TK: Herr Dr. Bindseil, wie geht es Ihnen und Ihrer Familie? Was sind Ihre persönlichen Herausforderungen, die Sie in der Corona-Krise zu bewältigen hatten?

Dr. Kai Bindseil: Meiner Familie und mir geht es gesundheitlich sehr gut, vielen Dank! Für mein Team und mich ist es ja die wichtigste Aufgabe, Menschen zusammenzuführen und Projekte zu entwickeln. Weil viele Präsenzveranstaltungen und Messen seit Anfang März abgesagt wurden, mussten wir hier flexibel und erfinderisch reagieren. Wir haben bei Berlin Partner aber schon vor zwei Jahren angefangen, immer beweglicher zu werden: im flexible office und auch mit mobilem Arbeitsgerät. Auch deshalb ist es uns sehr schnell gelungen, in den neuen Realitäten anzukommen und innovative Kommunikationsformate und -routinen mit Kunden und Mitarbeitern zu etablieren. 

Dr. Kai Bind­seil

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Clustermanager Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg HealthCapital

TK: Die Gesundheitswirtschaft wird auf eine harte Probe gestellt. Wie beurteilen Sie die Lage in der Region Berlin-Brandenburg?

Bindseil: Die Gesundheitswirtschaft hat die erste Phase mit Bravour bestanden. Das Gesundheitswesen war gut vorbereitet und stieß nur selten an die Grenze der Belastbarkeit. Wer hätte geglaubt, dass in nur wenigen Wochen ein voll ausgestattetes Notfall-Behandlungszentrum in Berlin errichtet werden kann? Das war nur möglich, weil viele, auch Mitarbeiter des Clusters, geholfen und alle zusammengearbeitet haben. Nun müssen wir eine gewisse Zeit mit dem Virus leben und trotzdem das Gesundheitswesen wieder in den Normalbetrieb bringen. Die Bedeutung der industriellen Gesundheitswirtschaft wird deshalb weiter steigen, denn nur sie kann Hochdurchsatztests, Impfstoffe und Therapeutika entwickeln.

TK: Digitale Formate wie Videosprechstunden, Online-Plattformen und Webinare haben Hochkonjunktur. Was wird davon bleiben?

Bindseil: Sehr vieles! Schon jetzt steht fest, dass die schrittweise Rückkehr in die Normalität nicht einfach ein "Zurück auf Los“ ist. Es wird sicherlich nicht wie früher - und das ist gut. Wir werden agiler sein und digitaler, wir werden weniger, aber sinnvoller reisen. Für die Gesundheitswirtschaft beobachten wir seit Beginn der Corona-Welle ein deutliches Wachstum digitaler Lösungen und telemedizinischer Versorgungsangebote jeglicher Art. Viele sehen die Vorteile digitaler Anwendungen in der Medizin, ohne auch in Zukunft auf das menschliche Element verzichten zu wollen: Auch in Zukunft möchte ich für eine Krankschreibung bei Erkältung nicht in ein überfülltes Wartezimmer. Und ebenso gerne hätte ich die Möglichkeit, wesentliche Dinge in Ruhe, von Zuhause aus, mit dem Arzt besprechen zu können.

TK: Sprichwörtlich steckt in jeder Krise auch eine Chance. Welche wäre das für die Gesundheitsregion? 

Bindseil: Klar ist, wir werden viel Wandel erleben. Wandel eröffnet neue Chancen und viele werden weltweit daran arbeiten, um zu profitieren. Unsere Region wird nicht automatisch Gewinner sein. Wir sind aber im starken Netzwerk und mit den tragenden Säulen in den Lebenswissenschaften, der Digitalisierung und der Spitzenmedizin sehr gut aufgestellt. Wenige Orte auf der Erde können derzeit mit größerer Überzeugungskraft zu einer großen Anstrengung in der Gesundheitsforschung aufrufen und sich selbst als Zentrum dafür empfehlen. Die Hauptstadtregion gehört - nach wie vor - zweifellos dazu. 

Zur Person

Dr. Kai Bindseil ist Prokurist und Abteilungsleiter für Gesundheitswirtschaft/ Industrie/Infrastruktur in der Berlin Partner GmbH und seit 2010 Clustermanager Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg (HealthCapital).


Dr. Bindseil studierte in Göttingen Chemie und promovierte dort 1993. 1994 trat er in die AnalytiCon AG, Berlin, ein und wurde dort 1997 Bereichsleiter Drug Discovery & Development. Im Jahr 2000 gründete er die AnalytiCon Discovery GmbH in Potsdam und wurde Geschäftsführer mit Verantwortung für Marketing, Business- und Drug-Development. Er leitete bis 2013 das Aktionszentrum BioTOP Berlin-Brandenburg.