TK: Seit Beginn der Corona-Pandemie hat die Video-Sprechstunde einen regelrechten Boom erlebt. Wie unterstützt die KV Ärztinnen und Ärzte, die ihren Patientinnen und Patienten diese Versorgungsform anbieten möchten?

Dr. Eckhard Starke: Die Zahl der Ärzte und Psychotherapeuten, die eine Video-Sprechstunde anbieten, ist seit dem Beginn der Pandemie tatsächlich enorm gestiegen. Wir sprechen hier von einer Steigerung um mehrere hundert Prozent. Entsprechend hoch ist natürlich der Bedarf an Informationen bei unseren Mitgliedern. Dabei geht es häufig um den Einstieg in die Video-Sprechstunde, aber auch um konkrete Fragen, beispielsweise zur Zertifizierung, Abrechnung oder zu Gebührenordnungspositionen.

Dr. Eckhard Starke

Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Hausärztlicher Vorstand der KV Hessen und stellvertretender Vorstandsvorsitzender

Wir unterstützen unsere Mitglieder im Rahmen persönlicher Beratungsgespräche mit passgenauen Workshops und wir bieten auch auf unserer Website jederzeit aktuelle Informationen und Wissen rund um die Video-Sprechstunde an.

TK: Mit welchen Fragen und Anmerkungen bezüglich der Video-Sprechstunde wenden sich die Ärztinnen und Ärzte in Hessen an Sie?

Dr. Starke: Viele Ärzte und Psychotherapeuten setzen sich derzeit erstmalig mit der Video-Sprechstunde auseinander. Sie müssen zunächst einmal herausfinden, ob und wie eine Video-Sprechstunde in ihrer Praxis durchführbar ist. Wir haben es daher oftmals mit ganz grundlegenden Fragen zu tun: Wie sind die Rahmenbedingen? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Wie kann ich eine Video-Sprechstunde abrechnen? Viele Mitglieder wenden sich darüber hinaus bei der Suche nach einem zertifizierten Video-Dienstanbieter an uns. Auch da stehen wir natürlich mit Rat und Tat zur Seite.

TK: Je jünger eine Ärztin oder ein Arzt ist, desto offener ist sie oder er für die Digitalisierung und die Video-Sprechstunde - stimmt diese Gleichung Ihrer Erfahrung nach?

Dr. Starke: Es ist festzustellen, dass jüngere Ärzte und Psychotherapeuten der Video-Sprechstunde offener gegenüberstehen. Sie sehen die Digitalisierung im Gesundheitswesen grundsätzlich eher als Chance, denn als Risiko. In der Video-Sprechstunde sehen sie eine sinnvolle Ergänzung zur "klassischen" Behandlung in der Praxis - insbesondere mit Blick auf die aktuelle Pandemie. Über alle Altersklassen hinweg gibt es allerdings auch Ärzte und Psychotherapeuten, die von der Video-Sprechstunde nicht vollends überzeugt sind. Sie geben zu bedenken, dass gerade ältere Patienten oftmals mit der Technik überfordert sind beziehungsweise nicht über die notwendigen technischen Voraussetzungen verfügen.

Und natürlich spielt auch der Datenschutz für viele eine zentrale Rolle bei der Überlegung, ob sie ihren Patienten digitale Angebote wie die Video-Sprechstunde machen möchten. An dieser Stelle sei zudem gesagt, dass die Video-Sprechstunde grundsätzlich und gerade in Coronazeiten ein wertvolles Instrument zur Vermeidung voller Wartezimmer ist, sie ist aber keinesfalls dazu geeignet, die ärztliche Versorgung flächendeckend zu sichern und damit dem Arztzeitmangel entgegenzuwirken.

TK: Welche (Fach-)Ärztinnen und -Ärzte haben denn bisher besonders von der Video-Sprechstunde profitiert?

Dr. Starke: Die Video-Sprechstunde wird sowohl von Haus- wie auch von Fachärzten angeboten. Es gilt aber zu bedenken, dass nicht jeder Patient per Video versorgt werden kann. Die Symptome müssen erlauben, dass eine Diagnose ohne persönlichen Kontakt in der Praxis möglich ist. Hautausschläge sind hier ein gutes Beispiel. Am besten funktioniert die Video-Sprechstunde unter anderem im psychotherapeutischen Bereich. Entsprechend hoch ist Zahl der Psychotherapeuten, die seit diesem Jahr eine Video-Sprechstunde anbieten.

Zur Person

Dr. Eckhard Starke absolvierte eine internistische/allgemeinmedizinische Facharztweiterbildung und erhielt seine Approbation im Jahr 1984. 1988 ließ er sich als Hausarzt in Offenbach nieder. 2015 übergab er seine Praxis jüngeren Kollegen, war aber dort noch bis 2016 als angestellter Arzt tätig. Von 2013 bis 2016 war Starke stellvertretender Vorsitzender der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen. Seit 2017 ist er der Hausärztliche Vorstand der KV Hessen und deren stellvertretender Vorstandsvorsitzender.