Worum es dabei geht, erklärt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg.

TK: Frau Puttfarcken, worum genau handelt es sich bei dem neuen TK-Pilotprojekt zur Fernbehandlung?

Maren Puttfarcken: Als erste Krankenkasse bilden wir mit dem Pilotprojekt eine Behandlungskette - von der Diagnose über die Krankschreibung bis hin zur Medikamentenbestellung - vollständig digital ab. Wir testen die Technik derzeit in einem kleinen Teilnehmerkreis, und sie läuft stabil. Mit Beginn des nächsten Jahres können sich dann rund 14.000 TK-Mitarbeiter von zuhause aus über eine Video-App ärztlich behandeln lassen. 

Wir wollen mit dem Projekt erste Erfahrungen in der Fernbehandlung sammeln und zeigen, wie stark die Digitalisierung im Gesundheitswesen das Leben für Patienten, Ärzte und Apotheker erleichtern kann. 

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

TK: Wie genau funktioniert die digitale Behandlungskette?

Puttfarcken: Das geht ganz einfach. Mit einer Video-App wendet sich der Patient direkt an den Arzt. Dieser stellt im Gespräch und anhand der übertragenen Bilder eine Diagnose. Er kann auch aus der Ferne eine elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen oder ein Medikament verordnen. Die Krankschreibung wird direkt telefonisch an die TK als Krankenkasse und Arbeitgeber übertragen. Das Rezept ist auf dem eigenen Smartphone abrufbar und kann auf Wunsch in einer Hamburger Apotheke elektronisch eingelöst werden. Klar ist aber auch: Ist sich ein Arzt für eine Diagnose zu unsicher, muss der Patient noch persönlich bei einem Arzt vorstellig werden. 

Insbesondere bei Erkrankungen wie einem grippalen Infekt oder Magen-Darm-Infekts sehen wir große Vorteile in der Fernbehandlung. Bisher schleppen sich die Versicherten zu ihrem Hausarzt und stecken im Wartezimmer nicht selten noch andere Patienten an, nur um eine Krankschreibung für den Arbeitgeber zu erhalten. Dabei wären sie zuhause wesentlich besser aufgehoben. 

TK: Können weitere Arbeitgeber an dem Projekt teilnehmen?

Puttfarcken: Sollten weitere Arbeitgeber Interesse an dem TK-Projekt der Fernbehandlung inklusive dem elektronischen Rezept und der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung haben, so sind wir für einen Ausbau offen. Die Unternehmen müssen hierzu dann aber in ihrer Personalverwaltungs-Software eine sichere Schnittstelle für den Anschluss an das Projekt schaffen.

Hintergrund

Für das Projekt hat die TK einen Vertrag mit dem Telearztzentrum der IFE-Gesundheits-GmbH im schleswig-holsteinischen Nehmten geschlossen. Die Behandlung erfolgt ausschließlich durch niedergelassene Ärzte. Das Projekt ist zu Beginn begrenzt auf sieben Krankheitsbilder - darunter Magen-Darm-Infekte, grippale Infekte, Rückenschmerzen und Migräne. 

Bereits seit 2017 erprobt die TK bereits die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in einem weiteren Pilotprojekt. Bisher sind bei der TK rund 120.000 Krankmeldungen auf elektronischem Wege eingegangen. Die Versicherten sparen sich Umschläge, Briefmarken sowie den Weg zum Briefkasten. Die Kasse muss die AU-Bescheinigungen nicht mehr aufwendig einscannen. Und der Arbeitgeber bekommt die Krankmeldung schneller und kann sie als Datensatz einfacher und zuverlässiger verwalten.

Seit Beginn des Jahres 2019 testet die TK außerdem das elektronische Rezept mit zwei Apotheken in Hamburg. Der Versicherte erhält per App einen QR-Code auf sein Smartphone, der direkt an die Apotheke übermittelt werden kann. Er kann dann wählen, ob die Apotheke das Arzneimittel im Großraum Hamburg ausliefern soll oder ob er es sich vor Ort abholt.