TK: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen "future concepts bremen - Digitale Innovationsprojekte (LEMEX)" und den Studierenden?

Dr. Martin Holi: Die Institution "future concepts bremen - Digitale Innovationsprojekte" beheimatet Kooperations­projekte zwischen Organisationen und Studierenden der Hochschulen in Bremen. Im Rahmen dieser Projekte (Lehrprojekte als Lehrveranstaltungen im Semester oder als Summer Schools) haben gemeinnützige, öffentliche und privatwirtschaftliche Organisationen als Kooperationspartner die Möglichkeit, neue Produkte und Dienstleistungen sowie Konzepte und Geschäftsmodelle in der Schnittmenge von Digitalisierung, Innovation und Business Development zu entwickeln.

Zudem besteht die Möglichkeit, dass die Organisationen unternehmerische Fragestellungen bearbeiten lassen. Bisher haben über 50 Organisationen und 200 Studierende von vier verschiedenen Hochschulen an den Innovationsprojekten teilgenommen. Das Projekt wurde Anfang 2017 durch die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa initiiert und wird seitdem am Lehrstuhl für Mittelstand, Existenzgründung und Entrepreneurship (LEMEX) an der Universität Bremen koordiniert.

Die Studierenden arbeiten in Team von 3-5 Studierenden und werden dabei von Experten aus Wissenschaft, Wirtschaftspraxis und öffentlichen Einrichtungen im Sinne von Coaching unterstützt. Die Studierendenteams nutzen die Methoden des Projektmanagements und arbeiten weitgehend selbstständig, werden aber zusätzlich von akademischer Seite sowie vom Kooperationspartner geführt und erhalten innerhalb von regelmäßig stattfindenden Meilenstein-Meetings Feedback und Coaching.

Dr. Martin Holi

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Projektleiter von "future concepts Bremen - Digitale Innovationsprojekte" 

TK: Warum ist Bremen ein guter Ort für Gründerinnen und Gründer?

Holi: Das Land Bremen bietet Gründungsprojekten und Startups zahlreiche Vorteile. Bremen besitzt die Infrastruktur einer Metropole mit zahlreichen Hochschul- und Forschungseinrichtungen. Diese Einrichtungen bilden hochqualifizierte potentielle Gründerinnen und Gründer und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus. Im Vergleich zu anderen großen Gründungsmetropolen profitiert man in Bremen  von den einer gut vernetzten Startup Community und den sogenannten kurzen Wegen. Die in der Community aktiven Personen sind gut vernetzt und können so zielgerichtet an die richtigen Ansprechpersonen verweisen.

Zudem profitieren die Gründerinnen und Gründer von einer räumlichen Nähe, die es schnell ermöglicht Kontakte aufzubauen und Termine wahrzunehmen. Weiterhin können Startup schneller Sichtbarkeit erlangen und sind einem vergleichsweise geringeren Wettstreit um Talente und Ressourcen ausgesetzt. Insbesondere in den letzten Jahren haben Organisationen wie das Starthaus, die Handelskammer, die Wirtschaftsförderung sowie zahlreiche weitere öffentliche und private Anbieter ihre Expertise und Unterstützungsangebote noch stärker an die Bedürfnisse der Gründungsszene angepasst.

 TK: Unter welchen Bedingungen sollten Unternehmen und Studenten zusammenarbeiten?

Holi: Am erfolgreichsten ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Während sich die Studierenden eher vorsichtig an die Kooperationspartner heranwagen, können Unternehmen durch spannende Aufgaben und Offenheit schnell eine erfolgreiche Projektausgangssituation schaffen. Studierende haben ein gutes Gespür für die Intention und die Motivation von Praxispartnern. Daher gilt auch die Regel, dass die Studierenden letztendlich das zu bearbeitende Projekt auswählen dürfen. Dies führt zu einer hohen Motivation auf beiden Seiten, die wichtig ist, um die überschaubare Zeit von bis zu 100 Tagen erfolgreich und ergebnisorientiert zu nutzen.

Die Ausgangsfragestellung sollte für die kooperierenden Organisationen eine Relevanz haben, da so eine aktive Unterstützung der Studierenden erfolgt. Nicht geeignet sind sogenannte Wiederholungsprojekte, d.h. der Kooperationspartner hat bereits eine Lösung erarbeitet, möchte diese aber durch die Studierenden evaluiert haben.

Die Dozenten passen in Zusammenarbeit mit den Praxispartnern die Fragestellungen für die Studierenden so an, dass diese durch die Studierenden auf Grundlage des Teamwissen und der gesetzten Lernziele erfolgreich bearbeitet werden kann. Darüber hinaus unterstützen sie die Projekte mit Wissen, Kontakten und Feedback. Außerdem stellen die Dozenten einen geschützten Lehrraum her, in dem sich die Studierenden trauen, ihre Ideen und Lösungsansätze auszuprobieren.

TK: Helfen Erfahrungen aus abgeschlossenen Projekten, die Zusammenarbeit so zu optimieren, dass sich gute Synergieeffekte ergeben?

Holi: Aus den Rückmeldungen der teilnehmenden Organisationen wissen wir, dass den Studierenden im Anschluss regelmäßig Angebote für eine weitere Zusammenarbeit unterbreitet werden. Dazu gehört die Weiterführung der Projektaufgabe als Werkstudierende, aber zum anderen wurden auch Festeinstellungen vorgenommen. Die Unternehmen berichteten über positive Effekte durch "den frischen Wind", den die Studierenden ins Unternehmen gebracht haben.

In den jeweiligen Veranstaltungen arbeiten die Teams in individuellen Projekten. Dadurch entstehen organisationsübergreifende Synergien, da die teilnehmenden Studierenden und Organisationen auch Einblicke in die Lösungsansätze von anderen teilnehmenden Projekten bekommen. Daher werden in jeder Veranstaltung Unternehmen unterschiedlicher Größe von Startups, über KMUs, bis hin zu Konzernen aber auch soziale und kulturelle Organisationen zusammengebracht.

Zusätzlich kooperieren wir mit vielen ausgewählten Netzwerk­organisationen in Bremen. Neben dem Coaching erfolgt die Unterstützung im Bereich Medienkooperationen, Netzwerkbildung, Projektvermittlung. Zu den Partnerorganisationen gehören im Moment: bremen digitalmedia, Hochschulinitiative BRIDGE, kraftwerk - city accelerator bremen, Handelskammer Bremen, Klub Dialog e. V., Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Bremen, Starthaus Bremen und Bremerhaven und die Wirtschaftsförderung Bremen GmbH.