Wer mit wem - das war nach der Bundestagswahl zwischen Grünen, FDP und SPD erstaunlich schnell geklärt. Wer neben wem - das scheint ein viel größeres Problem: Die FDP will im Plenarsaal nicht mehr neben der AfD sitzen. Die Union aber auch nicht - und weigert sich, den Platz zu tauschen. SPD, Grüne und Linke haben naturgemäß ebenfalls kein Interesse daran, nach rechts zu rücken. Und einzelne AfD-Abgeordnete schmollen auf der Besuchertribüne, weil sie ihren Impfstatus nicht offenbaren wollen.

Kindergartenatmosphäre im Deutschen Bundestag! Der gleichzeitig auch noch aus allen Nähten platzt, weil er mit 736 Sitzen auf Rekordgröße angeschwollen ist. Dabei ist die Lösung doch in jedem größeren deutschen Unternehmen zu finden: Homeoffice, Clean Desk-Policy, New Work!

Hier ein kleines, nicht ganz ernst gemeintes Gedankenspiel:

Corona-Abstände dank leerer Reihen

Warum arbeiten unsere Abgeordneten künftig nicht einfach dauerhaft von zu Hause aus? Wer Präsenz vorzieht, könnte sich dann seinen Lieblingsplatz und seinen Sitznachbarn einfach selbst aussuchen. Ungeliebten Menschen müsste man nicht mal mehr aus dem Weg gehen, weil man sich gar nicht mehr über den Weg läuft. Sichere Corona-Abstände ergäben sich bei digitalen oder hybriden Parlamentssitzungen automatisch.

Und wer mit unflätigen Zwischenrufen die Sitzung stört, wird vom Präsidium unauffällig und elegant per Mausklick stumm geschaltet. Auch das heimliche Twittern während vertraulicher Gespräche fiele natürlich viel leichter, wenn das Gegenüber am Bildschirm nur noch das Gesicht, nicht aber die Hände sehen kann.

Homeoffice spart Büroflächen

Wieso für jede und jeden teure, eigene Büros unterhalten, die ohnehin meist nur in den Sitzungswochen gebraucht werden? Ein Laptop und ein Rollcontainer für Persönliches lassen sich doch im Jakob-Kaiser-Haus problemlos von einer zur anderen Etage und hin- und herschieben. Vielleicht, nur vielleicht ergäben sich beim Büro-Sharing ja auch ganz neue politische Konstellationen?

Und auch das: Kein lästiges Anstehen mehr in der Kantine, Schluss mit fruchtlosen Diskussionen über die Qualität der Speisen! 

Die Kostenpauschale ließe sich halbieren, da Reisekosten entfallen. Ein Zweitwohnsitz in der Hauptstadt würde überflüssig (man vergisst ja ohnehin viel zu schnell, ihn ordnungsgemäß anzumelden!) - und der angespannte Berliner Wohnungsmarkt entlastet, ganz ohne Mietpreisbremse.

Eine "Regierung für den Fortschritt" haben die künftigen Koalitionäre angekündigt. Eine Modernisierung der Arbeitswelt im Bundestag wäre kein schlechter Anfang