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TK: Sie sind die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Brandenburger Landtag. Ihr Wahlkreis liegt im Landkreis Barnim. Was versprechen Sie sich von einer abgestimmten Krankenhausplanung in der Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg ab dem Jahr 2020?

Britta Müller: Wir können an den Fallzahlen der Berliner Krankenhäuser sehen, dass die Brandenburger im Speckgürtel die Möglichkeiten in Berlin nutzen. Es gibt nun mal keine Zugbrücke, die hochgeht, wenn ein Brandenburger vor einem Berliner Krankenhaus steht, und das ist auch gut so. Von daher müssen wir uns mit der Krankenhauslandschaft der beiden Länder auseinandersetzen und Vereinbarungen treffen. Allerdings verteilt sich die Bevölkerung in Brandenburg nicht homogen, neben dem Wachstum und einer Verjüngung im Speckgürtel haben wir eine Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung im berlinfernen Raum. Das hat sowohl Auswirkungen auf die Leistungsnachfrage als auch auf das Leistungsangebot. Berlin hat andere Herausforderungen, eine gemeinsame Krankenhausplanung wird daher nicht möglich sein. Daher erwarte ich von einer abgestimmten Krankenhausplanung, dass diese unterschiedlichen Herausforderungen und die spezifischen Anforderungen Brandenburgs berücksichtigt werden. Auf der strukturpolitischen Agenda Brandenburgs bleibt die Frage der Versorgungssicherheit prioritär. 

Britta Müller wurde am 24. Dezember 1971 in Eberswalde geboren. Nach dem Schulbesuch absolvierte sie eine Ausbildung zum Elektromonteur für Anlagenbau. Mit dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fachhochschule Schmalkalden und der Universität Jena wurde sie Sportökonomin und war langjährig beim Kreissportbund Barnim als Sport- und Bildungsreferentin tätig, deren Bildungswerk sie ab 2011 als Geschäftsführerin leitete. Mit der Jahrtausendwende folgten in den Fächern Gesundheitsmanagement und Gerontologie weitere Studien und eine selbstständige Tätigkeit in der Gesundheitswirtschaft. Seit 2014 gehört sie als direkt gewählte SPD Landtagsabgeordnete erstmals dem Brandenburger Landtag an und ist dort Sprecherin für Gesundheit und Demografie ihrer Fraktion. Sie ist geschieden und hat zwei erwachsene Töchter.

TK: Wie kann Ihrer Meinung nach der bestehende Investitionsstau in der Krankenhausfinanzierung abgebaut und eine auskömmliche Investitionsfinanzierung erreicht werden?

Britta Müller: Auch wenn Brandenburg in den letzten Jahren bereits mehr in seine Krankenhäuser investiert hat, besteht dort unbestritten weiterhin hoher Investitionsbedarf. Der medizin-technische Fortschritt mit seiner hohen Dynamik sowie veränderte Rahmenbedingungen treiben quasi dazu an. Mit unserem Nachtragshaushalt für das Jahr 2018 werden wir daher weitere 20 Millionen Euro den Krankenhäusern für ihre Investitionen zur Verfügung stellen. Auch der Entwurf zum Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD sieht mit einer Milliarde Euro für die nächsten vier Jahre (Krankenhausstrukturfonds) einen Zuschuss an Investitionsmitteln für die Länder vor. Eine auskömmliche Investitionsfinanzierung ist dies allerdings noch nicht, hier muss der Bund nachhaltig die Länder stärken und langfristig wieder in die Investitionsfinanzierung einsteigen, so wie bei der Bildung.

TK: Die Qualität soll bei der Krankenhausplanung künftig stärker Berücksichtigung finden. Die Länder können von den Qualitätsindikatoren abweichen. Was sollte aus Ihrer Sicht getan werden, um eine einheitlich hohe Qualität für die Patienten in zu gewährleisten - und warum? 

Britta Müller: Mit den planungsrelevanten Qualitätsindikatoren versucht der G-BA Krankenhausstrukturpolitik zu machen, was allerdings Ländersache ist. Schließlich sind die Länder für die Krankenhausplanung verantwortlich. Qualität wird bereits von den Krankenhäusern erbracht und von der Landesregierung selbstverständlich kontrolliert. Es ist daher die Frage, ob die von dem gemeinsamen Gremium GBA herausgegebenen Qualitätskriterien für Brandenburg relevant sind. Wichtiger erscheint mir die Zertifizierung von Zentren nach krankenhausplanerischer Sicht. Diese Gütesiegel sind auch nach außen ein deutliches Zeichen für Qualität. 

TK: Ärzte, Pfleger und Auszubildende - die Gesundheitsversorgung in Brandenburg ist dringend auf Fachkräfte angewiesen. Was hat sich Ihrer Meinung nach bei der Fachkräftegewinnung bewährt, was sollte hingegen noch weiter verbessert werden? 

Britta Müller: Der bisherige Ansatz, über Pflegeschulen vor Ort medizinisches Personal zu gewinnen, ist natürlich richtig. Die Politik muss noch mehr darauf drängen, dass diese Berufe besser bezahlt werden, und auch die Ausbildungskosten beziehungsweise Kosten für Fortbildungen mehr unterstützen. Im Wettbewerb um die Fachkräfte benötigen wir einen einheitlichen Tarifvertrag in der Pflege. Insgesamt muss der Beruf attraktiver werden beziehungsweise die hohe Attraktivität des Berufes bekannter werden, sowie Beruf- und Berufsgruppen entlastende Lösungen gefördert werden. Eine Entlastung könnte z.B. durch einen bedarfsdeckenden Personalschlüssel erreicht werden. 

TK: Die Digitalisierung kann die medizinische Versorgung besser machen. Was braucht es Ihrer Meinung nach in Brandenburg für ein digitales Update der Krankenhauslandschaft? 

Britta Müller: Gerade auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel bietet Digitalisierung und Telemedizin in einem Flächenland wie Brandenburg die Chance, die Versorgungssicherheit in allen Winkel des Landes aufrechtzuerhalten. Das Land muss dafür den  Ausbau der Telematik Infrastruktur weiter fördern und auch Telemedizinische Versorgungsmodelle unterstützen. Digitale und Telemedizinische Netze erfordern enorme Speicherkapazitäten, für deren Ausbau werden wir noch einmal viel Geld investieren, zusätzlich 30 Millionen Euro ab dem Jahr 2018. Eine Form zur nachhaltigen Investitionsfinanzierung des Bundes wäre aus meiner Sicht, die Unterstützung der Krankenhäuser bei ihrem digitalen Aufbruch. Der Bund sollte sich mehr am Aufbau der digitalen Systeme und dem Datenschutz der Krankenhäuser beteiligen. 

TK: Frau Müller, im Brandenburger Wahlkampf sind Sie mit einem roten Roller durch das Land gefahren. Welchen besonderen Ort in der Mark würden Sie jederzeit wieder besuchen? 

Britta Müller: Na ja, nicht durch das ganze Land. Das hätte bei einer Leistung des Rollers von nur 55 kW zu viel Zeit in Anspruch genommen. Aber ich bin durch den Barnim gefahren, und dort gibt es so viele schöne Orte, dass es mir schwer fällt, einen herauszuheben. Es gibt sie dort vielerorts, die legendären Sonnenblumenfelder, an denen man einfach Halt macht und die Schönheit der Natur genießt. Mit dem Roller kommt man ja auch in kleine abgelegene Zipfel und hat dabei immer die märkische Luft um die Nase. Das geht übrigens auch gut mit einem Fahrrad!