Wir kannten die Aufgaben, die auf einen Krisenstab zukommen, wenn die Pandemie ausgerufen wird. Das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration in Sachsen-Anhalt hat bereits 2008 an einer Pandemieübung teilgenommen. 2009 konnten Erfahrungen mit dem Ausbruch der "Schweinegrippe" gesammelt werden. Seit über zwei Jahren hat das Ministerium in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe alle Krankenhäuser zum Thema Krankenhausalarmplanung geschult. Alle diese Erfahrungen sind eingeflossen sowohl in die Pandemieplanung des Landes als auch in unseren "betrieblichen Pandemieplan". Dieser wurde- bei der Zuspitzung der Lage- Schritt für Schritt in Kraft gesetzt.

Dr. Heide­marie Willer

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Leiterin des Pandemiestabs am Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt

Eins-zu-eins-Planung unmöglich

Man braucht Strukturen. Aber man kann nicht alles 1:1 voraus planen. Das hat sich auch hier gezeigt. Der Aufwuchs der Aufgaben, enormer Abstimmungsbedarf und hoher Handlungsdruck, tägliche Abstimmungen mit Ministerin und Staatssekretärinnen, regelmäßige Telefonschaltkonferenzen mit Kommunen, Krankenhäusern, Einrichtungen und Organisationen des Gesundheitswesens im Land und auf Bundesebene, Lageberichte – das war keine geübte Praxis. Jetzt ist es alltägliches Handeln. Die Einsatztagebücher füllen unterdessen mehr als 20 Aktenordner, die Tagebuchnummern erzählen von Anfragen, Absprachen, Arbeitsaufträgen und halten fest, wie sich die Lage Tag für Tag entwickelt hat.

Wenige Fälle bedeutet nicht weniger Aufmerksamkeit 

Insgesamt sind in Deutschland mehr als 182.000 Covid-19-Infektionen erfasst (Stand 02. Juni 2020). Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird vom RKI weiter als hoch eingeschätzt. Wie viele Personen sind in Sachsen-Anhalt betroffen, wie viele müssen im Krankenhaus behandelt werden, wie viele sind wieder gesund? Gibt es neue Hotspots? Wie müssen wir reagieren? Sachsen-Anhalt hat mit 75 Fällen auf 100.000 Einwohner die zweitgeringste Belastung bundesweit. Das heißt ganz und gar nicht, dass die Situation auf die leichte Schulter zu nehmen wäre.

Die Lage in Altenpflegeeinrichtungen, in Krankenhäusern, in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Halberstadt, zuletzt auch in Schlachtbetrieben: Der Fokus richtet sich immer wieder auf Bereiche, die innerhalb kürzester Zeit nach Konzepten verlangen, wie richtig und umsichtig reagiert werden kann. Daneben heißt Stabsarbeit auch Politikberatung: Kann man Lockerungen wagen? In welchen Schritten? Was riskieren wir? Das ist die Basis unter den Corona-Eindämmungsverordnungen, in denen die Landesregierung die konkreten Regelungen dann festlegt.

Pandemiestab binnen weniger Tage aufgestellt

Stabsarbeit im Ministerium war zunächst ungewohnt. Unser Haus ist eine Verwaltungsbehörde, und so wurde hier auch immer gearbeitet. Nach fachlicher Unterstützung eines unserer Dozenten zur Krankenhausalarmplanung war der Pandemiestab binnen weniger Tage aufgestellt. Das bedeutet andere und vor allem kürzere Entscheidungswege. Absprachen erfolgen überwiegend telefonisch. Die Hauptaufgabe des Stabes besteht vor allem in der Darstellung der örtlichen und regionalen Verbreitung der Infektions- und Erkrankungsfälle und ihrer Trends. Täglich müssen alle Tagesmeldungen zusammengefasst, neu bewertet und in neuen Trends zum weiteren Verlauf der Pandemie im Land und außerhalb des Landes analysiert und dargestellt werden. Dabei wird besonderer Wert auf die Wirkung von getroffenen Präventionsmaßnahmen gelegt und ein eventuell notwendiger Nachsteuerungsbedarf untersucht.

Desinfektionsmittel im Land produziert

Es hat sich eine Gruppe hochengagierter Kollegen gefunden, die Grundlagen dafür mitlegt, dass das Land durch die Krise gesteuert werden kann. Fachkonzepte für Altenpflegeeinrichtungen entstehen, Medienarbeit wird organisiert. Persönliche Schutzausrüstung wurde in großen Mengen geordert und zumeist mithilfe der Bundeswehr über die Gesundheitsämter im Land verteilt: bis dato drei Millionen Handschuhe, über zwei Millionen OP-Masken, 1,5 Millionen FFP2- und FFP3-Masken, Schutzanzüge, Kittel. Und tausende Liter Desinfektionsmittel hat das Land selbst in Weißenfels produzieren lassen. 

Wir sind noch mitten in der Pandemiesituation. Und doch haben wir, die die Stabsarbeit im Ministerium in Coronazeiten tragen, einen Wunsch: dass der Fokus auf die zentrale Aufgabe Bevölkerungsschutz erhalten bleibt. Damit sich Sachsen-Anhalt nach Corona fit für neue Anforderungen machen kann, die sicherlich kommen werden.