Bremen braucht trotz der Vielzahl bereits vorhandener guter Ansätze eine nachhaltige Gesamtstrategie, eine Roadmap bzw. einen Masterplan für die Pflege.

Vor allem ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Pflegenden ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt um z.B. deren Berufsverweildauer zu erhöhen, Anreize für Berufsrückkehrer zu geben und die Berufsattraktivität zu steigern. Eine höhere Vergütung von Pflegenden, eine alters- und familiengerechte Arbeitsorganisation (Work-Life-Balance), attraktive Arbeitszeitmodelle, Springerpools und die Schaffung neuer Karrierewege sind entsprechende Optionen.

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Prof. Dr. Stefan Görres, Universität Bremen

Auch der zunehmende Pflegebedarf bedeutet in den nächsten Jahren für Bremen erhöhte Anstrengungen. Die Modernisierung des Pflegeberufs, schon in der Ausbildung, ist daher zentral, um eine Konkurrenzfähigkeit im Wettbewerb mit anderen Ausbildungsberufen, auch aus der Perspektive von männlichen Jugendlichen, bestehen zu können.

Die Attraktivität des Pflegeberufes kann durch virtuelle und digitale Assistenzsysteme deutlich erhöht werden und Pflegekräfte sinnvoll entlasten. Werden bestimmte Aufgaben automatisiert, erleichtert das den Alltag des Pflegepersonals und steigert die Qualität der Pflege. Zudem kann Telecare die Versorgung in der Fläche verbessern und aufwändige Fahrten hin zum Patienten oder Pflegebedürftigen überflüssig machen oder reduzieren und einen längeren Verbleib von pflegebedürftigen Personen im häuslichen Umfeld ermöglichen. Pflege 4.0 ist unbedingt ein Thema für Bremen.

Das Land Bremen sollte auch noch stärker auf sozialräumliche Ansätze bei der Pflege setzen, da die Menschen auch im Alter in ihrer bisherigen Wohnung oder zumindest im angestammten Wohnumfeld verbleiben wollen. Förderlich ist ein Netz von dezentralen, ortsnahen und „kleinräumigen“ Einheiten sowie die Koordination informeller Netzwerke und niederschwelliger, wohnortnaher Angebote etwa durch ein gesundheitsbezogenes Quartier- oder Stadtteil-Management.

Besondere Priorität haben Strategien zur Verzögerung, Verringerung oder Verhinderung des Eintritts von Pflegebedürftigkeit als zukünftige attraktive Handlungsfelder der Pflege. Edukative und beratende Aufgaben (Community Care) haben ebenso wie Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation einen hohen Stellenwert erhalten, vielfältige neue Optionen wie z.B. präventive Hausbesuche sollten genutzt werden.

Schließlich sollte Bremen die Standortpolitik im Hinblick auf die Ausbildung von Gesundheits-, Therapie- und Pflegeberufen noch stärker profilieren. Ein gemeinsamer Gesundheitscampus könnte die Attraktivität für junge Menschen sich für entsprechende Berufe und den Standort Bremen zu entscheiden, deutlich erhöhen. Ein Gesundheitscampus kann ein Nukleus i.S. einer zukünftigen Bündelung der im Land vorhandenen Expertise in den Bereichen der Gesundheits- und Pflegewissenschaften (evtl. auch der Medizin) werden.