TK: Herr Engelmann, Sie sind seit November 2020 der neue Leiter der TK-Landesvertretung Niedersachsen. Erst einmal herzlich willkommen. Können Sie uns ein bisschen über sich erzählen? 

Dirk Engelmann: Vielen Dank! Ich freue mich sehr, in Niedersachsen für die TK an Bord zu sein. Gern ein paar Worte zu mir:  Vor meinem Wechsel zur TK war ich seit 2014 als Stabsleiter der Hamburger Gesundheitssenatorin unter anderem für Gesetzgebungsverfahren im Land und Bund sowie für die Koordinierung der Länder untereinander zuständig. In der Gesundheitspolitik bin ich seit 2005 tätig und habe vor meiner Hamburger Station auch auf Bundesebene in Berlin gearbeitet. Zuletzt habe ich in Hamburg intensiv in der Bekämpfung der Corona-Pandemie mitgewirkt.

TK: Jetzt sind Sie in der niedersächsischen Landeshauptstadt tätig. Wieso haben Sie sich für die TK und Niedersachsen entschieden? 

Engelmann: Die TK ist seit Jahren Innovationstreiberin für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Sie ist kundenorientiert, leistungsstark und steht für soziale und unternehmerische Werte, für die ich mich mit voller Kraft und Überzeugung einsetzen kann. Deshalb habe ich das Angebot des TK-Vorstands sehr gern angenommen.

Nach interessanten beruflichen Stationen in Bund und Land war es für mich an der Zeit für etwas Neues. Für mich spielt in einem Flächenland wie Niedersachsen versorgungspolitisch die Musik der Zukunft. Hier stellen sich die Herausforderungen Demografie, Sicherstellung - und Gestaltung der sektorenübergreifenden Versorgung in besonderer Weise. Bei der Lösung dieser Zukunftsfragen mitzuwirken, finde ich spannend. 

Last but not least: Hannover und Niedersachsen kenne ich von dienstlichen- und privaten Reisen gut. Darüber hier leben zu können freue ich mich - ich fühle mich in meiner neuen Umgebung sehr wohl.

TK: Das alles beherrschende Thema ist derzeit Corona. Wie empfinden Sie die aktuelle Situation? 

Engelmann: Corona ist für uns alle eine ungekannte Herausforderung und auch Belastung. Wenn man z.B. mit Gastronomen oder Künstlern über deren Existenznöte redet, erfährt man schnell, wie hart es viele Menschen derzeit finanziell und seelisch trifft. Und als ehemaliger Angestellter einer Gesundheitsbehörde weiß ich aus eigenem Erleben genau, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen oder dem Öffentlichen Gesundheitsdienst u.v.m. gerade wieder leisten. Hut ab! 
 
Mit den neuen Impfstoffen gibt es zum Glück Licht am Ende des Tunnels. Und schließlich kann man sich in Deutschland auf eines verlassen: Wir haben eine gute Gesundheitsversorgung, in die wir als TK auch täglich investieren. Wie die GKV-Versorgung insgesamt künftig finanziert werden kann, ist eine wichtige Frage, die uns auch weiter stark beschäftigt. Wir müssen aufpassen, dass gesamtgesellschaftliche Leistungen - auch zur Bekämpfung der Pandemie - nicht in zu hohem Maße aus Beitragsmitteln finanziert werden. Das überfordert die Solidarität und verzerrt den Wettbewerb. 
 
TK: Als Leiter der TK-Landesvertretung Niedersachsen kümmern Sie sich um viele gesundheitspolitische Themen. Welche Schwerpunkte werden Sie in den nächsten Jahren setzen?

Engelmann: In Niedersachsen stehen zwei Themen für mich oben auf der Agenda: Mit der Enquete-Kommission "Gesundheitliche Versorgung in Niedersachsen" gibt es eine Diskussion, das Gesundheitssystem zukunftsfähig, bedarfsgerecht und qualitativ hochwertig weiter zu entwickeln und dazu auch die Grenzen zwischen den Sektoren durchlässiger zu machen. Das begrüßen wir. Damit hängt auch Planung und Entwicklung der Krankenhausstandorte zusammen. Hier gibt es zudem durch die Bundesgesetzgebung sehr viel Bewegung, deren Schwung bundesweite Wirkung entfaltet. Für Niedersachsen werden die Mittel der Krankenhausstrukturfonds in vollem Umfang abgerufen. Das ist gut und wichtig für die notwendige Unterstützung bei der Veränderung der Krankenhausstrukturen. Die Krankenhauspolitik werden wir weiter eng begleiten.

Bundespolitisch ist für die TK wichtig, dass das Tempo in der Digitalisierung im Gesundheitssystem hoch gehalten und auch in Niedersachsen umgesetzt wird. Ein "Digitalisierungsmoratorium", wie es die Vertreterversammlung der KV Niedersachsen jüngst beschlossen hat, ist für uns nicht vorstellbar. Digitalisierung macht keine Pandemie-Pause - im Gegenteil: Corona zwingt uns bei der Digitalisierung in allen Lebensbereichen auf die Überholspur. 

Und natürlich Pflege! In einem Flächenland eine ganz besondere Herausforderung. Auch hier stehen bundespolitische Reformen zur Leistung und zur Finanzierung an, die in der niedersächsischen Pflegepolitik Auswirkungen haben werden und über die man reden muss. 

TK: Herr Engelmann, was wollen Sie in Ihrer neuen Funktion nun als allererstes anpacken?

Engelmann: Zuvorderst Zuhören, Kennenlernen und die Positionen der TK in die Diskussion einbringen. Corona erschwert etwas den Start. Mit dem Team der TK-Landesvertretung machen wir aber schon Pläne für das kommende Jahr, das hoffentlich wieder mehr Normalität hat.

Zur Person

Dirk Engelmann, Jahrgang 1975, ist seit November 2020 Leiter der TK-Landesvertretung Niedersachsen und vertritt sie auf den Gebieten, Politik-, Medien- und Verbandsarbeit sowie im regionalen Vertragswesen. Zuvor war er seit 2014 Leiter des Präsidialstabs der Hamburger Gesundheitsbehörde. In der Gesundheitspolitik ist er seit 2005 beheimatet und hat auch auf Bundesebene in Berlin gearbeitet. Gesundheitspolitik und -system sind dem Politikwissenschaftler daher auf zahlreichen Feldern und Ebenen vertraut.