"Never waste a good crisis" sagte schon Winston Churchill - und er hatte einige davon in seinem Leben zu bewältigen. Zweifelsohne fällt die aktuelle Corona-Situation in die Kategorie Krise, aus der wir eine Menge lernen können - und sollten. Auch wenn wir noch mittendrin sind im pandemischen Geschehen, sind Eckpunkte, die wir diskutieren müssen, schon deutlich zu erkennen.

Rahmenbedingungen in der Alten- und Krankenpflege verbessern

Mit am stärksten betroffen war und ist die Alten- und Krankenpflege. Die ohnehin schon angespannte Situation konnte nur durch ein zusätzliches Engagement der Pflegekräfte gemeistert werden. Das geht mal eine Zeit lang gut, ist aber als Lösung gänzlich ungeeignet. Notwendig ist eine Doppelstrategie: Die Berufe in der Alten- und Krankenpflege müssen für Berufseinsteiger attraktiver werden. Zugleich müssen aber auch die Bedarfe derjenigen im Mittelpunkt stehen, die jetzt die Pflege sichern. Für beide Gruppen gilt gleichermaßen: die Bezahlung und die Rahmenbedingungen der Arbeit müssen verbessert werden.

Impuls für bessere Zusammenarbeit und Aufgabenteilung 

Starke Impulse nehme ich zum Thema "Zusammenarbeit" wahr. Beispiel stationäre Versorgung. Sehr schnell hat das Land Schleswig-Holstein zur Behandlung der schwer an Covid-19 Erkrankten sechs Cluster ausgerufen und die Krankenhäuser zur patientenorientierten Zusammenarbeit verpflichtet. Das mag in der Praxis unterschiedlich gut funktionieren. Zugleich ist damit aber der Einstieg in eine Planungs- und Versorgungslogik gemacht, die auch auf andere Bereiche sinnvoll übertragbar ist. Stichworte Rettungsdienst-Organisation, Schlaganfallversorgung, Geburtshilfe. Was darf, was muss das Land vorgeben und wo muss es planerisch wirksam werden? Aus meiner Sicht sollte im Krankenhausplan die Zusammenarbeit und Aufgabenteilung zwischen Krankenhäusern festgelegt werden. Dazu könnte im Landeskrankenhausgesetz festgeschrieben werden, dass der Krankenhausplan insbesondere Netzwerke von Zentren und Schwerpunkte zur Förderung der Qualität in der Versorgung bestimmen kann. Damit würde deutlich werden, dass in Zukunft dem Thema Netzwerke in der Krankenhausplanung eine noch wichtigere Rolle zukommt.

Sören Schmidt-Boden­stein

Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein

Digitale Lösungen haben sich bewährt

Digitalisierung und Telemedizin werden fester Bestandteil in der ärztlichen Praxis werden.

Digitale Lösungen, wie Videosprechstunden in der niedergelassenen Praxis, haben während der Corona-Pandemie richtig Fahrt aufgenommen. Weil sie es ermöglichen, in bestimmten Fällen ohne physischen Kontakt, aber zugleich sicher und "barrierearm" Patienten zu behandeln. Es hat in Krisenzeiten funktioniert, warum soll das nach Corona wieder anders sein? Digitalisierung und Telemedizin werden fester Bestandteil in der ärztlichen Praxis werden. 

Das ist meine feste Überzeugung und deswegen haben wir schon vor Corona Projekte wie etwa "Telemedizin im ländlichen Raum", die "TK-Onlinesprechstunde" oder "Invirto - Die App gegen Angststörungen" initiiert. 

Die Bedeutung des ÖGD ist deutlich geworden

Spannend ist auch, wie sich die Bedeutung des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) verändert hat: Der ÖGD stand bislang eher am Rand der gesundheitspolitischen Wahrnehmung. Ohne den ÖGD wäre die Krise in Schleswig-Holstein aber bislang nicht so gut gemanagt worden. Dies gilt ebenso für die kommunale Ebene der Kreise und kreisfreien Städte. Auch hier hat man gesehen, wie wichtig in Krisensituationen entsprechende operative Fähigkeiten sind.
 
Und last but not least werden wir über die Themen Versorgungssicherung und Bevorratung diskutieren müssen. In 2019 haben wir derartige Diskussionen nur im Ansatz geführt, beispielsweise für die Arzneimittelversorgung. Jetzt sehen wir, wie wichtig die Frage von Vorhaltung und einer gewissen Autonomie bei der Produktion bestimmter Medizinprodukte und Arzneimittel ist.


Lassen Sie uns weiter nach innovativen Lösungen suchen, um die Versorgung der Menschen im Land zukunftsfähig aufzustellen.

Das sind nur kurze Blitzlichter. Diese zeigen aber, wie wir in großem Tempo neue Erfahrungen sammeln und sich Strukturen und Prozesse ändern (lassen), wenn es darauf ankommt. Auf diese positiven Erfahrungen müssen wir jetzt konsequent aufbauen, um die medizinische und pflegerische Versorgung der Menschen in Schleswig-Holstein zukunftsfähig aufzustellen.
Lassen Sie uns weiter gemeinsam nach innovativen Lösungen suchen! 
Ihr Sören Schmidt-Bodenstein