Durch die Coronavirus-Krise sieht sich das Gesundheitswesen in Baden-Württemberg, wie in allen Bundesländern, einem extremen Stresstest ausgesetzt. Die Krankenkassen stehen dabei nicht in vorderster Linie, müssen aber trotzdem einen notwendigen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten.

Krankenkassen im Südwesten richten virtuellen Krisenstab ein

Angesichts der Coronavirus-Pandemie haben die gesetzlichen Krankenkassen in Baden-Württemberg einen gemeinsamen virtuellen Krisenstab eingerichtet, um jederzeit schnell handlungsfähig zu sein und mit situationsgerechten Maßnahmen reagieren zu können. Ziel ist die Sicherstellung der einheitlichen und gemeinsamen Handlungsfähigkeit in der ambulanten, stationären und pflegerischen Versorgung.

Rehasport: Bewilligungszeitraum wird verlängert 

Der Bewilligungszeitraum beim Rehabilitationssport und Funktionstraining wird unbürokratisch um die Zeit der Aussetzung der Übungsveranstaltungen verlängert. Hierzu bedarf es keiner besonderen Antragstellung durch die Versicherten bzw. die Leistungserbringer.

U-Untersuchungen können später nachgeholt werden

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband haben beschlossen, die fixen Intervalle für die U6 (zehnter bis zwölfter Lebensmonat), U7 (21. bis 24. Lebensmonat), U7a (34. bis 36. Lebensmonat), U8 (46. bis 48. Lebensmonat) und U9 (60. bis 64. Lebensmonat) aufzuheben. Sie können später nachgeholt werden. Für die frühen U-Untersuchungen (U2 bis U 5), die ein relativ enges Zeitfenster von wenigen Tagen und Wochen haben, schien ein Verschieben medizinisch nicht sinnvoll. Sollte die Früherkennung im Einzelfall durch einen gegebenen Anlass jedoch geboten sein, um die Entwicklung des Kindes nicht zu gefährden, kann sie nach wie vor durchgeführt und abgerechnet werden. Diese Regelung gilt bis Ende September 2020.

Beitragsstundungen unter bestimmten Voraussetzungen möglich

Ergänzend zu den umfassenden Unterstützungen für Unternehmen und Selbstständige, die derzeit von Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat beschlossen werden, ist es unter bestimmten Bedingungen möglich, dass die Beitragszahlungen für die Sozialversicherungen von den gesetzlichen Krankenkassen vorübergehend gestundet werden.

Per Videotelefonie umfassende Betreuung von Schwangeren und Wöchnerinnen 

Bis Mitte Juni können Schwangere und Mütter im Wochenbett verstärkt auf Beratung oder Kursteilnahme per Videotelefonie zurückgreifen. So bleibt die Versorgung in dieser außerordentlichen Situation aufrechterhalten und mögliche Verdienstausfälle für freiberufliche Hebammen können minimiert werden.

Krankschreibung nach telefonischer Rücksprache von 7 auf 14 Tage ausgeweitet

Patienten mit leichten Erkrankungen der oberen Atemwege können nach telefonischer Rücksprache mit ihrem Arzt eine Bescheinigung auf Arbeitsunfähigkeit (AU) bis maximal 14 Tage ausgestellt bekommen. Sie müssen dafür nicht die Arztpraxen aufsuchen.

Pflegeversicherung sichert Corona-bedingte Mehrausgaben ab

Die Pflegeversicherung übernimmt die finanziellen Sonderausgaben, die durch die Corona-Pandemie entstehen. Dazu gehören etwa Kosten für die Schutzausrüstung, also Handschuhe, Atemmasken und auch zusätzliche Desinfektion für die Pflegerinnen und Pfleger. Ebenso werden die Pflegekräfte in den Tagespflegeeinrichtungen weiter finanziert. Auch wenn die Einrichtungen schließen, kann dieses Personal anderweitig eingesetzt werden.

Ersatzkassen lockern Abgaberegelungen für Medikamente in Apotheken

Apotheker können den Versicherten der Ersatzkassen statt einer rabattierten Arznei auch nicht-rabattierte Arzneimittel ausgeben. Dies gilt dann, wenn das rabattierte Medikament in der Apotheke, die der Patient aufsucht, nicht mehr vorrätig ist. Mit der - bis zum 30. April 2020 befristeten - Regelung soll unter anderem verhindert werden, dass die Betroffenen die Apotheke ein weiteres Mal aufsuchen müssen, um ein dort bestelltes Medikament abzuholen.

Vereinfachtes Genehmigungsverfahren bei der Anschluss-Reha

Damit Patienten nach Abschluss der Behandlung keine Krankenhausbetten blockieren, die dringend für Corona-Patienten gebraucht werden, wird vorerst bis zum 30. April 2020 das Genehmigungsverfahren vereinfacht. Danach kann eine Verlegung, die unter den AHB-Katalog fällt, sofort und ohne Genehmigung erfolgen. Die Kassen erhalten dennoch weiterhin die entsprechenden Anträge und schicken eine Genehmigung hinterher. So wird sichergestellt, dass die Abrechnung funktioniert.  

Videosprechstunden unbegrenzt möglich

Ärzte und Psychotherapeuten können ihren Patienten jetzt öfter eine Videosprechstunde anbieten. Angesichts der weiteren Ausbreitung des Coronavirus haben KBV und GKV-Spitzenverband die Begrenzungsregelungen (bisher 20 Prozent) aufgehoben, zunächst für das zweite Quartal 2020. 

Fristen bei Heilmittelversorgung werden gelockert

Die gesetzlichen Krankenkassen haben sich darauf verständigt, die Regeln für die Heilmittel-Versorgung zu lockern, um Ärzte und Patienten zu entlasten. Die bisher gültigen Fristen - z.B. Beginn der Behandlung innerhalb von 14 Tagen nach Verordnung - wurden ausgesetzt bis zum 30. April 2020. Dies gilt nicht für Verordnungen im Rahmen des Entlassmanagements der Krankenhäuser.

Test auf das Coronavirus

Die Entscheidung, ob der Test durchgeführt wird, trifft allein der behandelnde Arzt - unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI). Führt der Arzt einen Test durch, übernimmt die TK auch die Laborkosten in Höhe von 59 Euro - für Versicherte entstehen keine zusätzlichen Kosten. Der Test wird über die Versichertenkarte abgerechnet.

Getestet werden nach Angaben des RKI Betroffene, die zur Gruppe der begründeten Verdachtsfälle gehören. Bei Krankheitssymptomen soll der Test nur durchgeführt werden, wenn diese konkret auf eine Corona-Erkrankung hinweisen. Schon bevor das Testergebnis vorliegt, sollten die Betroffenen sich selbst isolieren. Das RKI weist außerdem darauf hin, dass Tests bei Gesunden die Kapazitäten unnötig belasten würden.