TK: Wie haben Sie persönlich und auch politisch die Corona-Situation empfunden? Welche Lehren/Konsequenzen müssen für die Zukunft gezogen werden?

Rudolf Henke: Die Gesundheitspolitik war und ist stärker gefordert und länger im Mittelpunkt als jemals zuvor. Da ich in der CDU/CSU-Fraktion für Infektionskrankheiten zuständig bin, begann mit dem Ausbruch der Pandemie eine intensive Zeit mit vielen digitalen Sitzungen. Parallel liefen natürlich die reguläre Gesetzgebung und das Einleiten von ersten Reformschritten weiter. Eine generelle Lehre besteht für mich darin, dass wir sowohl auf EU-Ebene als auch im Bund-Länder-Austausch eine neue Vorbereitung auf Gesundheitsnotfälle brauchen. Unser Gesundheitssystem muss deutlich mehr auf Daseinsvorsorge und intersektorale Vernetzung ausgerichtet sein. Der Umbruch im öffentlichen Gesundheitsdienst ist mit Unterstützung des Bundes eingeleitet, verlangt aber weiterhin höchste Aufmerksamkeit. Zur Lösung bei der Finanzierung der Krankenhausversorgung gehört auf jeden Fall eine Antwort auf die Vorhalteproblematik. Vorhaltung zu finanzieren darf nicht zu einer fragwürdigen Steigerung der Fallzahlen führen.

Rudolf Henke

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Bundestagsabgeordneter der CDU, Vorsitzender Parlamentarisches Begleitgremium Covid-19-Pandemie

TK: Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist mit Corona beschleunigt unterwegs. Was sind die großen Digitalen Herausforderungen für die zukünftige Gesundheitspolitik?

Henke: Die aktuelle Wahlperiode hat den digitalen Versorgungsalltag mit ePA, E-Rezept und Co. in die Startlöcher gebracht. Die größte Herausforderung besteht jetzt darin, bei allen Akzeptanz und Vertrauen zu fördern und einen Mehrwert für die individuelle Behandlung oder Pflege zu erzielen. Wir brauchen einen guten Einklang von elektronischen Nutzungschancen und Patientensouveränität durch Datenschutz. Mir ist besonders wichtig, sprechende Medizin und menschliche Empathie als Grundlage aller digitalen Erleichterungen beizubehalten. Jetzt geht es darum, die neuen technischen Möglichkeiten im Alltag mit Leben zu füllen. Zum Beispiel wird es ab dem 1. Januar 2022 den regulären Impfpass als Teil der ePA geben. „Deutschland sucht den Impfpass“ ist dann technisch veraltet, braucht aber noch einen Kulturwandel! Übrigens ist es ein Nachdenken wert, dass die neuen digitalen Instrumente nicht so verstanden werden, als ließe sich der einzelne Mensch wie ein Avatar elektronisch abbilden. Wir sind keine Programme aus der Matrix und wollen auch keine werden.

TK: Im September treten Sie wieder bei der Wahl an. Was möchten Sie in den nächsten vier Jahren gesundheitspolitisch ändern?

Antwort von Rudolf Henke

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