrund der pandemischen Lage erfolgt ist. Doch ich bin überzeugt: Die Video-Sprechstunde wird bleiben und einen festen Platz im Praxisalltag behalten", betont Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein. Die Vorteile für die Patienten lägen auf der Hand: lange Fahrtwege fallen weg, weniger Ansteckungsgefahr im Wartezimmer.

Auch Dr. Svante C. Gehring, der in Norderstedt praktiziert und zum Vorstand der Ärztegenossenschaft Nord gehört, nutze die Video-Sprechstunde zu Zeiten der Pandemie deutlich häufiger. Viele Themen - sei es eine psychische Krise, ein banaler Infekt, eine medikamentöse Therapieanpassung oder eine Befundbesprechung - lassen sich seiner Ansicht nach exzellent über eine Video-Sprechstunde darstellen und der Patient binde dabei keine zusätzlichen Personalressourcen in der Praxis.

"Wenn beide Seiten die Grenzen kennen, das heißt keine nötigen Untersuchung unterlassen werden, so möchte ich -  und viele meiner Patienten auch - diese Möglichkeit der Arzt-Patienten-Interaktion nicht mehr missen. Über die zukünftigen Möglichkeiten zum Beispiel des Telemonitorings, eine elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung oder ein elektronisches Rezept auszustellen, wird diese Interaktion dann noch befriedigender! Wenn die Honorierung dann auch diesem Weg noch folgen würde, wären wohl alle Seiten zufrieden.“  

Drittes Digitalgesetz passiert den Bundestag

Die Video-Sprechstunden sollen auch gesetzlich weiter gestärkt werden. Gestern (Mittwoch, 20.1.2021) wurde der Entwurf des dritten Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG) im Kabinett beschlossen. Der Gesetzesentwurf sieht unter anderem vor, dass Video-Sprechstunden auf Hebammen und Heilmittelerbringer ausgeweitet werden. Außerdem sollen Ärztinnen und Ärzte eine Arbeitsunfähigkeit auch bei ausschließlicher Fernbehandlung ausstellen können. Schmidt-Bodenstein: "Nach der elektronischen Patientenakte ist dies ein weiterer richtiger Schritt hin zu sinnvollem Einsatz digitaler Möglichkeiten in der Versorgung."

Hinweis für die Redaktion

Durch einen Antrag aus Schleswig-Holstein  wurde das Fernbehandlungsverbot auf dem 120. Deutschen Ärztetag in Freiburg 2017 zum Kippen gebracht.