TK: Die Corona-Krise fordert auch dem schleswig-holsteinischen Gesundheitssystem enorm viel ab. Wo sehen Sie derzeit die Rolle der TK-Landesvertretung?

Sören Schmidt-Bodenstein: Für alle Beteiligten ist die Corona-Pandemie eine echte Herausforderung. Etwas Vergleichbares haben wir alle noch nie erlebt. Wir tauschen uns derzeit intensiv mit unseren Partnern - wie zum Beispiel Kliniken, Ärzten, Ministerien und Verbänden - aus und entwickeln gemeinsam Lösungen für die aktuellen Nöte und Belastungen in der Versorgung.

Dabei möchte ich aber betonen, dass es nicht nur Exklusiv-Lösungen für Schleswig-Holstein gibt. Entscheidungen - wie zum Beispiel das COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz oder der Pflege-Rettungsschirm - werden auf Bundesebene getroffen. Es ist dann an uns, diese gemeinschaftlich auf Landesebene umzusetzen. 

Konkretes Beispiel sind die Zahlungen an die Reha- und Vorsorgeeinrichtungen. Wir als TK sind im Zuge der Umsetzung des Rettungsschirms in Schleswig-Holstein dafür zuständig, die Anträge der Einrichtungen zu prüfen und dafür zu sorgen, dass die Finanzhilfen schnellstmöglich fließen. Hintergrund ist, dass die Häuser Betten für Krankenhauspatienten freihalten, die sie nicht für Reha-Patienten nutzen können, und somit finanzielle Einbußen verzeichnen.  

TK: Die TK geht beim digitalen Fortschritt im Gesundheitssystem schon seit Jahren voran. Die Forderungen nach weiteren digitalen Lösungen werden aktuell immer lauter. Wo sehen Sie insbesondere jetzt die Chancen von digitalen Möglichkeiten?

Schmidt-Bodenstein: Die derzeitige Lage zeigt einmal mehr, welche enorme Bedeutung digitalen Lösungen im Gesundheitssystem zukommt. Und sie zeigt auch, dass in der Arztpraxis bestimmte medizinische Fragen geklärt werden können, ohne einen unmittelbaren Arzt-Patienten-Kontakt zu haben.

Sören Schmidt-Boden­stein

Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein

Die TK geht in der Fernbehandlung mit ihrem Pilotprojekt TK-Online-Sprechstunde schon seit einiger Zeit neue Wege. TK-Mitarbeiter können einen Arzt über die TK-Doc-App online konsultieren und sich bei leichten Erkrankungen - wie zum Beispiel Magen-Darmbeschwerden - krankschreiben lassen.

Wir beobachten derzeit auch, dass immer mehr Praxen im Norden Videosprechstunden anbieten. Darüber hinaus sind bestehende Angebote wie die Online-Beratung, die TK-Versicherte pflegende Angehörige kostenlos nutzen können, oder auch unser Depressions-Coach gerade jetzt wichtiger denn je. Und neue Angebote wie Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse per Videotelefonie oder Psychotherapie gegen Angststörungen mittels Virtual Reality bieten innovative Lösungen in diesen Zeiten. Wir alle machen hier gerade wichtige Erfahrungen. Meine Hoffnung ist, dass uns die aktuelle Lage Mut gibt, auch nach der Corona-Pandemie auf dem Weg der digitalen Diagnostik und Therapie weiter voranzuschreiten. 

TK: Wie meistert Ihrer Ansicht nach das schleswig-holsteinische Gesundheitsministerium diese Ausnahmesituation?

Schmidt-Bodenstein: Das schleswig-holsteinische Gesundheitsministerium spielt natürlich hier im Norden eine zentrale Rolle. Mein Eindruck ist, dass Entscheidungen mit Bedacht und dabei zeitnah und flexibel getroffen werden. 

TK: Die Corona-Krise hat ganz unterschiedliche Auswirkungen auf das Leben jedes Einzelnen. Wie erleben Sie persönlich Ihren derzeitigen Arbeitsalltag?

Schmidt-Bodenstein: Der Austausch findet fast nur noch telefonisch oder per Videokonferenz statt. Hier hat sich inzwischen eine neue Normalität eingespielt. Technische Hürden und das anfänglich sehr ungewohnte Gefühl sind überwunden - und ich denke, dass sich diese Formate auch nach der Krise halten werden. Kürzlich habe ich auf Twitter auch unser erstes Videochat-Interview hochladen - ein neues Format, welches wir gerade ausprobieren.

Der persönliche Austausch - zum Beispiel auf Kongressen oder Diskussionsforen - ist meiner Ansicht nach dennoch wichtig, um die Versorgung in Schleswig-Holstein weiter voranzutreiben. Ich freue mich schon darauf, wenn dies wieder gefahrlos möglich ist. Bis dahin müssen wir Möglichkeiten finden, um weiter im intensiven Austausch zu bleiben.