TK: Erzählen Sie uns von einem positiven Erlebnis in dieser schwierigen Zeit!

Klaus Holetschek: Mein Eindruck ist, dass der Lockdown die Familien auch wieder mehr zusammenschweißt. Meine eigenen Kinder sind schon erwachsen, aber wir haben in dieser schwierigen Phase wieder mehr miteinander gesprochen und diskutiert und sind nochmal neu zusammengewachsen. Das finde ich eine schöne Basis für die Zukunft.

TK: Welche Projekte möchten Sie nach Corona angehen?

Holetschek: Wir müssen unbedingt die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung in den Pflegeberufen verbessern. Die Krise hat uns vor Augen geführt, wie wichtig diese Berufe sind. Wir müssen in Zukunft mehr Menschen für eine berufliche Tätigkeit in diesem Bereich nah am Menschen begeistern. Das geht nur, wenn wir hier attraktive Konditionen schaffen. Dabei darf es keine Denkverbote geben: Bezahlung ist eine Stellschraube, Steuererleichterungen eine andere. Aber auch inhaltlich sollten wir nachdenken, indem wir zum Beispiel den Verantwortungsbereich erweitern und heilkundliche Tätigkeiten für Pflegekräfte erlauben.

Klaus Holet­schek

Klaus Holetschek, Bayerischer Staatsminister für Gesundheit und Pflege, MdL (Foto: StMGP) Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Bayerischer Staatsminister für Gesundheit und Pflege, MdL (Foto: StMGP)

TK: Was halten Sie von der Digitalisierung im Gesundheitswesen?

Holetschek: Die Digitalisierung ist ein ganz wichtiges Thema, das ich in allen Gesundheitsbereichen vorantreiben möchte. Sie hat großes Potential, unsere schon jetzt leistungsstarke medizinische, therapeutische und pflegerische Versorgung nochmals zu verbessern. Anwendungen wie die elektronische Patientenakte (ePA), das elektronische Rezept, der elektronische Medikationsplan oder der elektronische Impfpass sind nützlich für die Patientinnen und Patienten. Denn das ist der Kern: Die Digitalisierung muss dem Menschen dienen. Gleichzeitig erleben wir, dass die Digitalisierung z. B. über Video-Sprechstunden und Vitaldaten-Monitoring neue Möglichkeiten schafft. 
 
Bei allen technischen Möglichkeiten sind Sicherheit, Datenschutz und die ethische Vertretbarkeit des technisch Machbaren wichtige Aspekte, die mir als bayerischer Gesundheitsminister bei der Digitalisierung wichtig sind. Denn eine hohe Akzeptanz und Nutzung technischer Möglichkeiten können wir nur dann erzielen, wenn Versicherte jederzeit frei über die Verwendung ihrer Daten entscheiden und auf ein hohes Schutzniveau vertrauen können.

TK: Ihr größter Wunsch als bayerischer Gesundheitsminister?

Holetschek: Ich wünsche mir, dass wir diese Pandemie so bald wie möglich eindämmen, die Mehrheit der Bürger sich impfen lässt und bald wieder mehr Normalität einkehren kann.

TK: Wie halten Sie sich fit?

Holetschek: Früher habe ich Tennis sowie Fußball gespielt und bin Marathon und Halbmarathon gelaufen. Heute gehe ich gerne im Allgäu wandern, um mich fit zu halten - sofern der Kampf gegen die Pandemie das zulässt. Als ehemaliger Bürgermeister eines Kneipp-Kurortes bin ich außerdem leidenschaftlicher Kneipp-Anhänger.

TK: Und zum Schluss noch etwas Persönliches …

Holetschek: Die Corona-Pandemie zeigt uns ganz deutlich, dass niemand alleine die Krise bestehen kann. Deswegen gewinnen Werte wie Solidarität und Zusammenhalt wieder mehr an Bedeutung, und das begrüße ich ausdrücklich. Das "Ich" muss noch stärker wieder zum "Wir" werden, dann kommen wir gemeinsam und mit vereinten Kräften durch diese Krise.