TK: Welche Bedeutung spielt die Gesundheitswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern?

Lars Bauer: Die Gesundheitswirtschaft ist ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor für den Nordosten und hinterlässt deutliche Spuren im Land. Ihr Anteil an der Gesamtwirtschaft beträgt 15,3 Prozent, in absoluten Zahlen 5,5 Mrd. Euro. Die Gesundheitswirtschaft generiert mittlerweile mehr Wertschöpfung als das verarbeitende Gewerbe, der Informations- und Kommunikationstechnologiesektor sowie die Finanzbranche zusammen. Zu ihr zählen die Handlungsfelder Life Science (u. a. mit Medizintechnik, Pharma und eHealth), Gesundheitsdienstleistungen (u. a. Gesundheitswesen), generationsübergreifendes Gesundes Alter(n), Gesundheitstourismus sowie Ernährung für die Gesundheit (u. a. gesundheitsfördernde Lebensmittel). Die Branche gilt seit Jahren als Beschäftigungsgarant und -motor des Bundeslandes. Etwa jeder fünfte Arbeitsplatz, insgesamt 146.700 Erwerbstätige, ist laut Studie „Der ökonomische Fußabdruck der Gesundheitswirtschaft in MV“ mit der Branche im Land verbunden. Sie hinterlässt damit nicht nur deutliche (ökonomische) Spuren, sie ist zudem Wachstumstreiber für den Nordosten des Landes.

TK: Worauf ist diese tolle Entwicklung zurückzuführen?

Michael Lüdke: Diese Erfolge kommen nicht von ungefähr: Mit der „Software“, also dem reizarmen Klima und intakten Landschaften, existiert eine naturgegeben gute Ausgangslage für Mecklenburg-Vorpommern. Die „Hardware“ stimmt ebenso: Der Gesundheits- und Wohlfühlsektor gehört zu den leistungsfähigsten in Europa. Der Mittelstand mit seinen kleinen und mittleren Unternehmen, darunter Stent-Hersteller wie die Cortronik GmbH, die RoweMed AG als Spezialist in der Entwicklung, Produktion und im Vertrieb von innovativen Produkten für die Medizintechnik die IDT Biologika, Produzent biotechnologisch hergestellter Impfstoffe und Pharmazeutika für den weltweiten Markt, sowie die Braun Beteiligungs GmbH haben sich zu einem wesentlichen Garanten für diesen Erfolg entwickelt.

Lars Bauer: Darüber hinaus existiert in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren ein klares Bekenntnis der Landespolitik zur Gesundheitswirtschaft als einem Schwerpunkt der Landesentwicklungspolitik. Sie bildet eine der Zukunftsbranchen mit überdurchschnittlichem Wachstumspotential. Dazu hat sie mit dem „Masterplan Gesundheitswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern 2020“ die Weichen auf „Wachstum“ gestellt. Dessen Umsetzung wird durch das Kuratorium Gesundheitswirtschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommern ermöglicht, einem 70-köpfigen, deutschlandweit einmaliges Beratungsgremium unter dem Vorsitz der Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

Zudem hat sich das Land frühzeitig und zielgerichtet auf die wissensbasierte Wirtschaft, auch mit Blick auf die Gesundheitswirtschaft, des Landes fokussiert. Ein vom Wirtschaftsministerium eingerichteter "Strategierat Wirtschaft+Wissenschaft“ arbeitet an der Profilierung als Forschungs- und Technologiestandort. Forschungsaktivitäten an nahezu allen der sechs Hochschulen des Landes tragen Früchte.

TK: Und Sie halten als Netzwerk die Fäden zusammen?

Lars Bauer: Wir haben als BioCon Valley® GmbH die wundervolle Aufgabe, die Maßnahmen für die Gesundheitswirtschaft im Auftrag des Landes zu koordinieren und gemeinsam mit den Akteuren zu entwickeln. Wir verstehen uns in dieser Hinsicht als Dienstleister, Türöffner und Taktgeber für das Land und die Branche. Als ein Erfolgsfaktor der positiven Entwicklung des Bundeslandes in der Gesundheitswirtschaft hat sich in den letzten Jahren der hohe Vernetzungsgrad herausgestellt. Die BioCon Valley® GmbH fördert den Dialog zwischen den Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik mit dem Ziel, Kompetenzen zu vernetzen, Kooperation zu initiieren, auch und insbesondere auf internationaler Ebene. Die Bündelung der Aktivitäten, die Beratung und Koordinierung der Branchenakteure, die Gremien- und Verbandsarbeit sowie die Beobachtung der Gesamtentwicklung sind daher wesentliche Aufgaben von BioCon Valley®. Dazu zählt u. a. auch das Management des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft. 

BioCon Valley® initiiert und begleitet Projekte, etwa wenn es darum geht, die Verwendung von Biomarkern am Markt zu etablieren, um im Ergebnis Krankheiten noch schneller zu erkennen. Oder mit dem „Ideenwettbewerb Gesundheitswirtschaft“ im Auftrag des Wirtschaftsministeriums. Er gibt Start-ups, aber auch am Markt bereits etablierten Unternehmen die Möglichkeit, ihre Ideen, etwa im Bereich der Digitalisierung umzusetzen, um langfristig Wertschöpfung für Mecklenburg-Vorpommern zu erzielen. Kleine fachspezifische Formate wie der „Marktplatz Gesundheit“, aber auch Veranstaltungen wie der Parlamentarische Abend zur Gesundheitswirtschaft oder die jüngst stattgefundene Nationale Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft mit über 700 Teilnehmern helfen mit, die Gesundheitswirtschaft innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen sichtbarer zu machen.

Michael Lüdke: Die Intensivierung der Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft ist uns dabei eine besonders wichtige Aufgabe. Wir unterstützen Unternehmen in ihren Internationalisierungsaktivitäten. Dazu zählt die Präsentation von Region und Branchen bei internationalen Leitmessen, die Organisation und Begleitung von Wirtschaftsdelegationen genauso wie die Erstellung maßgeschneiderter Angebote für die Branche. Mit Wirtschaftsminister Harry Glawe reiste beispielsweise vor kurzem eine 14-köpfige Gesundheitswirtschaftsdelegation gemeinsam mit der TK nach Portugal, um die bestehende Kooperationsvereinbarung mit der Region Coimbra erneut mit Leben zu füllen. Die TK hatte mit ihrem Europaservice und den existierenden Kontakten in 2015 eine wichtige Grundlage gelegt, dass die Kooperation mit der Region Coimbra zustande kam und bis heute anhält. All diese Aktivitäten benötigen ein funktionierendes Netzwerk. Neben der GmbH gibt es einen BioCon Valley®-Verein, der zusammen als Initiative funktioniert. Mit seinen circa 120 Mitgliedern deckt er die Bandbreite der Gesundheitswirtschaft ab.

TK: Mit der „Soft- und „Hardware“ des Landes sind doch die Weichen für die Digitalisierung gestellt, oder?

Lars Bauer: Wenn das Land eine hervorragende „Software“ (natürliche Landesgegebenheiten) und „Hardware“ (Infrastruktur) bietet, müssen diese auch im digitalen Zeitalter zusammengeführt werden. Für den heraufziehenden Wandel aufgrund der Digitalisierung ist MV gerüstet: Der aktuell laufende großflächige Breitbandausbau wird den Boden für neue Anwendungen in der Telemedizin und digitalen Versorgung bereiten. Das nordöstliche Bundesland ist hierfür bereits heute ein Modellraum für innovative Anwendungen. Dazu zählt beispielsweise das über den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) geförderte Vorhaben TeleDermatologie. Für dieses Projekt hat die TK in MV die Federführung. Mithilfe einer App soll am Beispiel der Dermatologie die Versorgung im ländlichen Raum verbessert werden.
Ebenfalls mit Mitteln aus dem Innovationsfonds wird das Vorhaben „HerzEffekt MV“ ermöglicht. Das Projekt vernetzt Patienten und Gesundheitsdienstleister in Mecklenburg-Vorpommern wie Kliniken, Ärzte, Sanitätshäuser oder Apotheken.

Michael Lüdke: BioCon Valley® selbst ist im Digitalisierungsbeirat des Landes vertreten und flankiert Aktivitäten im Rahmen der Arbeitsgruppe „Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft“ des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft. Diese und andere aktuelle Entwicklungen werden seit 2005 alljährlich in der Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft vorgestellt, die von der BioCon Valley® GmbH organisiert wird. In den vergangenen Jahren gehörten auch eHealth, Telemedizin und Digitalisierung zu den Schwerpunktthemen. Die TK leistet hierfür mit vielen anderen Akteuren im Rahmen der Programmkommission sowie in der medialen Begleitung eine wertvolle Unterstützung.

Lars Bauer: Kurzum: Die Gesundheitswirtschaft ist ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor, ist imagebildend für den Nordosten und hinterlässt deutliche Spuren im Land.

Ansprechpartnerin Presse

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