Hört man derzeit die Diskussion und vor allem die Aussagen des Bundesgesundheitsministers zur Notfallversorgung, so kann man den Eindruck gewinnen, es gäbe nur Probleme. Offensichtlich hat der Minister vorher nicht nach Bayern geschaut. Hier sind die Partner der Selbstverwaltung (KV, Kassen und Krankenhäuser) schon viele Schritte gegangen. Vieles, was der Gesetzgeber nun in Berlin anstoßen will, ist in Bayern schon Realität.

Dennoch hat man beim Lesen des Entwurfs das Gefühl, hier ist schnell etwas mit heißer Nadel gestrickt worden. Zentrale Fragen bleiben unbeantwortet. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es erst im TSVG neue Aufträge an die Selbstverwaltung - vor allem zur Erreichbarkeit und zum medizinischen Ersteinschätzungsverfahren - gegeben hat.

Technische Vernetzung der Notfallrufnummern

Die grundsätzliche Ausrichtung - eine bessere Verzahnung - begrüßen wir. Alleine schon deshalb, weil wir sie in Bayern bereits leben. Das Miteinander mit den Krankenhäusern zur sprechstundenfreien Zeit funktioniert. Auch eine bessere technische Vernetzung der Notfallrufnummern 112 und 116 117 begrüßen wir. Dieses Ziel verfolgen wir bereits seit längerem. Es war allerdings mit den integrierten Leitstellen, die für die 112 zuständig sind, bisher nicht umsetzbar.

Dr. Wolf­gang Kromb­holz

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KVB-Vorstandsvorsitzender

Die Pläne des Ministeriums sind allerdings zum Teil sehr unausgereift. Viele Vorschläge werfen mehr Fragen auf, als dass sie Antworten geben. Gerade aufgrund der bisherigen Erfolgsgeschichte können wir nicht nachvollziehen, warum der Sicherstellungsauftrag aufs Land übergehen soll.

Bedürfnisse der Kommunalpolitiker

Bisher hat die Selbstverwaltung den Bedarf an Bereitschaftspraxen definiert. Wenn dieser Auftrag aufs Land übergeht, steht zu befürchten, dass nicht mehr der Bedarf sondern die Bedürfnisse von Kommunalpolitikern im Vordergrund stehen. Die Überversorgung mit Krankenhäusern ist der beste Beleg: Das Land kann es sicher nicht besser als die Selbstverwaltung.
 
Zentralstes Problem sind aber bald auftretende Doppelstrukturen. Obwohl alle bayerischen Praxen geöffnet haben, soll es in Zukunft im Integrierten Notfallzentrum (INZ) eine 24 Stunden-Versorgung geben. Daneben soll auch 24 Stunden ein Fahrdienst Hausbesuche machen.

Ressource Arzt

Neben der Tatsache, dass eine solche 24 Stunden-Versorgung nicht notwendig ist, stellt sich die Frage woher die Ärzte dafür kommen sollen. Im Schnitt gehen 0,6 Patienten in der Stunde in eine Notaufnahme und werden dort ambulant versorgt. Es ist für diese geringe Zahl nicht vertretbar, permanent einen Arzt vorzuhalten. Hinzu käme ja noch ein Arzt, der Hausbesuche absolvieren soll. Notwendige Hausbesuche werden heute schon 24 Stunden am Tag erbracht. Die geplante Doppelstruktur ist schlicht unwirtschaftlich und verschwendet die Ressource Arzt.

Womit wir zum zentralen Punkt kommen: Schon heute fehlen in der ambulanten wie in der stationären Versorgung Ärzte. Dieses Problem würde mit der Reform massiv verstärkt, ohne dass sich die Versorgung verbessern würde.