TK: Frau Bender, seit einem Jahr sind Sie Leiterin der vdek-Landesvertretung Baden-Württemberg. Was konnten Sie bisher erreichen?

Biggi Bender

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Leiterin der vdek-Landesvertretung Baden-Württemberg

Biggi Bender: Zunächst einmal freue ich mich, dass ich so freundlich in die Ersatzkassenfamilie aufgenommen wurde. Als Verband der Ersatzkassen vertreten wir die Interessen der Techniker Krankenkasse, BARMER, DAK-Gesundheit, Kaufmännische Krankenkasse, Handelskrankenkasse und der Hanseatischen Krankenkasse.

Viel Luft holen konnte ich nicht, vielmehr habe ich mich gemeinsam mit meinem Team der vdek-Landesvertretung den drängenden Themen des Gesundheitswesens gewidmet. Die großen Themen lauten Zukunft der Pflege, die Digitalisierung und der Morbi-RSA.

Mittlerweile ist klar, dass der Morbi-RSA weiterentwickelt werden muss, damit wieder faire Wettbewerbsbedingungen zwischen den Krankenkassen hergestellt werden. Wir haben deshalb unsere vdek-Position mündlich und schriftlich gegenüber dem Ministerium für Soziales und Integration deutlich gemacht. Wir wollen, dass der Morbi-RSA die unterschiedliche Kostenstruktur zwischen Ballungsräumen und  ländlichen Regionen in Zukunft berücksichtigt.

Die Zukunft der Pflege ist ein weiteres wichtiges Thema, womit wir uns im Land beschäftigen. Die Landesregierung hat den Kommunen das Optionsrecht für die Einrichtung von Pflegestützpunkten zugestanden. Wir haben zur Finanzierung und Ausstattung dieser Beratungsangebote einen entsprechenden Rahmenvertrag ausgehandelt. Damit liegt das Land im Beratungsangebot für Betroffene und Angehörige weit vorne.

Natürlich setzt Pflege, soweit sie professionell erbracht wird, allein oder als Unterstützung für Angehörige entsprechende Fachkräfte voraus. Für mich ist ganz entscheidend, zu erreichen, dass Pflegekräfte - egal ob beim Pflegedienst oder im Krankenhaus - nicht nach wenigen Jahren aus dem Beruf aussteigen. Dafür ist nicht nur die Bezahlung wichtig, sondern eben auch Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastung - also insgesamt die Arbeitszufriedenheit. Dies muss uns Ersatzkassen deshalb ein Anliegen sein.

TK: Das Thema Digitalisierung ist derzeit in aller Munde. Wie stehen Sie dazu?

Bender: Ja, die Digitalisierung ist auch bei uns im Fokus. Sie bietet uns große Chancen, die Versorgung im Land zu verbessern. Mittels Telemedizin können Distanzen zwischen Arzt und Patient überbrückt werden, durch Gesundheits-Apps werden Bürger besser aufgeklärt, die Telematik-Infrastruktur ermöglicht die sichere Kommunikation zwischen Ärzten, Krankenhäusern, Krankenkassen usw.. Die Zeit ist jetzt reif, und nach vielen Jahren der Vorbereitung und auch der gegenseitigen Blockaden kommt der Zusatznutzen jetzt bei den Versicherten an.

In der Digitalisierung sind wir in Baden-Württemberg Impulsgeber. Stichwort sind hier das Modellprojekt zur Fernbehandlung docdirekt und das Innovationsfondsprojekt CoCare.

TK: Gibt es weitere Themen, die sie besonders beschäftigen?

Bender: Wir sind darüber hinaus bei den Vergütungsverhandlungen mit Ärzten und Zahnärzten mit allem Auf und Ab unterwegs. Die Bundesaufsicht und die Landesaufsicht sollten in diesem Zusammenhang mehr an einem Strang ziehen.

Wir stellen uns derzeit mit den Krankentransporten neu auf. Bei den auch in den Medien gespiegelten Konflikten brauchte ich bisweilen starke Nerven. Darüber hinaus treibt uns das Thema „Integrierte Notfallversorgung“ im Rahmen von B 52 um. In der Prävention setzen wir ein deutliches Zeichen. Bei unserem ersatzkassengemeinsamen Projekt geht es uns um die Gesundheitsförderung und Prävention für ältere Menschen, um die Alltagskompetenzen in stationären Pflegeeinrichtungen zu erhalten.

TK: Sie vertreten die Ersatzkassen nun im „Forum Gesundheitsstandort“ der Landesregierung. Mit welchen Vorschlägen können die Ersatzkassen den Gesundheitsstandort Baden-Württemberg voranbringen?

Bender: Bei dem Forum Gesundheitsstandort geht es mir weniger um die Gesundheitswirtschaft als vielmehr um die Gesundheitsversorgung. Im Rahmen einer verbesserten Gesundheitsversorgung werden wir uns vor allem darum kümmern, dass vulnerable Zielgruppen medizinisch gut versorgt werden. Die gesundheitliche Chancengleichheit ist mir ein Anliegen.

Für mich stellt sich immer die Frage, was hat der Patient davon, welchen Nutzen können wir beispielsweise auch aus der "Künstlichen Intelligenz" für die Patientinnen und Patienten ziehen? Ich werde alles unterstützen, was die flächendeckende Gesundheitsversorgung im Land qualitativ besser macht. Wir müssen also stets vom Nutzen für den Patienten denken.

TK: Was haben Sie sich für das kommende Jahr mit dem vdek vorgenommen?

Bender: Wir können nur dann eine gute Gesundheitsversorgung im Land auch weiterhin gewährleisten, wenn die Finanzierung gesichert ist. Wir haben unsere Forderungen zur Reform des Morbi-RSA auf Basis der beiden Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesversicherungsamt aktualisiert. Die Gutachten bestätigen uns, dass beim Morbi-RSA weiter Reformbedarf besteht.

Hierfür will ich mich gegenüber dem Land einsetzen. Es kann nicht sein, dass die Spannbreite bei den Über- und Unterdeckungen von mittlerweile rund 2,5 Milliarden Euro weiter Bestand hat. Sie wissen, dass die Ersatzkassen im Jahresausgleich 2016 mit 983 Millionen Euro unterdeckt waren, die AOK dagegen mit 1,5 Milliarden Euro überdeckt. Die Themen Morbi-RSA, Pflege und die sinnvolle Umsetzung der Digitalisierung werden uns also auch im kommenden Jahr beschäftigen.

TK: Wie sehen Sie die Ersatzkassen im Vergleich zu anderen Kassenarten in Baden-Württemberg aufgestellt?

Bender: Die grundsätzliche Einigkeit der Mitgliedskassen war immer auch die Stärke des Verbands der Ersatzkassen im Land. Hier müssen wir uns gegenüber den anderen Krankenkassenarten nicht verstecken. Ganz im Gegenteil wollen wir unseren Beitrag dafür leisten, damit eine qualitativ hochwertige Versorgung im Land auch weiterhin gewährleistet ist.

Bei vielen politisch strategischen Themen im Gesundheitswesen sind wir bekanntlich auch kassenartenübergreifend als B 52 unterwegs oder gemeinsam in der GKV. Wir haben also stets die gute und flächendeckende Gesundheitsversorgung für das Land im Blick. Dieses hohe medizinisch therapeutische und pflegerische Niveau wollen wir in Baden-Württemberg halten.