Frankfurt am Main, 27. April 2020. Im Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) startet heute ein neues Serviceangebot. Ab sofort haben Patienten zunächst die Möglichkeit, eine Videosprechstunde zu nutzen und bei Bedarf ein elektronisches Rezept (eRezept) zu erhalten.

Die KVH bietet den Service im Rahmen eines Pilotprojekts gemeinsam mit dem Hessischen Apothekerverband (HAV), der AOK Hessen, der DAK-Gesundheit und der Techniker Krankenkasse an. Für die technische Entwicklung des Projekts zeichnet der Abrechnungs- und IT-Dienstleister Optica verantwortlich.

Für Patienten bedeuten die digitale Sprechstunde und das eRezept ein Mehr an Komfort. Sie sparen sich den Weg in die Bereitschaftsdienstzentrale, mögliche Wartezeiten und können ihr Rezept schnell und einfach online verwalten und in der Apotheke einlösen. Der Wegfall von Kontakten im Wartebereich sowie die Verringerung von persönlichen Patienten-Arzt-Kontakten bedeuten - gerade in Zeiten des Coronavirus - einen weiteren echten Mehrwert. 

Ideale Alternative

Die Videosprechstunde per Computer, Smartphone oder Tablet ist für Patienten außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten eine ideale Alternative zum Besuch einer Zentrale des Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Sie sparen nicht nur Zeit, sondern entgehen auch der Infektionsgefahr durch andere Personen im Wartebereich. Voraussetzung für die Durchführung einer Videosprechstunde ist, dass die Krankheitszeichen eine Diagnose per Videotelefonie zulassen. Das gilt insbesondere für Erkältungskrankheiten, Hautausschläge oder andere einfach per Bildschirm zu diagnostizierende Krankheiten.

Kostenlos registrieren

Wer die Videosprechstunde nutzen möchte, muss sich zunächst kostenlos für den Service registrieren. Interessierte müssen dazu volljährig und in medizinischen Angelegenheiten voll geschäftsfähig sein. Alle weiteren Informationen, unter anderem zu den technischen Voraussetzungen, gibt es unter www.kvhessen.de/erezept. Dort geht es auch zur Registrierung.

Elektronisches Rezept möglich

Patienten, die sich für die Videosprechstunde entscheiden, können darüber hinaus - falls notwendig - ein elektronisches Rezept bekommen. Das eRezept ersetzt das herkömmliche Papierrezept. Es lässt sich in dem eigens geschaffenen eVerordnungs-Portal "MORE - Mein Online-Rezept" unter www.mein-onlinerezept.de einfach und schnell verwalten - und das vollkommen sicher. Die Vorteile liegen auf der Hand: So können Patienten ihre Rezepte bequem online an eine nahegelegene Apotheke weiterleiten und die Arzneimittel anschließend dort abholen. Sind Arzneimittel nicht vorrätig, bekommen die Patienten eine entsprechende Information und gehen entweder erst dann in die Apotheke, wenn das Arzneimittel verfügbar ist, oder vergeben das Rezept an eine andere Apotheke. Doppelte Wege in die Apotheke gehören damit der Vergangenheit an. 

Auch für das eRezept ist zunächst eine Registrierung notwendig. Diese ist im Rahmen des Registrierungsprozesses für die Videosprechstunde möglich. Für das eRezept müssen die Patienten entweder bei der AOK Hessen, der DAK-Gesundheit oder der Techniker Krankenkasse krankenversichert sein. Das eRezept startet zunächst im Rhein-Main-Gebiet und wird sukzessive in ganz Hessen ausgerollt. 

Ärztliche Versorgung sichern

"Unser primäres Ziel ist es, die ärztliche Versorgung in Hessen flächendeckend und langfristig zu sichern. Dies wird realistisch nur dann funktionieren, wenn wir mit dem frühzeitigen Ausbau der telemedizinischen Möglichkeiten schon heute die Weichen für die Zukunft stellen. Mit dem Modellprojekt machen wir einen wichtigen Schritt für die Versorgung von morgen und verringern durch die Reduzierung persönlicher Kontakte bereits heute das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus für die Patientinnen und Patienten und für das ärztliche und nichtärztliche Personal in den ÄBD-Zentralen", erklärt Frank Dastych, Vorstandsvorsitzender der KVH. Holger Seyfarth, Apotheker und HAV-Vorsitzender, erklärt, warum auch der HAV mit dabei ist: "Nur mit Apotheken, die eRezepte empfangen und verarbeiten können, bieten Videosprechstunden den Patienten einen echten Mehrwert. Für uns ist das Projekt daher eine logische Weiterentwicklung unseres bestehenden Angebots."

Technologische Möglichkeiten nutzen

Die beteiligten Krankenkassen - die AOK Hessen, DAK-Gesundheit sowie die Techniker Krankenkasse in Hessen - sind ebenfalls von dem Projekt überzeugt: "Wir wollen die neuen technologischen Möglichkeiten für die Optimierung des Gesundheitssystems nutzen - mit verbesserten Bedingungen für alle Akteure, aber vor allem mit dem Patienten im Blick", erläutert Detlef Lamm, Vorstandsvorsitzender der AOK Hessen. Und Sötkin Geitner, Leiterin der Landesvertretung Hessen der DAK-Gesundheit, ergänzt: "Das eRezept für Hessen hilft die Qualität in der Gesundheitsversorgung für die Patienten zu verbessern." 

Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen sagt: "Dass Patienten dank der digitalen Lösungen auf direkte Kontakte im Ärztlichen Bereitschaftsdienst und in der Apotheke verzichten können, ist gerade jetzt besonders hilfreich." "Mit dem eVerordnungs-Portal "MORE" haben wir eine Lösung entwickelt, die den Patient in den Mittelpunkt stellt und nicht den Anspruch hat, den heutigen Papierprozess nachzubauen. Viel mehr ermöglichen wir eine weitere Automatisierung und Optimierung der Prozesse", so Dr. Jochen Pfänder, Geschäftsführer von Optica.

Projektpartner