Saarbrücken, 8. November 2018. In die Glaskugel schauen oder in den Händen lesen. Für einen Blick in die Zukunft gibt es viele Synonyme. Die Landesvertretung der Techniker Krankenkasse im Saarland hat bei ihrem diesjährigen Herbstempfang am Donnerstagabend einen etwas anderen Ausblick gewagt. Unter dem Titel "Die Zukunft der Krankenkassen in einer digitalen Welt" gab es reichlich Visionen, Diskussionen und Informationen.

Den Einstieg in den Abend war dem Gastgeber vorbehalten. Stefan Groh, Leiter der TK-Landesvertretung Saarland, ging in seiner Begrüßungsrede auf die aktuellen Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen ein. Dabei thematisierte er vor allem drei Bereiche: Pflege, Digitalisierung und den Morbiditäts-Risikostrukturausgleich. Letzterer ist für die finanziellen Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds an die Krankenkassen verantwortlich.

"Digitalisierung ist eine Worthülse, die mit Leben gefüllt werden muss. Wir als TK wollen dabei vorangehen und die möglichen Potenziale für Versicherte und die Krankenkassen nutzen", fasste er zusammen und übergab schließlich Monika Bachmann das Wort. Die saarländische Ministerin für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie betonte in ihrem Grußwort, wie wichtig ein funktionierendes Gesundheitswesen in Zukunft sei und ging auch auf das Potenzial neuer Versorgungsmöglichkeiten ein.

Ministerin Bachmann mit Plädoyer für die Telemedizin

"Telemedizin ist im Zeitalter einer permanent vernetzten Gesellschaft nicht bloß zeitgemäß, sondern in ihr steckt großes Potenzial, die Qualität der medizinischen Versorgung zu verbessern. Dabei geht es um die Verantwortung dafür, dass moderne Kommunikationsformen und –technologien in Zukunft einen Mehrwert für die Patientinnen und Patienten, Leistungserbringer und Krankenkassen haben und diesen optimal entfalten können", sagte die Ministerin und ergänzte: "Die Telematik darf aber gerade im Saarland nicht die Niederlassung von Ärzten in ländlichen Gegenden gefährden, sondern als zusätzliches, unterstützendes medizinisches Angebot verstanden werden, das einen Beitrag zum Aufbau zeitgemäßer, sektorenübergreifender Versorgungsstrukturen leistet."

Versicherte nutzen schon heute innovative Gesundheitsanwendungen

Dr. Susanne Klein, Teamleiterin Versorgungsmanagement und -entwicklung bei der TK, beleuchtete im ersten Hauptreferat vor ihrem Blick in die Zukunft erst einmal die Gegenwart. "Während Leistungserbringer mit Fax und Telefon seit Jahren auf die Telematikinfrastruktur warten, nutzen Versicherte bereits heute innovative und mobile Gesundheitsanwendung, allerdings ohne gesicherte Umgebung", sagte sie und ergänzte: "Das zeigt, dass die Versicherten digitalen Neuerungen offen gegenüberstehen. Wir als TK versuchen mit Innovationen wie TK-Safe dafür zu sorgen, dass Interessierte nur sichere Plattformen nutzen."

Aus ihrer Sicht spielen in der Entwicklung des ersten Gesundheitsmarktes disruptive Geschäftsmodelle eine Rolle. Vor allem in kleineren Innovatoren, also Start-ups, sieht sie für die GKV eine große Chance. Teilweise sind bei den Entwicklungen sogar schon erste Schritte gemacht, wie beispielsweise bei automatischen Analysen von großen Datenmengen (Big Data).

Datenschutz für IBM selbstverständlich

Für die technologische Sicht auf die Dinge war Volker Mielke, Associate Partner und Executive Project Manager (PMP) von IBM auf dem Podium. Er war Projektverantwortlicher für den Aufbau der IBM Gesundheitsplattform und den Launch von TK-Safe und ist seit diesem Jahr verantwortlich für den Bereich Open Healthcare Platform (DACH) sowie die Entwicklung der strategischen Healthcare-Partnerschaften. Er schätzte in seinem Vortrag die digitalen Entwicklungen im Gesundheitsmarkt ein und bewertete aktuelle Trends.

Groh lobte die Einstellung von IBM beim Thema Datenschutz: "Die TK und IBM sind sich einig, dass die Daten immer dem Nutzer selbst gehören. Wir beide nehmen das Thema 'Datensparsamkeit' sehr ernst und fühlen uns verpflichtet, die Daten unserer Versicherten bzw. Kunden zu schützen – ein Grundsatz, der in einer datengetriebenen Welt absolut selbstverständlich sein sollte", erklärte er.

Nach dem offiziellen Teil folgte in gemütlicher Atmosphäre ein reger Austausch. TK-Landeschef Groh zeigte sich zufrieden: "Ich glaube, unsere Veranstaltung hat wieder eine wichtige Thematik aufgegriffen. Aus unserer Sicht ist es klar, dass sich das Gesundheitssystem gerade in einem wichtigen Wandel befindet. Natürlich können auch wir nicht in die Zukunft schauen, aber wir können aktuelle Entwicklungen einordnen und Vermutungen anstellen", resümierte er. Vielleicht zeigt sich in näherer Zukunft, dass die TK beim "Blick in die Glaskugel" gar nicht so falsch lag.