Mecklenburg-Vorpommern (MV) hat frühzeitig das Zukunftspotenzial der Branche erkannt und mit dem Masterplan Gesundheitswirtschaft MV 2010 eine Handlungsgrundlage für ihre Entwicklung formuliert. Das Strategiepapier wurde im Jahr 2010 für weitere zehn Jahre und bis zum Jahr 2020 im Auftrag des Wirtschaftsministeriums MV fortgeschrieben. Es dient als eine strategische Orientierung zu den Marktpotenzialen und Perspektiven der Branche in MV.

Der Masterplan bildet die Basis für die Arbeit des ehrenamtlich tätigen Kuratoriums Gesundheitswirtschaft des Landes MV und die damit verbundene Zielsetzung, MV bundesweit zu einem führenden Gesundheitsland auszubauen sowie das Wachstumspotenzial für Beschäftigung und Wertschöpfung optimal zu nutzen. Das durch die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig einberufene Gremium bringt Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik  zusammen und berät die Landesregierung, um die Gesundheitswirtschaft MVs gezielt zu entwickeln und national wie international seine Wahrnehmung als Gesundheitsland zu stärken. 

TK: Wie gestalten sich die Schwerpunkte der Arbeit am Masterplan Gesundheitswirtschaft des Landes MV? Welche Themenfelder werden bearbeitet?

Lars Bauer: Die Ministerpräsidentin des Landes MV hat die 70 Mitglieder des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft gebeten, den Masterplan als Strategiepapier des Landes für zehn weitere Jahre bis 2030 fortzuschreiben. Die Fortschreibung ist eng an die im Masterplan Gesundheitswirtschaft 2020 verankerten Gestaltungsfelder analog zu den fünf Strategiegruppen des Kuratoriums Life Science, Gesundheitsdienstleistungen, Gesundes Alter(n), Gesundheitstourismus und Ernährung für die Gesundheit geknüpft. Sie bilden die thematischen Schwerpunkte für die inhaltliche Ausgestaltung. Die Bandbreite der Themen reicht von textiler Gesundheitswirtschaft, personalisierter Medizin, Medizintechnik über Kindergesundheit bis zur Unterstützung von Maßnahmen eines "selbstbestimmten Lebens“. Aber auch die Etablierung von Heilwäldern und der Aufbau eines interaktiven Marktplatzes für gesundheitstouristische Angebote in MV sowie die sichere Bereitstellung regionaler und gesunder Produkte in der Ernährungswirtschaft, die künftig eine bedeutende Rolle spielen. Es wird deutlich: Die Gesundheitswirtschaft ist eine heterogene Branche, mit der auch künftig große Innovations- und Wertschöpfungspotenziale national und international gehoben werden können.

Lars Bauer

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Geschäftsführer der BioCon Valley® GmbH

TK: Welche strategiegruppenübergreifenden Themenfelder stechen dabei besonders hervor, auch unter Berücksichtigung der Corona-Pandemie? Welche drängenden Zukunftsfragen der Gesundheitswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern ergeben sich daraus?

Bauer: In den Strategiegruppen sind in den vergangenen Monaten neben spezifischen Schwerpunkten weitere übergreifende zukunftsträchtige Themen erarbeitet worden. Synergien ergeben sich beispielsweise in den Feldern Fachkräfte und neue Berufsbilder, Digitalisierung oder in der biobasierten Wirtschaft, der Bioökonomie. Aber auch die Stärkung der heimischen Branche sowie Internationalisierungsaktivitäten, etwa im Ostseeraum, werden immer wichtiger. Darüber hinaus entstehen gemeinsame Anknüpfungspunkte im Rahmen der Weiterentwicklung der Regionalen Innovationsstrategie des Landes MV (RIS). 

Die aktuelle Pandemie hat wiederum gezeigt, wie kurzfristig sich ein Alltag beruflich und privat komplett ändern kann. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass wir heute die Lehren aus einer Pandemie in die gegenwärtige und künftige Arbeit und dementsprechend auch in die inhaltliche Gestaltung des Masterplans Gesundheitswirtschaft einfließen lassen müssen? Es geht auch darum, künftig im Land Versorgungsketten aufzubauen. Durch die Beteiligung von heimischen Unternehmen könnte das Land perspektivisch unabhängiger von internationalen Lieferketten agieren. 

TK: Welche Rolle übernimmt dabei der Steuerrat?

Bauer: Mit einem Steuerrad kann man ein Schiff in eine Richtung und im Ergebnis zu einem Ziel, etwa einen Heimathafen, bringen. So verstehen wir den eigens für den Masterplanprozess konstituierten Steuerrat. Dieses Arbeitsgremium lenkt den Masterplanprozess gemeinsam, steuert ihn und bringt den Gesamtprozess zielführend voran. In dem Arbeitsgremium sind der Präsident des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft, die Strategiegruppenleiter, -stellvertreter, der BioCon Valley-Verein, Vertreter des Wirtschaftsministeriums sowie die BioCon Valley® GmbH vertreten. Der Rat trifft sich regelmäßig - online, telefonisch oder physisch. 

TK: Kann man der Gesundheitswirtschaft überhaupt eine Strategie für die nächsten zehn Jahre geben?

Bauer: Ja, mit dem künftigen Masterplan wollen wir sowohl einen strategisch langfristigen Ansatz bis 2030 als auch eine Vision für das Gesundheits-(wirtschaftsland) MV entwickeln. Dabei sind wir uns aber auch einig, dass der künftige Masterplan Gesundheitswirtschaft ein "lebendes" und kein starres Dokument sein soll. Denn im Laufe der Jahre können sich Themenfelder ändern oder neue Zukunftstrends abzeichnen, welche es abzuwägen und gegebenenfalls zu berücksichtigen gilt. Es ist also ein sich ständig weiter entwickelnder Prozess, deren Umsetzung wir als BioCon Valley® GmbH leiten. 

TK: Wie kommt das Schiff denn in den Zielhafen?

Bauer: Neben dem regelmäßigen Austausch im Steuerrat plant die BioCon Valley® GmbH für den Herbst einen Workshop mit den einzelnen Strategiegruppen des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft, die analog zu den Handlungsfeldern des Masterplans Gesundheitswirtschaft konzipiert sind. An diesem nehmen Vertreter von Unternehmen der Branche, Verbände, Hochschulen und Krankenkassen teil. Dabei soll eine Priorisierung von Themen erfolgen. Im November 2020 wollen wir erste Ergebnisse des Masterplanprozesses im Kuratorium Gesundheitswirtschaft vorstellen.

TK: Welche Bedeutung hat die Gesundheitswirtschaft heute für unser Bundesland?

Bauer: In MV existiert ein klares Bekenntnis des Landes zur Gesundheitswirtschaft als einen Schwerpunkt der Landesentwicklungspolitik. Die Branche ist ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor für den Nordosten und nimmt bundesweit Spitzenplätze ein. Der Anteil der Bruttowertschöpfung an der Gesamtwirtschaft beträgt im Nordosten rund 15,0 Prozent. Mehr als jeder siebte Euro an Bruttowertschöpfung entsteht in der Gesundheitswirtschaft in MV. Die Branche erwirtschaftet damit direkt rund 5,8 Mrd. Euro Jeder fünfte Beschäftigte arbeitet in der Gesundheitswirtschaft. Das sind 150.000 Erwerbstätige. Dementsprechend sind in MV deutschlandweit die meisten Erwerbstätigen (19,8 Prozent) in der Gesundheitswirtschaft beschäftigt. Die Gesundheitswirtschaft ist eine Schlüsselbranche für MV. Sie hat sich zu einem Wirtschafts- und Beschäftigungsmotor auch dank der gezielten Unterstützung durch die Landesregierung entwickelt.