Den Start machte Ministerin Heike Werner mit einem Rückblick auf die Arbeit der rot-rot-grünen Landesregierung. "Armut ist das stärkste Gesundheitsrisiko", sagte sie.

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Ministerin Heike Werner, Die Linke (Foto: Candy Welz)

Christoph Zippel kritisierte die Präventionsarbeit der aktuellen Regierung. Besonders die Landesgesundheitskonferenz hatte er dabei im Blick: "Es wurde viel diskutiert, Gedanken angestoßen und Papiere geschrieben - für die Bürger aber hat die Landesgesundheitskonferenz bisher nichts erreicht."

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Christoph Zippel, MdL und gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag (Foto: Candy Welz)

Als Experten im Thüringer Gesundheitswesen gaben anschließend Dr. Hans-Jörg Bittrich, Rolf Weigel, Margit Benkenstein und Guido Dressel Statements zu aktuellen gesundheitspolitischen Themen.

Dr. Hans-Jörg Bittrich betonte die Entlastung, die die Facharztquote dem stark strapazierten Personal gebracht hat: "Aus Sicht der Krankenhausärzte ist die Einführung der Facharztquote ein Segen."

Aus Sicht der Krankenhausärzte ist die Einführung der Facharztquote ein Segen.
Dr. Hans-Jörg Bittrich

Im Zusammenhang mit der Facharztquote besteht die Möglichkeit, Ausnahmeanträge für bestimmte Abteilungen zu stellen. Das Problem: Diese liegen weit über ein Jahr beim Sozialministerium. Die Lösung?

"Wir brauchen mehr Manpower im Sozialministerium", sagte Rolf Weigel und schlug eine Personaluntergrenze für das Ministerium vor.

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Dr. Hans-Jörg Bittrich, Vizepräsident der Landesärztekammer Thüringen (links im Bild) und Rolf Weigel, Geschäftsführer der Thüringen-Kliniken Saalfeld und des MVZ der Thüringen-Kliniken (Foto: Candy Welz)

Spezialisierung in den Krankenhäusern

Weiter ging es mit dem Diskussionsforum der Parteien. Nach kurzen Statements zu den  Parteiprogrammen waren die Thüringer Versorgungsstrukturen beziehungsweise die Krankenhausplanung das erste Thema. Während Robert-Martin Montag den FDP-Grundsatz "ambulant vor stationär" hervorhob, forderte Babett Pfefferlein eine stärkere Spezialisierung in den Krankenhäusern und gleichzeitig die Aufklärung der Bevölkerung über strukturelle Veränderungen.

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Babett Pfefferlein, MdL, Bündnis 90/Die Grünen (Foto: Candy Welz)

Nur so ließen sich Ängste über mangelnde Versorgungskapazitäten nehmen: "Thüringen hat über 40 Krankenhäuser - sie alle in ihrer jetzigen Form zu erhalten, wird nicht möglich sein."

Thüringen hat über 40 Krankenhäuser - sie alle in ihrer jetzigen Form zu erhalten, wird nicht möglich sein.
Babett Pfefferlein

Guido Dressel sagte: "Die Zeit ist reif für eine sektorenübergreifende Planung vom Bedarf der Menschen her."

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Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen (Foto: Candy Welz)

Innovative E-Health-Angebote

Beim Thema E-Health herrschte Einigkeit zwischen den Vertretern der  Parteien: Die Digitalisierung eröffnet neue Perspektiven und Chancen in der medizinischen Versorgung, diese gilt es zu nutzen. Vom Schlaganfallnetzwerk SATELIT über Online-Sprechstunden und rein digitale Facharztkonzile bis hin zum TeleArzt-Rucksack existieren bereits innovative Angebote im Freistaat. Dabei soll es allerdings nicht bleiben.

Um die Digitalisierung stärker im Thüringer Gesundheitswesen zu verankern, ist der Breitbandausbau grundlegend, auch hierüber besteht Konsens. Zudem sind professionelle Strukturen zur Förderung, Bewertung und Implementierung geeigneter Projekte nötig, diese fehlen allerdings bislang. Das kritisierte vor allem Robert-Martin Montag und forderte, eine institutionalisierte Innovationsplattform zu etablieren. "Was wir an Telemedizin-Projekten aktuell sehen: Wir werden von links und rechts überholt", sagte er.

Was wir an Telemedizin-Projekten aktuell sehen: Wir werden von links und rechts überholt.
Robert-Martin Montag

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Robert-Martin Montag, Generalsekretär der FDP Thüringen (Foto: Candy Welz)

Mehr Medizinstudienplätze in Jena

Wie kann Thüringen ausreichend Ärztenachwuchs gewinnen? Mehr Medizinstudienplätze an der Universität in Jena wären wünschenswert, soweit scheint man sich parteiübergreifend einig. Zahlenmäßig bewegen sich die Forderungen in einer Größenordnung von zusätzlichen 10 Prozent - das entspräche 20 bis 30 neuen Plätzen. Erweiterte Studienkapazitäten allein dürften allerdings nicht ausreichen, um das drohende Problem einer Unterversorgung - gerade in ländlichen Gebieten - zu lösen.

Zusätzliche Anreize, in Thüringen Landarzt zu werden, müssen demnach her. Das bekräftigten sowohl Thomas Hartung als auch Babett Pfefferlein. Die Gestaltung dieser Anreize ist allerdings nicht leicht; die naheliegende Variante einer "Landeskinderquote" (in Thüringen aufgewachsene Bewerber bei der Studienplatzvergabe bevorzugen) ist rechtlich nicht umsetzbar.

Pflegeberufe brauchen mehr Anerkennung

Die Ausgangslage in Thüringen lässt wenig Spielraum für Interpretationen: Es gibt immer mehr Pflegebedürftige, gleichzeitig ist das Reservoir an künftigen Pflegefachkräften begrenzt. Entsprechend groß sind die Herausforderungen für die Pflegepolitik im Freistaat. "Pflegepersonal zu rekrutieren ist die Aufgabe Nummer 1 für die jetzige und auch die kommende Regierung", sagte Margit Benkenstein. 

Über eine wichtige Grundlage waren sich die Parteienvertreter einig: Pflegeberufe brauchen mehr gesellschaftliche Anerkennung. Darüber hinaus fordern SPD, Linke, Grüne und FDP die Einführung eines Personalschlüssels für Pflegeberufe.

Auch bei den Vergütungen bestehe noch Handlungsbedarf, betonte Thomas Hartung. Die Thüringer Sozialdemokraten drängen auf einen fachrichtungsübergreifenden Flächentarifvertrag. So soll das Einkommensgefälle zwischen Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege beseitigt werden. Ministerin Heike Werner hingegen betonte, dass auch die pflegenden Angehörigen in der Diskussion nicht zu kurz kommen dürfen. Ihr Vorschlag: Um sie zu entlasten, sollten Pflegestützpunkte als kommunale Beratungsstellen flächendeckend etabliert und Pflege-Genossenschaften unterstützt werden.

Grup­pen­foto Weimarer Gespräche 2019

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v.l.: Christoph Zippel, Nils Kawig,  Dr. Hans-Jörg Bittrich, Prof. Dr. Michael Hartmann, Margit Benkenstein, Guido Dressel, Rolf Weigel und Ministerin Heike Werner (Foto: Candy Welz)

Bei den Weimarer Gesprächen diskutierten:

• Margit Benkenstein, Vorsitzende der Landesgruppe Thüringen des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa)

• Dr. Hans-Jörg Bittrich, Vizepräsident der Landesärztekammer Thüringen

• Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen

• Dr. Thomas Hartung, SPD-Fraktion

• Stephan Hauschild, Vorsitzender Landesfachkommission Gesundheit im Wirtschaftsrat der CDU

• Corinna Herold, AfD-Fraktion

• Robert-Martin Montag, Generalsekretär der FDP Thüringen

• Babett Pfefferlein, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

• Rolf Weigel, Geschäftsführer der Thüringen-KlinikenSaalfeld und des MZV der Thüringen-Kliniken

• Heike Werner, Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie

• Christoph Zippel, CDU-Fraktion

• Nils Kawig, Chefredakteur der Thüringischen Landeszeitung (Moderator der Veranstaltung)