TK: Frau Austenat-Wied, seit vier Jahren erprobt die TK in Mecklenburg-Vorpommern teledermatologische Konsile. Wie zufrieden sind Sie bisher mit der Versorgungsform?

Manon Austenat-Wied:  Die digitale Dermatologie hat in Mecklenburg-Vorpommern eine lange Tradition. Bevor Prof. Michael Jünger (Universitätsmedizin Greifswald) mit der Idee eines gemeinsamen Innovationsfondsprojekts auf uns zu kam, waren wir bereits im Bereich der mobilen dermatologischen Beratung aktiv. Der erste Ansatz war die telemedizinische Betreuung von Neurodermitis per Smartphone-App. Diese Versorgungsleistung und die dazugehörige technische Ausstattung haben wir als Ausgangspunkt für das neue Projekt genommen. 

Die zeitgemäße Weiterentwicklung der technischen Hilfsmittel und die optimale Integration in den ärztlichen Alltag waren eine Herausforderung. Insbesondere die aufwendige wissenschaftliche Evaluation stieß bei vielen Ärztinnen und Ärzten auf wenig Verständnis. Nach jeder Patientenbetreuung einen 40 Fragen umfassenden digitalen Fragebogen auszufüllen, lässt sich schwer in den oft stressigen Praxisalltag integrieren. Dennoch ist es uns gemeinsam mit unseren Partnern vom Institut für angewandte Versorgungsforschung (inav) gelungen,  praxisnahe Lösungen zu finden. Letztlich waren es die Ärztinnen und Ärzte des Landes selbst, die durch ihre kooperativen Vorschläge dafür sorgen konnten, dass das Projekt und die Evaluation reibungslos funktioniert.  

Auch wenn noch kein Abschlussbericht zur wissenschaftlichen Evaluation vorliegt, können wir als Techniker Krankenkasse bereits ein positives Fazit ziehen. Wir konnten die dermatologische Versorgung unserer Versicherten, gerade in den ländlichen Regionen des Bundeslandes, spürbar verbessern. Auch das Feedback der teilnehmenden Versicherten stimmt uns positiv und bestärkt uns darin, die Versorgungsleistung unabhängig der Evaluation langfristig anzubieten.

Manon Auste­nat-Wied

Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern

TK:  Der finale Evaluationsbericht liegt noch nicht vor, können Sie uns dennoch schon einen Einblick in die bereits existierenden Ergebnisse geben?

Austenat-Wied: Sehr gerne. Die zentrale Botschaft ist für mich, dass innovative Versorgungsangebote nicht nur auf die medizinische Versorgung wirken, sondern alle Lebensbereiche der Patientinnen und Patienten tangieren. Fast 75 Prozent der teilnehmenden Patientinnen und Patienten berichten, dass sie durch das teledermatologische Konsil eine Verbesserung ihrer Lebensqualität spüren. Dies ist für mich eine wichtige und für die Versorgung insgesamt zentrale Erkenntnis. Wenn ein innovatives Behandlungsangebot nicht nur die medizinische Betreuung verbessert, sondern auch das Lebensgefühl der Menschen zum Positiven verändert, sollten wir als Akteure der Gesundheitsversorgung stärker in diesem Bereich aktiv sein. Die Menschen unseres Bundeslandes empfinden telemedizinische Angebote eben nicht, wie von vielen altväterlichen Entscheidungsträgern unterstellt, als minderwertige Dienstleistung oder gar Belastung. Stattdessen wollen auch die Einwohnerinnen und Einwohner von ländlichen Regionen Zugang zu modernster medizinischer Versorgung. Daher setzen wir uns dafür ein, den telemedizinischen Ansatz flächendeckend und fachrichtungsübergreifend auszubauen. Ich denke dabei an regelmäßige digitale Sprechstunden von Hausärztinnen und Hausärzten in den Dörfern Mecklenburg und Vorpommerns, sowie an telemedizinische Konsultationen von regionalen Gesundheitszentren mit Spezialisten der Maximalversorgung.