Durch ein besonnenes und gemeinsames Handeln ist es allen Akteuren bisher gut gelungen,die coronabedingten Herausforderungen zu bewältigen.

Schon vor der Pandemie haben die Verantwortlichen im hessischen Gesundheitswesen gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet. In Zeiten von Corona sind aber alle noch ein ganzes Stück enger zusammengerückt - wenn auch im übertragenen Sinne. Was vorher im persönlichen Austausch vor Ort geklärt worden ist, wird seit Beginn der Krise in zahlreichen Telefon- und Videokonferenzen verhandelt. Gemeinsam haben die Partner unter Zeitdruck unkomplizierte und schnelle Lösungen gefunden, um die medizinische Versorgung der Menschen in Hessen auf hohem Niveau sicherzustellen.

Selbstverwaltung funktioniert

"Der Selbstverwaltung sagt man oft nach, langsam und behäbig zu sein. Die Krise hat jedoch gezeigt, dass die Selbstverwaltung funktioniert. Es ist beeindruckend, was innerhalb kürzester Zeit und vor dem Hintergrund einer sich ständig verändernden Situation alles auf die Beine gestellt wurde", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen. Die Zulassung neuer Ärzte und Psychotherapeuten in Hessen per Videokonferenz oder die Finanzierung von zusätzlichem Schutzmaterial durch die hessischen Krankenkassen seien hier nur beispielhaft genannt.

Dr. Barbara Voß

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen

In der Krise haben mit der Hessischen Krankenhausgesellschaft (HKG) und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen auch zwei Partner zueinander gefunden, deren Zusammenarbeit in der Vergangenheit nicht immer völlig spannungsfrei war. Beide Institutionen ziehen in der Pandemie an einem Strang. Bestes Beispiel dafür ist die Anbindung des ambulanten Sektors an das digitale Notfallmeldesystem IVENA. Müssen Rettungssanitäter zu COVID-19-Patienten oder zu Menschen bei denen ein entsprechender Verdacht besteht ausrücken, können sie im Rettungswagen nun nicht nur einsehen, welche Kliniken Kapazitäten frei haben, sondern auch welche Arztpraxen angesteuert werden können. Die KV hat hessenweit fast 60 Schwerpunktpraxen installiert, in denen COVID-19-Patienten zentral behandelt werden. Die gute Zusammenarbeit der HKG und KV hat dafür gesorgt, dass in Hessen sechs von sieben Corona-Patienten ambulant betreut werden und sich die Kliniken so auf die Behandlung der schwer Erkrankten konzentrieren können. 

Versorgung per Fernbehandlung

"Die Pandemie hat darüber hinaus dafür gesorgt, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens einen enormen Schub erhalten hat, den es anders so schnell nicht gegeben hätte", so Voß. Laut Angaben der KV hatten im März, also ganz am Anfang der Pandemie, bereits 1.300 Praxen in Hessen Videosprechstunden angeboten. Der überwiegende Teil davon habe erst in der Krise damit angefangen. Im April stieg die Zahl auf 2.445 Praxen. Mittlerweile bietet in Hessen also jeder fünfte niedergelassene Arzt und jede niedergelassene Ärztin die Videosprechstunde an. Ende April hat die KV Hessen gemeinsam mit dem Hessischen Apothekerverband und mehreren Krankenkassen, darunter auch die TK, ein neues Pilotprojekt gestartet, das komplett auf Fernbehandlung setzt. Die Ärzte des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes behandeln per Videotelefonie ihnen bis dato unbekannte Patienten und stellen bei Bedarf sogar ein elektronisches Rezept aus. 

Auch Hessens Kliniken und Psychotherapeuten haben in den vergangenen Wochen telemedizinische Angebote für ihre Patienten aufgebaut bzw. ausgeweitet. Zum Beispiel betreut das Nordwestkrankenhaus in Frankfurt Patienten, die sich von einem Schlaganfall erholen oder Epilepsie leiden, nun per Videotelefonie. Mehrere Kliniken des in Hessen ansässigen Klinikkonzerns Agaplesion bieten ebenfalls Videosprechstunden an. Alle genannten Beispiele zeigen, dass viele medizinische Fragen problemlos ohne physischen Arzt-Patienten-Kontakt geklärt werden können - und das ist in Zeiten einer Pandemie nicht nur praktisch, sondern auch sinnvoll.

Digitale Lösungen weiterentwickeln

"Ich bin mir sicher, dass die Akzeptanz digitaler Lösungen noch weiter ansteigen wird. Es ist kaum vorstellbar, dass die Videosprechstunde nach der Krise wieder verschwindet. Die Versicherten werden einfordern, dass Online-Sprechstunden langfristig Teil ihrer medizinischen Versorgung bleiben", so Voß. Das hessische Gesundheitswesen müsse es daher schaffen, nach der Krise die digitalen Lösungen, die in der Pandemie im "Hauruck-Verfahren" auf die Beine gestellt wurden, zu verstetigen und weiterzuentwickeln. "Ich bin mir sicher, dass wir auch diese Herausforderung gemeinsam meistern werden - hoffentlich bald auch wieder im persönlichen Austausch vor Ort."