Herr Vogt, haben die bundesweiten Kassen den Blick für die Region verloren, wie bei der Debatte um das Faire-Kassenwahl-Gesetz gemutmaßt wurde?

Andreas Vogt

Andreas Vogt, Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Ich kann nur für die TK sprechen und da kann ich die Frage eindeutig verneinen. Wenn das so wäre, würde die TK nicht jedes Jahr in Baden-Württemberg über 20.000 Versicherte neu dazu gewinnen - und die kommen bei weitem nicht alle aus Ballungsräumen.

Wir haben gerade in den letzten Jahren viele regionale Versorgungsprojekte auf den Weg gebracht. Das fängt bei Babys und Kindern an und hört bei pflegebedürftigen Senioren auf:

Frühchen im Klinikum Mannheim sind über eine besondere Matratze im Inkubator mit Stimme und Herzschlag ihrer Mutter verbunden. Krebskranke Kinder an der Uniklinik Heidelberg profitieren von personalisierter Medizin.

In mehreren Pflegeheimen im Land setzten wir wissenschaftliche Erkenntnisse um, wie Bewohner und Fachkräfte in Pflegeheimen wirksam vor gesundheitlichen Beeinträchtigen geschützt werden können. Es gibt viele Beispiele mehr.

Ob eine Krankenkasse die Menschen in ländlichen Regionen im Blick behält, zeigt sich meiner Meinung nach jedoch nicht nur daran, welche Angebote es vor Ort gibt.

Was meinen Sie damit?

Manchmal ist es für die regionale Versorgung noch wirkungsvoller, wenn die Weichen gesundheitspolitisch grundsätzlich richtig gestellt werden.

Ich denke hier an die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Wenn wir qualitätsgesicherte Telemedizin auf den Weg bringen, indem wir die KVBW bei docdirekt unterstützen, dann helfen wir damit in erster Linie Menschen in ländlichen Gebieten, den Zugang zum Arzt auch in Zukunft offen zu halten.

Und wenn wir uns mit dem Projekt "Update Altenpflege" für moderne Arbeitsbedingungen in der Altenpflege einsetzen, dann kommt das nicht zuletzt Senioren auf dem Land zugute, damit sie gute Pflege vor Ort bekommen, auch wenn die Kinder in Ballungsräume weggezogen sind.

Bei so viel regionaler Vielfalt - braucht es da nicht auch unterschiedliche regionale Aufsichten über die Krankenkassen?

Vielfalt ist in vielen Bereichen des Lebens zu begrüßen - Aufsichtshandeln gehört eindeutig nicht dazu. Derzeit übernehmen die Aufsicht 17 unterschiedlich strukturierte und personell aufgestellte Behörden.

Bundesweit geöffnete Kassen werden vom Bundesversicherungsamt kontrolliert, regionale Kassen von verschiedenen Behörden der Länder, zumindest theoretisch. Denn in vier Ländern steht derzeit keine einzige Kasse unter Aufsicht, vier weitere beaufsichtigen nur noch eine einzige Kasse.

Hier ist es ein Gebot der Fairness, für gleiche Regeln und eine gleiche Aufsicht für alle zu sorgen.

Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.