TK: Mit der Corona-Pandemie steht das Gesundheitssystem im Fokus der Öffentlichkeit. Welche Auswirkungen sehen Sie auf die gesundheitspolitische Arbeit in Niedersachsen?

Holger Ansmann: Das Gesundheitswesen in Niedersachsen stand schon vor der Pandemie vor erheblichen Herausforderungen. Die Personalsituation in der Pflege, die zukünftige ärztliche Versorgung insbesondere in den ländlichen Regionen Niedersachsens oder der Investitionsstau in unseren Krankenhäusern seien hier beispielhaft genannt. In Teilbereichen konnten schon Verbesserungen erreicht werden zum Beispiel durch die Sondervermögen für unsere Krankenhäuser. Die Bedeutung des Gesundheitswesens für unsere Gesellschaft ist aktuell sicher öffentlicher geworden. Dadurch verbessert sich die Grundlage für unsere Arbeit.

TK: Ist die Corona Pandemie ein möglicher Treiber für die Digitalisierung im Gesundheitswesen in Niedersachsen?

Ansmann: Durch die Kontaktverbote ist die Nutzung digitaler Anwendungsmöglichkeiten in vielen Bereichen unseres Lebens notwendigerweise ausgeweitet worden. Viele sehen stärker als in der Vergangenheit die Chancen und den Nutzen der Digitalisierung. Das gilt natürlich auch für das Gesundheitswesen. Wichtig sind  dabei ausreichende Investitionen in eine moderne technische Infrastruktur.

TK: Hat sich die Ausschussarbeit in den letzten Monaten verändert? Haben sich zum Beispiel die Schwerpunkte verschoben?

Ansmann: Die Corona-Pandemie mit ihren Auswirkungen hat in den letzten Monaten unsere Ausschussarbeit bestimmt. Wir sind ja in der Thematik der hauptsächlich zuständige Ausschuss und somit parlamentarisch federführend. Wir bemühen uns aber auch allen anderen Herausforderungen gerecht zu werden. Die Beratung von Gesetzesentwürfen und Anträgen hat nach wie vor einen großen Anteil an unseren Sitzungen.

TK: Was ist aus Ihrer Sicht noch wichtig umzusetzen bis zum Ende der Legislaturperiode?

Ansmann: Die Schwerpunkte unserer Arbeit bis zum Ende der Legislaturperiode im Dezember 2022 ergeben sich unter anderem aus den Aufgabenstellungen des Koalitionsvertrages. Hier sind noch wichtige Themen aus den Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe, der Vereinbarung von Familie und Beruf, der Integrations- und Behindertenhilfe, der Armutsbekämpfung oder der Gleichstellung von Mann und Frau im Beruf und in der Gesellschaft zu bearbeiten. Vieles davon ist bereits in der Beratung und bedarf nun einer konkreten parlamentarischen Umsetzung. Dazu gehört dann auch eine langfristig solide Finanzierung dieser Vorhaben.

TK: Auch persönlich fordert diese Krise jeden Einzelnen von uns ganz individuell. Wie hat sich Ihr Alltag verändert?

Ansmann: Die Kontakt- und Veranstaltungsverbote bedeuten für mich zumeist Home-Office, Video- und Telefonkonferenz. Präsenzveranstaltungen und persönliche Kontakte sind auf ein zulässiges Mindestmaß reduziert. Wir Politiker haben da eine Vorbildfunktion. Die Gesamtsituation mit ihren herausfordernden Auswirkungen auf viele Mitbürgerinnen und Mitbürger bestimmt darüber hinaus meinen Alltag. Das zu verändern ist für mich aber auch Motivation und Triebfeder zugleich.

Zur Person

Holger Ansmann ist am 20.August 1957 in Wilhelmshaven geboren. Er ist verheiratet. Seine Ausbildung hat er bei den Olympia-Büromaschinenwerken AG zum Bürokaufmann absolviert. Von 1978 bis 1994 war er als Betriebsrat und Betriebsratsvorsitzender tätig. Danach von 1994 bis 2009 Mitarbeiter der Nord LB im Bereich Unternehmensansiedlung und gleichzeitig ab 1995 Geschäftsführer der Technologie Centrum Nordwest Marketing GmbH in Schortens. Ab 2009 dann selbstständig in der Projekt- und Strategieberatung.

Holger Ansmann ist Mitglied der SPD seit 1986. Er ist seit 2013 Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag für den Wahlkreis 69 (Wilhelmshaven). Ebenfalls seit 2013 ist er Vorsitzender des Ausschusses für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Migration sowie Mitglied im Unterausschuss Häfen und Schifffahrt.