Unter das Leitmotiv "Qualitativ hochwertig, zuverlässig, sektorenübergreifend" stellten die beiden Parteien ihre politischen Vorhaben für die Gesundheitsversorgung in Baden-Württemberg.

 Herr Vogt, trauen Sie sich eine Bewertung der Halbzeitbilanz der Landesregierung zu?

Sicherlich ist das schwierig, wenn man nur einen Ausschnitt des komplexen Regierungshandelns im Blick hat. Für die Gesundheitspolitik jedenfalls nehme ich durchaus eine tatkräftige Umsetzung der Koalitionsvorhaben wahr.

Gerade im wichtigen Themenbereich "Digitalisierung im Gesundheitswesen" würde ich schon viele sprichwörtliche Häkchen unter die Hausaufgaben machen, etwa für die Strategieentwicklung und zahlreichen Fördermaßnahmen. Ich bin gespannt auf die zweite Halbzeit.

Im Nachgefragt vor knapp 2,5 Jahren haben Sie gesagt: "In wichtigen Feldern will die Regierung ihren Gestaltungsspielraum aktiv nutzen." Wie fällt Ihre Bewertung im heutigen Review aus?

Als wichtige Felder würde ich da - neben der Telemedizin - die ärztliche Versorgung und die Krankenhausstrukturen in den Blick nehmen. Was die ambulante Versorgung angeht, hat das Sozialministerium wenig strukturellen Gestaltungsspielraum - aber setzt mit Landärzteprogramm und Stipendienmodellprojekt finanzielle Anreize. An den schnell ausgeschöpften Haushaltsmitteln zeigt sich, dass hier Bedarf besteht.

Wir schlagen vor, die angekündigte Weiterentwicklung des Landärzteprogramms im Zuge einer "Agenda ambulante Medizin 2030" zu diskutieren. Dort sollten alle Maßnahmen zur Förderung der ambulanten Medizin gebündelt und synchronisiert werden - in gemeinsamer Verantwortung von Kassenärztlicher Vereinigung und Land.

Und im Bereich der stationären Versorgung?

Hier steht das Land in der Verantwortung und hat entsprechenden Gestaltungsspielraum. Zwar gibt es im Koalitionsvertrag ein Bekenntnis zur Finanzierungsverantwortung für die Krankenhausinvestitionen, leider wurden die Mittel jedoch im aktuellen Haushalt leicht zurückgefahren.

Der Koalitionsvertrag sieht zudem die Kofinanzierung des Krankenhausstrukturfonds vor. Spätestens mit dessen Neuauflage also sollten die Fördermittel über den Nachtragshaushalt wieder aufgestockt werden.

Das Investitionsprogramm setzt dabei auf Schwerpunktbildung und größere leistungsfähige Kliniken, die sektorenübergreifend verzahnt werden. Diese Strategie des Ministeriums unterstützen wir ausdrücklich; erwarten aber umso stärker eine aktive Strukturreform zu Zentren und Qualität.

Und was sollte die Landesregierung darüber hinaus in der zweiten Hälfte noch angehen?

Sicherlich wird der Morbi-RSA auf der Agenda stehen, da er bis Ende 2019 gesetzlich fortentwickelt werden soll. Laut Koalitionsvertrag soll der Morbi-RSA als "optimaler Verteilungsschlüssel die Gelder dorthin fließen lassen, wo sie vonnöten sind". Aus unserer Sicht führen aber die heutigen Verteilungswirkungen zu einer finanziellen Ungleichbehandlung der Krankenkassen.

Und schließlich bleibt als zentrale Herausforderung, eine qualitativ hochwertige und bezahlbare Pflege für eine wachsende Zahl von Menschen zu gewährleisten. Die Landesregierung hat dazu Initiativen wie etwa die Quartiersentwicklung gestartet. Darüber hinaus braucht es Impulse für mehr Vernetzung und Qualität, aber vor allem mehr Attraktivität. Wir werden uns hier aktiv einbringen.