Er fragt unter anderem: Wie häufig und warum unterbrechen Beschäftigte ihre Berufstätigkeit oder scheiden sogar ganz aus dem Erwerbsleben aus.

Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, erläutert in "Zur Sache" die wichtigsten Ergebnisse.

TK: Frau Puttfarcken, die TK hat für den Zeitraum 2013 bis 2017 die Brüche im Erwerbsleben ihrer Versicherten analysiert. Was sind die wichtigsten Ergebnisse für Hamburg?

Puttfarcken:  Jede Phase des Berufslebens hat ja seine besonderen Herausforderungen. Berufsanfänger müssen sich beispielsweise an einen neuen Tagesablauf gewöhnen und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Und die "Silverager" sind vielleicht nicht mehr ganz so belastbar, bei ihnen nehmen Krankheiten zu. Wir haben aber eine gute Nachricht: Im betrachteten Zeitraum waren sechs von zehn Beschäftigten in Hamburg durchgehend berufstätig. Das heißt, sie übten in diesem Zeitraum ihre Berufstätigkeit ohne eine Unterbrechung wie Elternzeit, Erwerbsunfähigkeit oder Rente aus

Allerdings ist auffällig, dass die Menschen in Stadtstaaten besonders häufig von einer langen Erwerbslosigkeit betroffen sind (mindestens 365 Tage). Die Wahrscheinlichkeit hierzu ist in Hamburg im Vergleich zum bundesweiten Schnitt knapp ein Drittel (31,8 Prozent) höher. Auch eine kurzfristige Unterbrechung der Berufstätigkeit (mindestens 1 Tag arbeitslos) ist in Hamburg wahrscheinlicher als im Rest der Republik. Als Fazit könnte man also sagen, dass in Stadtstaaten die Wahrscheinlichkeit für eine Unterbrechung oder Beendigung einer bestehenden Berufstätigkeit am höchsten ist.

TK: Welche Gründe könnte es hierfür geben?

Puttfarcken: Wir haben dazu zwar keine Befragung durchgeführt, sehen aber in unseren Daten, dass Menschen in Stadtstaaten auffällig häufig ein Zweitstudium aufnehmen. In Hamburg machen das fast 20 Prozent mehr als im bundesweiten Schnitt. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass wir in Hamburg eine vergleichsweise junge Bevölkerung haben und Hamburg eine Universitätsstadt ist. Gerade am Berufsanfang ist eher üblich, noch ein Zweitstudium einzuschieben.

Ebenso liegt die Anzahl derer, die eine Elternzeit nehmen oder Elterngeld beziehen, in Hamburg über dem bundesweiten Durchschnitt. Nach wie vor ist dieser Trend weiblich - jede zweite berufstätige Frau Anfang 30 nimmt Elternzeit. Doch die Männer holen auf, hier ist es jeder Sechste.

Hintergrund

Für den Gesundheitsreport 2018 wertete die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund fünf Millionen bei der TK-versicherten Erwerbspersonen aus. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Der diesjährige Themenschwerpunkt widmet sich der Gesundheit von Erwerbsgenerationen. Die Grundlage dafür bilden die bundesweit 3,5 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter von 20 bis 65 Jahren über einen Zeitraum von fünf Jahren (2013-2017).

TK: Und wie sieht es am Ende des Berufslebens aus?

Puttfarcken: Generell lässt sich sagen, dass jeder zweite Hamburger frühzeitig aus dem Berufsleben ausscheidet. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, zum Beispiel eine Berufsunfähigkeit oder Schwerbehinderung. Viele haben aber auch bereits genug Berufsjahre zusammen und nehmen dann aber deutliche finanzielle Einbußen in Kauf, um früher in Rente zu gehen.

Aus unserer Sicht ist es für die Unternehmen der Stadt besonders wichtig, auf die Bedürfnisse der älteren Erwerbsgenerationen einzugehen und sie fit zu halten. Deshalb sollten die Unternehmen in das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) investieren. Auch jüngere Arbeitnehmer werden durch attraktive BGM-Angebote angelockt.

TK: Gibt es Auffälligkeiten unter den Berufsgruppen?

Puttfarcken: Von einer Frühverrentung sind Beschäftigte mit körperlich belastenden Berufen besonders häufig betroffen. So ist das bundesweite Risiko, berufs- oder erwerbsunfähig zu werden, im Bau- und Holzgewerbe 1,8-mal höher als in der Vergleichsgruppe. Das gilt auch für Verkehrs- und Lagerarbeiter (1,6-mal höheres Risiko) sowie für die Beschäftigten aus der Metallbranche (fast 1,6-mal höheres Risiko).

Wirft man einen gezielten Blick auf die Beschäftigte der Altenpflege, kann man sagen, dass diese doppelt so häufig erwerbs- oder berufsunfähig werden wie andere Berufsgruppen. Diese Berufsgruppe bezieht doppelt so häufig Erwerbs- oder Berufsunfähigkeitsrente aufgrund ihrer Alters und Geschlechtsstruktur, als zu erwarten wäre. Ebenso liegt die Anzahl der bundesweiten Fehltage bei Beschäftigten in der Altenpflege mit 25,3 Fehltagen pro Versicherten deutlich höher als im Durchschnitt der Erwerbspersonen (15,1 Fehltage).