TK spezial: Was fehlt in Deutschland konkret an Unterstützung für Arbeitgeber, damit sie sich mehr auf ausländische Fachkräfte einlassen?

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Frank Böttcher

Böttcher: Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist in Teilen dabei, sich von einem Arbeitgebermarkt hin zu einem Arbeitnehmermarkt zu wandeln. Das heißt, es gibt teilweise mehr freie Stellen als Bewerber. Die Arbeitgeber müssen sich für Arbeitnehmer also interessant machen, um in der Konkurrenz um Bewerber bestehen zu können. Bereits bekannte Maßnahmen dafür sind beispielsweise unterschiedliche Arbeitszeitmodelle oder vielfältige Weiterbildungsangebote. Für ausländische Bewerber muss ein Arbeitgeber außerdem beachten, dass er die Menschen nicht nur darin unterstützt, sich beruflich zu integrieren. Diese Unterstützung benötigen sie auch im Hinblick auf ihr soziales Umfeld. Im Betrieb müssen das alle als ihre Aufgabenstellung verstehen, die an einem Integrationsprozess beteiligt sind. Inwieweit außerdem gesetzliche Neuregelungen zur Zuwanderung oder staatliche Fördermöglichkeiten geschaffen werden, ist eine politische Entscheidung.

Zur Person

Frank Böttcher ist seit gut 20 Jahren für die Bundesagentur für Arbeit tätig. Nach seinem Studium an der Fachhochschule des Bundes im Fachbereich Arbeitsverwaltung in Mannheim war er ab 1996 als Arbeitsvermittler in Duisburg tätig. Danach arbeitete er ab 1999 in den Bereichen Controlling und Steuerung nachgeordneter Dienststellen in der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen und als Referent in der Hauptstadtvertretung der Bundesagentur für Arbeit in Berlin. Ab 2014 war Böttcher Geschäftsbereichsleiter des Internationalen Personalservice der ZAV, der Fachkräfte aus EU- und Nicht-EU-Staaten sowie Auszubildende aus der EU für den deutschen Arbeitsmarkt gewinnt. Seit dem 1. April 2016 ist er Geschäftsführer des Jobcenters Bochum.

TK spezial: Sie sprachen vor Kurzem davon, dass Krankenhäuser als Arbeitgeber Abstriche in ihren Anforderungen an ausländische Ärzte machen müssten. Welche Abstriche dürften das sein, ohne dass diese sich nachteilig auf Patientensicherheit und Versorgungsqualität auswirken?

Böttcher: Die Bewerber, die wir im Ausland für eine Beschäftigung in Deutschland gewinnen, sind fachlich hoch qualifiziert. Eine Hürde für die Beschäftigung in Deutschland bildet allerdings häufig die deutsche Sprache. Hier erwarten Arbeitgeber oft, dass ein Zuwanderer bei seiner Ankunft bereits perfekt Deutsch spricht. Diese Erwartung ist meist zu hoch. Für die Zuwanderer sollte es möglich sein, insbesondere die Fachsprache noch nachzuholen und sich in der deutschen Alltagssprache weiter zu qualifizieren. Wir dürfen nicht verkennen, dass nicht nur Deutschland nach Ärzten Ausschau hält, sondern dass auch andere Länder auf der Suche nach Gesundheitspersonal sind. Und wenn junge Ärzte in anderen Ländern bessere Einstiegsmöglichkeiten in ihren Beruf finden, werden sie vielleicht nicht nach Deutschland kommen.

TK spezial: Sollte man nicht versuchen, bereits Studenten hier herzuholen und hier auszubilden?

Böttcher: An deutschen Hochschulen finden sich bereits Studierende aus dem Ausland, die sich für unterschiedliche Studienfächer eingeschrieben haben. Sie sind eine wichtige Zielgruppe, um Fachkräfte zu gewinnen. Mit einem Studienabschluss an einer deutschen Hochschule zählen sie als Bildungsinländer, für die ein formales Anerkennungsverfahren des Abschlusses nicht mehr notwendig ist. Allerdings kann es hierbei nicht nur um Deutschland gehen. Denn wenn in den jeweiligen Heimatländern der in Deutschland ausgebildeten Akademiker ebenfalls Engpässe am Arbeitsmarkt bestehen, ist deren Rückkehr in ihre Heimatländer ein aktiver Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit.