TK: Frau Holldorf, die TK übernimmt als bundesweite Kasse eine bedeutende und zugleich regionale Verantwortung in dieser besonderen Zeit. Wie leistet die TK diesen Kraftakt?

Inken Holldorf: Die TK als bundesweit geöffnete Kasse verfolgt grundsätzlich eine übergreifende strategische Ausrichtung. Dabei war und ist es für uns von besonderer Bedeutung, die regionalen Gegebenheiten und Bedürfnisse im Blick zu haben und bei der Ausgestaltung der strategischen Ausrichtung zu berücksichtigen. Hierfür stehen wir in engem Dialog mit unseren TK-Landesvertretungen, die die regionale Perspektive einbringen.

In diesen Pandemie-Zeiten entspricht es unserem Selbstverständnis, für unsere Versicherten da zu sein. Aber auch für diejenigen unverändert verlässlicher Partner zu sein, die Leistungen erbringen, oder eben derzeit Einnahmeausfälle haben. Deshalb freuen wir uns, diese wichtige Aufgabe des Reha-Rettungsschirms stellvertretend im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern übernehmen zu dürfen.

Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der TK-Landesvertretung in Schwerin stellen wir die enge Anbindung an die Belange vor Ort sicher. Und unser Fachzentrum Vorsorge & Rehabilitation in Darmstadt kümmert sich mit seiner jahrelangen Erfahrung um die kundenorientierte Umsetzung des Prozesses und somit um die Kommunikation mit den Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen vor Ort. Gemeinsam können wir sehr zeitnah gewährleisten, dass die Einrichtungen die notwendige Liquidität erhalten.

TK:  Mit Blick auf das gesamte Bundesgebiet, erkennen Sie Besonderheiten im Abrufverhalten der Reha- Einrichtungen?

Holldorf: Die TK ist mit der Durchführung des Reha-Rettungsschirms in den Bundesländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern beauftragt worden. Aus den bisherigen Erfahrungen lassen sich keine grundsätzlichen Unterschiede im Abrufverhalten der einzelnen Einrichtungen oder zwischen den Bundesländern feststellen. Abweichungen in der Höhe der Ausgleichsbeträge resultieren vorwiegend aus dem Indikationsspektrum oder der Größe einzelner Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen. Zudem gleichen einige Einrichtungen Belegungsausfälle mit der Aufnahme von Kurzzeitpflege aus oder führen als benanntes Krankenhaus vollstationäre Versorgungen durch.  

TK: Welche Dinge sind Ihnen bei der Umsetzung des Rettungsschirms wichtig?

Holldorf: Uns ist besonders wichtig, dass die flächendeckende und qualitativ gute Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern erhalten bleibt. Davon profitieren alle Versicherten, unabhängig davon welche Krankenkasse am Ende zuständig ist. Deshalb verstehen wir die möglichst unbürokratische und schnelle Durchführung als eine Aufgabe, bei der wir als TK gerne mit unserer fachlichen Expertise und kundenorientierten Prozessen unterstützen. Wir wünschen uns einen unkomplizierten Dialog mit den Einrichtungen, bei dem Fragestellungen rund um den Reha-Rettungsschirm gemeinsam mit unseren Experten schnell und im Sinne aller gelöst werden können.

TK: Können wir etwas aus der gegenwärtigen Krise für die Versorgung danach lernen?

Holldorf: Das ist eine sehr spannende Frage! Ich denke, dass alle Teile unserer Gesellschaft aktuell erleben, was unser Gesundheitssystem leistet und wo wir uns positiv von anderen Ländern unterscheiden; das vermittelt den Menschen Sicherheit. Mir wäre aber tatsächlich wichtig, dass wir die Krise reflektieren. Wir sollten uns die Zeit nehmen, auf die Dinge zu schauen, die wir gut bewältigt haben, aber auch auf die Themen, bei denen wir Veränderungsbedarf sehen. Das einfache Übergehen zum Tagesgeschäft würde bedeuten, eine große Chance zu verpassen.

Unser Gesundheitssystem verfügt über umfassende Strukturen, enorme fachliche Expertise und ein beeindruckendes Verantwortungsbewusstsein der in diesem System Arbeitenden. Das verdient großen Respekt! Andererseits sind Handlungsbedarfe, die bereits vor der Coronakrise existierten, noch offenkundiger geworden, z.B. im Bereich der Alten- und Krankenpflege. Was sich aber gerade in den letzten Wochen als besonders nachteilig erwiesen hat, ist die mangelnde Digitalisierung unseres Gesundheitswesens. Wären wir hier weiter, hätten wir auf viele Fragen analytischer, schneller und zielgenauer reagieren können. Eine sektorenübergreifende elektronische Patientenakte hätte wichtige Informationen liefern und das Zusammenführen von Behandlungsdaten der an Covid-19 erkrankten Patienten hätte wertvolle Hinweise auf unbekannte Zusammenhänge geben können. Das sind nur zwei Beispiele, die aber deutlich machen, dass wir hier besser werden können und müssen.

Ich hoffe sehr, dass wir uns als System den Gestaltungswillen und die positive Energie dieser Tage erhalten und in digitale Versorgungsgestaltung investieren. Dann sind wir für kommende Herausforderungen gut gewappnet Die TK übernimmt hier weiterhin eine gestaltende Rolle.