München, 27. August 2019. "Die Zulassungsmöglichkeiten in den überversorgten Gebieten müssen endlich konsequent gestrichen werden. Solange die Arztsitze in diesen meist attraktiven Gebieten weiterhin nachbesetzt werden, fehlt der Anreiz, sich in den weniger gut versorgten Regionen niederzulassen", sagte Christian Bredl, Leiter der Techniker Krankenkasse in Bayern, - nein, nicht heute, sondern genau auf den Tag vor sechs Jahren am 27. August 2013!

Ungleiche Verteilung besteht weiterhin 

Auch nach einer weiteren Reform der ärztlichen Bedarfsplanung, die am 30. Juni dieses Jahres in Kraft getreten ist, hat sich an der Aussage nichts geändert. Das zeigen einige Beispiele zum aktuellen Versorgungsgrad in vergleichbaren Regionen:

  •  Während in Schongau-Peiting ein Hausarzt rechnerisch 1.176 Einwohner versorgt, sind es in Schweinfurt Nord mit 2.211 rund doppelt so viele.
  • Im Berchtesgadener Land steht ein Augenarzt im Schnitt für 15.000 Bürger zur Verfügung, in Weißenburg-Gunzenhausen dagegen für über 47.000 Menschen. Laut Bedarfsplanung sollte in jeder diesen beiden Regionen ein Augenmediziner für etwa 19.000 Einwohner vorhanden sein. 
  • Ein Kinderarzt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen hat rein rechnerisch 1.400 Kinder und Jugendliche zu versorgen. Bei seinem Kollegen im Kreis Kronach sind es rund 4.800 - also mehr als das Dreifache. Die neue Planung sieht in beiden Gebieten jeweils für cirka 2.800 Einwohner unter 18 Jahren einen Kinder- und Jugendarzt vor. 

"Bayern ist gut mit niedergelassenen Ärzten versorgt. Sie sind aber nach wie vor ungleich verteilt", fasst Bredl die Daten zusammen.

Neue Zulassungsmöglichkeiten bisher nur ein Papiertiger

Mit der neuen Bedarfsplanungs-Richtlinie sind nach den ersten Hochrechnungen in Bayern rund 350 neue Zulassungsmöglichkeiten für Ärzte und 100 für Psychotherapeuten vorgesehen. So soll beispielsweise jetzt ein Hausarzt 1.609 Einwohner versorgen anstatt bisher 1.671. Deutliche Verbesserungen gibt es - zumindest auf dem Papier - bei Kinder- und Jugendärzten. 

"Es müssen sich erst einmal Interessenten finden, die bereit sind, sich beispielsweise in den nordbayerischen Regionen niederzulassen", so Bredl. Aktuell gibt es bei den Hausärzten bayernweit neun Planungsbereiche, in denen Unterversorgung droht. Acht davon nördlich der Donau und einer in Niederbayern. Bei den Fachärzten ist es ähnlich. Von sechs Planungsbereichen, bei denen Unterversorgung droht oder bereits vorliegt, sind fünf in Franken.

Auch bei Fachinternisten wie Kardiologen, Gastroenterologen oder Onkologen sollen sich die Niederlassungsmöglichkeiten verbessen. Der bayerische TK-Chef vermutet jedoch, dass der Freistaat kaum davon profitieren wird. Bei den fachärztlichen Internisten lag bisher in allen Planungsbereichen eine deutliche Überversorgung vor.

Versorgungsauftrag des Arztes wurde nicht definiert

Weiteres Manko der aktuellen Reform: Es wurde nicht definiert, welchen Umfang der Versorgungsauftrag eines Arztes hat. Wie viele Fälle oder welchen Zeitaufwand hat ein Arzt für einen halben, dreiviertel oder vollen Versorgungsauftrag zu erbringen? Einfach die wöchentliche Mindestsprechstundenzeit von 20 auf 25 Stunden zu erhöhen ist Augenwischerei. Das löst nicht das Kernproblem.

Sollte so der ärztliche Versorgungsauftrag definiert sein, erfüllen das heute schon locker die allermeisten niedergelassenen Ärzte in Bayern. Dennoch gibt es weiterhin Mediziner, die auf Dauer nur einen Bruchteil dessen leisten, was ihre ärztlichen Kollegen erbringen und trotzdem eine volle Zulassung blockieren.

Der große Wurf ist mit der aktuellen Reform nicht gelungen. Es ist auch keine Frage des Geldes, denn in den Regionen, in denen noch Ärzte gebraucht werden, sind die Einkommensmöglichkeiten hervorragend.

Bredl: "Werden nicht endlich nachhaltig Niederlassungsmöglichkeiten in den attraktiven, überversorgten Planungsbereichen gestrichen und die Ärzte in die Regionen gelenkt, in denen sie wirklich gebraucht werden, lautet mein Fazit in sechs Jahren wohl wieder: Die Chancen waren da, strukturell geändert hat sich aber kaum was. Und das kann nicht im Sinne der bayerischen Bürger sein."

Hinweis für die Redaktion

Die komplette TK-Position zur ärztlichen Bedarfsplanung in Bayern mit weiteren interessanten Aspekten 

Wie es mit den Ärzten in Ihrer Region aussieht, finden Sie unter www.kvb.de/ueber-uns/versorgungsatlas. Außerdem gibt es dazu bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB)  übersichtlich für jede Region und Arztgruppe Planungsblätter