Saarbrücken, 7. September 2020. Mit dem Krankenhaus-Zukunftsgesetz (KHZG) hat die Bundesregierung das Ziel formuliert, die 4,3 Milliarden Euro aus dem sogenannten "Zukunftsprogramm Krankenhaus" für Investitionen in die digitale Infrastruktur der Kliniken zu nutzen. Den saarländischen Kliniken stehen davon etwa 51,5 Millionen Euro zu. Mit dem Geld sollen Prozesse innerhalb der stationären und sektorenübergreifenden Versorgung verbessert sowie die Notfallkapazitäten modernisiert werden. Die Techniker Krankenkasse (TK) begrüßt diese Zielstellung und sieht darin auch eine Chance für das Saarland - insbesondere für die stationäre und ambulante Versorgung im Nordsaarland.

Telemedizinisches Netzwerk - ein wertvoller Beitrag in der Patientenversorgung

Eine wichtige Rolle in der stationären Versorgung an der Saar wird zukünftig ein gut ausgebautes telemedizinisches Netzwerk spielen. Das kann Defizite bei Über- und Unterversorgung ausgleichen und Effizienzpotenziale heben. Mit mehr Kooperationen zwischen einzelnen Häusern müssen unnötige Doppelstrukturen abgebaut werden, um so die knappe Ressource Personal besser auf die einzelnen Kliniken verteilen zu können. Außerdem können durch eine gute Vernetzung und ein telemedizinisches Netzwerk Weg- und Wartezeiten eingespart werden und durch kooperatives Arbeiten Behandlungspfade abgekürzt werden. Hierbei spielen Telekonsilien und der Austausch von Know-How eine wichtige Rolle. 

Wohnortnahe Grundversorgung unverzichtbar

"Natürlich ist eine wohnortnahe Grundversorgung unverzichtbar. Die muss jedoch nicht immer in einem Krankenhaus erfolgen, sondern kann beispielsweise von gut vernetzten Integrierten Versorgungszentren mit wenigen stationären Betten übernommen werden", erklärt Stefan Groh, Leiter der TK-Landesvertretung. Das würde sich auch für die Versorgung im Nordsaarland anbieten. Hier liegen von verschiedenen saarländischen Krankenhaus-Trägern entsprechende Konzepte vor. "Wichtig dabei ist, dass die Krankenhäuser - anders als aktuell - auch die Möglichkeit haben, Konsilien, Visiten oder Beratungen als telemedizinische Leistungen durchführen und abrechnen zu können", so Groh weiter.

Interoperabilität der IT-Infrastruktur als Voraussetzung

Damit dies technisch auch alles funktionieren kann, ist es wichtig, dass die Mittel durch das KHZG auch dafür genutzt werden, die IT-Infrastrukturen der einzelnen Kliniken zu verbessern und interoperabel zu gestalten. Nur dann ist ein schneller, unkomplizierter Austausch von Daten möglich - und eine sinnvolle Nutzung der elektronischen Patientenakte. Werden außerdem Standard-Prozesse, wie beispielsweise das Aufnahme- und Entlassmanagement, digitalisiert, entlastet das das Pflegepersonal und kann die Patienteninformation vereinfachen.

Notfallversorgung sollte mehr berücksichtigt werden

Aus Sicht der TK profitiert die Notfallversorgung zu wenig von den aktuellen Förderrichtlinien. Deshalb sind diese anzupassen. Einerseits sollte das sogenannte DIVI-Register zu einem länderübergreifenden Onlineportal "Notfallkapazitäten"  ausgebaut werden. Damit kann eine Übersicht zu den Behandlungskapazitäten einer Klinik in Echtzeit realisiert werden. Für die verschiedenen Akteure in der Patientenversorgung sind so ein besserer Austausch und genauere Informationen über die Behandlungs- und Versorgungsmöglichkeiten einzelner Häuser möglich. Andererseits ist es aus Sicht der TK wichtig, dass der Ausbau digitaler Strukturen in der Notfallversorgung förderfähig wird. Eine daraus resultierende Vernetzung der einzelnen Einsatzkräfte mit Kliniken und eine bessere Steuerung von Rettungsfahrten wäre sehr zu begrüßen.

Krankenkassen müssen in Steuerungsprozesse eingebunden werden

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Mitbestimmung der Krankenkassen. "Die Kassen finanzieren rund 96 Prozent der Krankenhausversorgung. Da ist es doch nur logisch, dass wir bei den Strukturen mitgestalten wollen", sagt Groh. Daher sei es wichtig, dass die Abwicklung des Förderprozesses des "Zukunftprogramms Krankenhaus" an die bewährten Mechanismen des Strukturfonds angepasst werden, wo den Kassen ein Mitgestaltungsrecht eingeräumt wird. "Schließlich sollen die Mittel zielgerichtet in zukunftssichere Strukturen investiert werden", mahnt der TK-Landeschef. Aktuell kommt es bei den Förderungsinhalten noch zu Überschneidungen bei Zukunftsprogramm und Strukturfonds. Daher braucht es aus Sicht der TK eine Harmonisierung beider Programme, die gerade in verschiedenen Gremien auch diskutiert wird. 

Da der Beschluss zum "Zukunftsprogramm Krankenhäuser" vorsieht, dass anders als beim Strukturfonds die Kofinanzierung durch die Länder beziehungsweise durch die Krankenhaus-Träger nicht 50 sondern nur 30 Prozent beträgt, ist es wichtig, dass das neue Förderprogramm nicht zur Schließung der Länderfinanzierungslücke missbraucht wird. "Für den Aufbau einer zukunftssicheren stationären Versorgung im Saarland ist es unbedingt notwendig, dass den Krankenhäusern das Geld der Förderprogramme zusätzlich zu den Landesmitteln für die Investitionskosten zur Verfügung steht", betont Groh.