TK: Herr Dr. Faber, wie haben Sie persönlich und auch politisch die letzten Monate empfunden? Welche Lehren oder Konsequenzen sollten zeitnah aus der Pandemie gezogen werden, beispielsweise was die Abgrenzung von bundes- und landespolitischen Zuständigkeiten und Spielräumen angeht?

Dr. Marcus Faber: Ich habe die Beschränkungen der Freiheitsrechte natürlich genauso schlimm empfunden wie wohl fast alle Bürgerinnen und Bürger im Land. Als Fraktion der Freien Demokraten haben wir von Anfang an eine stärkere Beteiligung des Parlaments bei der Bekämpfung der Pandemie und insbesondere eine konkretere gesetzliche Grundlage für die Maßnahmen und die mit ihnen verbundenen tiefgreifenden und flächendeckenden Grundrechtseingriffe gefordert. Zuletzt haben wir das mit dem Antrag aus dem August 2021 mit dem Ziel "Epidemische Lage von nationaler Tragweite geordnet beenden - Planungs- und Rechtssicherheit gewährleisten - Pandemiemonitoring verbessern" deutlich gemacht.

Dr. Marcus Faber

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Bundestagsabgeordneter für die Altmark

TK: Corona hat die Digitalisierung in vielen Lebensbereichen beschleunigt. Worin sehen Sie die größten Veränderungen im Gesundheitswesen und wo hat Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern in diesem Bereich noch Nachholbedarf?     
                    
Faber: Mit dem Digitalpakt, den wir als Fraktion beschlossen haben, wollten wir alle Bereiche des Gesundheitswesens fit für die aktuellen Herausforderungen machen. Bessere Vernetzungen der Akteure, ausschließlich digitale Meldewege oder eine Institutionalisierung eines Fehlermeldesystems waren unsere Ziele. Leider zeigt sich auch heute noch - ein Jahr nach Beginn der Pandemie - dass Digitalisierung im öffentlichen Gesundheitsdienst ein Fremdwort geblieben ist.

Wir Freie Demokraten wollen die Digitalisierung im Gesundheitswesen durch klare und transparente Rahmenbedingungen voranbringen. Dazu benötigen wir offene Standards, Interoperabilität und Datensicherheit. Die Vernetzung zwischen allen Gesundheitsakteuren sowie Patientinnen und Patienten muss digital ausgestaltet sein. Nur so ist eine schnelle Verfügbarkeit der Patientinnen- und Patientendaten sicherzustellen. Die Digitalisierung ist kein Wert an sich, sondern sie hat das Potenzial, den Arbeitsalltag von allen Gesundheitsakteuren zu erleichtern.
 
TK: In wenigen Tagen treten Sie wieder bei der Bundestagswahl an. Welche drei für Sachsen-Anhalt wichtigen Punkte würden Sie in den nächsten vier Jahren auf die gesundheitspolitische Agenda des Bundes setzen?

Faber: Gesundheitspolitik möchte ich vor allem für die Zunft wappnen und voranbringen. Das bedeutet zum einen, dass ich die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranbringen möchte. Außerdem habe ich bereits konkrete Vorschläge für die Verhinderung von Lieferengpässen bei Arzneimitteln und der Entbürokratisierung des Gesundheitswesens. Weitere wichtige Gesundheitsthemen sind die Gesundheitsversorgung auf dem Land sowie die bessere Finanzierung der Krankenhäuser.

Zur Person

Dr. Marcus Faber wurde 1984 in Stendal geboren. Nach seinem Grundwehrdienst absolvierte er ein Studium der Politikwissenschaft an der Universität Potsdam, das er 2008 mit einem Diplom abschloss. Daran anschließend erfolgte im Jahr 2013 die Promotion im Fach Politikwissenschaft. Neben seinem Vorsitz im FDP-Kreisverband Stendal ist er seit 2011 stellvertretender Landesvorsitzender der FDP Sachsen-Anhalt und seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Darüber hinaus ist Dr. Faber seit 2018 ordentliches Mitglied im Verteidigungsausschuss, stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen. Bei der Bundestagswahl 2021 tritt er als Spitzenkandidat für die FDP Sachsen-Anhalt an.