Stuttgart, 12. August 2021. 2020 sind die Leistungsausgaben der Techniker Krankenkasse (TK) für ihre rund 1,18 Millionen Versicherten in Baden-Württemberg um mehr als sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Insgesamt hat die Kasse für die medizinische Versorgung ihrer Versicherten im Land rund 3,12 Milliarden Euro aufgewendet.

Niedrigster Pro-Kopf-Wert im Ländervergleich

Rechnerisch erhielt jede und jeder TK-Versicherte im Südwesten medizinische Leistungen in Höhe von 2.655 Euro. Im bundesweiten Vergleich ist das der niedrigste Wert - der Durchschnitt liegt bei 2.846 Euro. Die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben leistet die TK für ihre Versicherten in Sachsen-Anhalt mit knapp über 3.333 Euro.

Rund 900 Millionen für Krankenhäuser

Für Krankenhausbehandlungen ist wie in den Jahren zuvor auch 2020 das meiste Geld gezahlt worden: Rund 778 Euro waren es im Durchschnitt für jede und jeden TK-Versicherten in Baden-Württemberg und damit 4,6 Prozent mehr als im letzten Jahr.

Deutliches Plus für Praxen

Die größte Steigerungsrate ergab sich mit 7,4 Prozent je Versicherten bei den Ausgaben für die Behandlung bei Ärztinnen und Ärzten; 5,4 Prozent mehr musste die TK für die dabei verordneten Arzneimittel ausgeben. Für die ambulante ärztliche Versorgung hat die Kasse 628 Euro je Versicherten gezahlt, 467 Euro pro Kopf gingen an die Apotheken. Einzig bei den Aufwendungen für zahnärztliche Leistungen verzeichnete die TK mit 193 Euro je Versicherten einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr von einem Prozent.

Teure Gesetze erfordern neue Ideen

"Die gestiegenen Ausgaben sind weniger der Coronapandemie geschuldet als einigen Gesetzen für das Gesundheitswesen, die in dieser Legislaturperiode verabschiedet wurden", erklärt Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung in Baden-Württemberg. So wurden beispielsweise neue Regelungen zur ärztlichen Vergütung eingeführt, Heilmittelpreise erhöht und die Pflegekosten aus dem allgemeinen Krankenhausbudget ausgegliedert. "Diese und weitere Ausgaben werden jedes Jahr zu Buche schlagen und vermutlich noch steigen", so Mussa, "Wir brauchen deshalb dringend eine nachhaltige Lösung zur Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung."

Hinweis an die Redaktion

Ende 2020 waren rund 1.181.000 Menschen in Baden-Württemberg bei der TK versichert. Damit verzeichnet sie einen Zuwachs von 18.000 Versicherten im abgelaufenen Jahr. Deutschlandweit waren Ende 2020 rund 10,7 Millionen Menschen TK-versichert. Die Ausgaben für die medizinische Versorgung stiegen bundesweit auf mehr als 30 Milliarden Euro und damit um 4,7 Prozent je Versicherten. Die Verwaltungsausgaben lagen mit fast 109 Euro pro Kopf deutlich unter dem Durchschnitt der gesetzlichen Krankenversicherung, der nach amtlichen Statistiken 162 Euro beträgt.