TK spezial: Welche Bedeutung hat für Sie die Gesundheitspolitik im Land?

Lars Harms, Spitzenkandidat des SSW zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Lars Harms

Harms: Die Gesundheitspolitik ist eines der wichtigsten Politikfelder überhaupt. Ohne Gesundheit ist alles nichts. Leider sind - nicht zuletzt durch massive Privatisierungen - viele Entscheidungen längst ausgelagert worden. So kann Politik oft nur eingeschränkt und indirekt Einfluss nehmen.


Mir ist vor allem Vorsorge wichtig - dass wir nicht immer nur darauf schauen, wie wir Krankheiten und Schäden heilen, sondern insbesondere auch darauf, wie wir sie verhindern können. Da ist in Deutschland noch viel Luft nach oben.

TK spezial: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Herausforderungen für das Schleswig-Holsteinische Gesundheitswesen?

Harms: Es wird zunehmend schwer, die flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Hierzu haben insbesondere die Privatisierungen der Krankenhäuser in den letzten Jahrzehnten beigetragen. Die Quittung sind Arbeitsverdichtung, Kliniksterben und der Abbau unrentabler Gesundheitsleistungen.


Beschleunigt wurde der Prozess durch das zur Kosteneindämmung eingeführte Fallpauschalen-System (G-DRG), bei dem Schleswig-Holstein gleich zweimal den Kürzeren zieht. Zum einen wird Schleswig-Holstein beim Landesbasisfallwert benachteiligt: Ein Beinbruch in Kiel ist schlicht weniger Wert als in Düsseldorf.


Außerdem: Schleswig-Holstein ist ein verhältnismäßig schwach besiedeltes Flächenland - entsprechend niedrig sind die Fallzahlen der Krankenhäuser. Da Behandlungen pro Fall vergütet werden, befinden sich die Landkliniken im permanenten Überlebenskampf.
In diesem Überlebenskampf kann das Land so gut wie gar nicht eingreifen. Die einzigen Möglichkeiten, die wir haben, sind die Zuschüsse für Investitionen durch das Land. Hier kann ein wenig Entlastung geschaffen werden. Das Land Schleswig-Holstein hat hier in den letzten Jahren auch die Zuschuss-Summen erhöht. Hier wollen wir weiter dran bleiben.

TK spezial: Welche gesundheitspolitischen Schritte werden Sie nach einer erfolgreichen Landtagswahl als Erstes in Angriff nehmen?

Harms: Wir wollen die Kliniken weiterhin bei ihren Investitionen unterstützen und dort, wo es möglich ist, auch die Träger bei der Einrichtung von medizinischen Versorgungszentren im ländlichen Raum unterstützen.

TK spezial: Welchen Ansatz verfolgen Sie, um die Krankenhauslandschaft in Schleswig-Holstein nachhaltig zu gestalten? Ist der Einsatz der im Krankenhausstrukturfonds für Schleswig-Holstein bereitgestellten Mittel dafür geeignet?

Harms: Unser wichtigstes Ziel ist es, die Gesundheitsversorgung überhaupt in der Fläche aufrecht zu halten. Im ländlichen Raum müssen deshalb alle notwendigen medizinischen Leistungen erbracht werden können. Wer als Krankenhausträger ein Leistungspaket übernimmt, muss auch ein Leistungspaket liefern. Deshalb müssen Versorgungsaufträge endlich verbindlich werden. Hier ist der Bund in der Pflicht, die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.


Um die Hebammen zu entlasten gibt von unserer Seite zwei Vorschläge: Wir brauchen entweder einen bundesweiten Versicherungsfonds zur Deckelung der Versicherungsbeiträge, oder der Bund nimmt sich ein Vorbild an Dänemark und übernimmt selbst die Berufshaftpflicht. An beiden Lösungen wären aus unserer Sicht auch die Krankenkassen zu beteiligen. Der SSW hat Anfang dieser Legislaturperiode eine Bundesratsinitiative auf den Weg gebracht, in der wir den Bund aufforderten, beide Vorschläge zu prüfen. Der Antrag wurde von allen 16 Bundesländern einstimmig verabschiedet.
Beim Landesbasisfallwert hat die rot-grün-blaue Koalition eine leichte Verbesserung für Schleswig-Holstein erreichen können. Zufrieden bin ich aber erst, wenn wir volle Gleichstellung haben.

TK spezial: Die Digitalisierung in der Medizin schreitet unaufhaltsam voran. Welche Möglichkeiten und Notwendigkeiten sehen Sie in Schleswig-Holstein?

Harms: Wir werden verstärkt innovative Technik wie etwa Telemedizin einsetzen. Voraussetzung ist allerdings, dass dann auch an den Klinikstandorten eine ausreichende Breitbandverbindung möglich ist. Hierfür müssen die Netze weiter ausgebaut werden. Daran wollen wir im Rahmen unserer Breitbandstrategie weiter arbeiten.

TK spezial: Wenn Sie einen Wunsch beim Bundesgesundheitsminister frei hätten, welchen sollte dieser erfüllen?

Harms: Dass er unseren Vorschlag für einen staatlichen Hebammen-Versicherungsfonds umsetzt.

Zur Person

Lars Harms (52) ist in Husum geboren und aufgewachsen. Nach der Fachhochschulreife und anschließendem Wehrdienst studierte Harms in Kiel und Koblenz zum Diplom-Betriebswirt. Bis zu seinem Einzug in den Landtag im Jahr 2000 leitete er die Touristinformation in Heide. Seit Juni 2012 führt Harms den aus insgesamt drei Abgeordneten bestehenden SSW im Landtag an. Er ist zudem parlamentarischer Geschäftsführer seiner Landtagsgruppe. Harms hat sechs Kinder und lebt mit seiner Lebensgefährtin Husum.