Stuttgart, 19. März 2020. Der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben sich darauf geeinigt, die gültigen Limits für Videosprechstunden bis zunächst 30. Juni 2020 aufzuheben. Bisher durften nur maximal 20 Prozent der Behandlungen per Videosprechstunde stattfinden. Zuvor gab es bereits die Regelung, dass Patienten, die über leichte Erkrankungen der oberen Atemwege klagen, per Telefon von ihrem Arzt für bis zu sieben Tage krankgeschrieben werden können. "Diese Regelungen sind ausdrücklich zu begrüßen. Sie tragen dazu bei, dass nicht unbedingt notwendige Besuche in den Arztpraxen vermieden werden", sagt Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg.

Videosprechstunde bei vielen Patienten denkbar

Wie gut sich der telefonische Arztkontakt bzw. eine Videosprechstunde eignen, um Arztpraxen deutlich zu entlasten und unnötige Aufenthalte in Wartezimmern zu vermeiden, wird in der aktuellen Coronavirus-Krise deutlich. "Längst wissen wir, dass nicht jeder physische Arztbesuch sinnvoll und notwendig ist und der Aufenthalt in einem Wartezimmer immer die Gefahr birgt, sich bei anderen Patienten anzustecken", betont Andreas Vogt. Die TK geht davon aus, dass die Patienten in Baden-Württemberg das Angebot der Videosprechstunden auch gut annehmen werden. Laut einer Studie der TK kann sich in Baden-Württemberg etwa jeder zweite Patient vorstellen, sich künftig per Videochat mit Medizinern auszutauschen. 

Doch auch völlig unabhängig von der aktuellen Situation wird sich die Videosprechstunde auf absehbare Zeit durchsetzen, weil sie für die Patienten praktisch ist. "Wer eine Erkältung oder eine leichte Magen-Darm-Verstimmung hat und deshalb eine Krankmeldung für den Arbeitgeber benötigt, wird künftig die Videosprechstunde in Anspruch nehmen", zeigt sich Vogt überzeugt. Auch in den Arbeitsalltag ließe sich eine Videosprechstunde, z.B. um sich ein Folgerezept ausstellen zu lassen oder um ein Nachsorge-Gespräch mit dem Arzt zu führen, besser integrieren als ein physischer Arztbesuch. 

Videosprechstunde in Baden-Württemberg möglich

Alle gesetzlich Krankenversicherten in Baden-Württemberg haben im Rahmen von Modellprojekten die Möglichkeit, Videosprechstunden ohne vorherigen persönlichen Arztkontakt in Anspruch zu nehmen. In vielen anderen Bundesländern sind dafür keine Modellprojekte mehr nötig. Baden-Württemberg hat diesbezüglich seine Vorreiterrolle verloren und sollte nachlegen.

Patienten in Baden-Württemberg, die bei akuten gesundheitlichen Beschwerden ihren Haus- oder Facharzt nicht erreichen, können sich bei docdirekt per Videochat und Telefon (0711 965 897 00) melden. Für den Kontakt mit Tele-Ärzten und medizinischem Fachpersonal stehen eine iOS- und Android-App im App Store oder auf Google Play zur Verfügung. docdirekt ist für Kassenpatienten kostenfrei, Privatversicherten steht dieser Service nicht zur Verfügung.