TK: Die politischen Entscheidungsträger und Experten der Enquete-Kommission des Schweriner Landtags setzen große Erwartungen in das hcb-Gutachten. Wurden die hohen Anforderungen aus ihrer Sicht erfüllt?

Manon Austenat-Wied: Zunächst einmal möchte ich dem Gutachterteam rund um Prof. Augurzky danken. Innerhalb eines kurzen Zeitraumes ist es gelungen, die Versorgungssituation des Landes Mecklenburg-Vorpommern umfänglich abzubilden. Gleichzeitig liefert das Gutachten detaillierte Prognosen der Bedarfsentwicklung und verknüpft diese geschickt mit notwendigen strukturellen Reformschritten. 

Ausgehend von nachvollziehbaren Datengrundlagen räumt das Gutachten auch mit dem ein oder anderen oft strategisch eingesetzten Mantra auf. Zum Beispiel finde ich es erfrischend, wie detailliert die Gutachter auf die Altersstruktur der Ärzte im Land blicken. Die Zahlen belegen eindeutig, dass weder die Hausärzte noch die Fachärzte in Mecklenburg-Vorpommern älter sind, als ihre andernorts aktiven Kollegen. Gerade die Innovations- und Digitalisierungssdynamik der vergangenen Monate hat offenbart, wie viele junge und mental jung gebliebene Ärzte wir in unserem schönen Bundesland haben. Ohne die breite Unterstützung der Ärzteschaft wären Neuerungen, wie die Einführung des eRezepts und der elektronischen Patientenakte, nicht möglich gewesen.

Nichtsdestotrotz bedarf es natürlich größerer Reformschritte, damit wir auch in Zukunft flächendeckend mit hoher Qualität versorgen können. Gerade das zentrale Anliegen der Gutachter, die Versorgungslandschaft stärker an den Bedarfen der Patienten auszurichten, müssen die Akteure im Gesundheitswesen ernster nehmen. Hier hoffe ich, insbesondere beim Thema sektorenübergreifende Versorgungsplanung, auf ein stärkeres Engagement der ärztlichen Selbstverwaltungskörperschaften. Wir haben bereits in unserer Position zum Versorgungsmonitoring einen Vorschlag geliefert, wie wir die Sektoren des Gesundheitswesens verzahnen und die regionalen Versorgungsbedarfe besser decken können. Die bundesweite Einführung von Regionalbudgets halte ich dabei nicht für den zielführenden Weg. Für mich bedeutet starke regionale Versorgung, dass wir die bundesweit beste Versorgungsleistung regional verfügbar machen und nicht, dass wir jedes Leistungsangebot unabhängig des Bedarfs und der Qualität regional vorhalten. Dies widerspricht dem Solidarprinzip und wäre langfristig nicht sozial gerecht finanzierbar. 

Insgesamt liefert das Gutachten eine kompakte Übersicht der bereits seit längerem diskutierten und von uns geforderten Reformschritte. Ich denke dabei auch an die Einrichtung virtueller  Krankenhäuser und Clusterstrukturen, einem verstärkten Einsatz der Telemedizin  und die  Erprobung von KI-Systemen  in der Praxis. Es liegt nun an den Akteuren der Daseinsvorsorge und Gesundheitsversorgung, die notwendigen Reformen umzusetzen. Ich hoffe im Sinne der Patienten im Land auf eine gute Reformdynamik und freue mich darauf, die Zukunft der medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern mitzugestalten.

Manon Auste­nat-Wied

Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern