TK spezial: Welche Bedeutung hat für Sie die Gesundheitspolitik im Land?

Monika Heinold, Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Monika Heinold (Fotograf: Dominik Butzmann)

Heinold: Gesundheitspolitik ist für uns Grüne eines der entscheidenden Schlüsselthemen unseres Landes. Besonders wichtig ist uns dabei, einen gleichberechtigten Zugang zu Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sicherzustellen. Ein gut aufgestellter Gesundheitssektor ist eine große Chance für die weitere Entwicklung unseres Landes und bietet viele Arbeitsplätze mit einer guten Perspektive.

TK spezial: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Herausforderungen für das Schleswig-Holsteinische Gesundheitswesen?

Heinold: Wir müssen gewährlisten, dass es eine gute medizinische Versorgung für jede Schleswig-Holsteinerin und jeden Schleswig-Holsteiner gibt. Gerade im ländlichen Raum kann das zur Herausforderung werden. Uns ist zudem wichtig, dass die ambulante und stationäre Versorgung enger verzahnt und die sektorenübergreifende medizinische Versorgung verbessert wird. Eine weitere Herausforderung ist der Fachkräftemangel.

TK spezial: Welche gesundheitspolitischen Schritte werden Sie nach einer erfolgreichen Landtagswahl als Erstes in Angriff nehmen?

Heinold: Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den anderen Bundesländern durch einen "Hochschulpakt Medizin" bundesweit 1000 neue Medizinstudienplätze zu schaffen. Dies ist besonders für die Sicherung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum wichtig, weil viele der hier tätigen Hausärzte und Hausärztinnen in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen werden.

Unsere weiteren Ziele sind ein bundesweit einheitlicher Personalschlüssel für die Pflege, die Ausbildungskapazitäten in der Pflege bedarfsgerecht auszubauen und Modellprojekte zur Sicherung der Pflege in den Kommunen auf den Weg zu bringen.

TK spezial: Welchen Ansatz verfolgen Sie, um die Krankenhauslandschaft in Schleswig-Holstein nachhaltig zu gestalten? Ist der Einsatz der im Krankenhausstrukturfonds für Schleswig-Holstein bereitgestellten Mittel dafür geeignet?

Heinold: Wir Grüne wollen alle gesetzlichen Regelungen zur Planung und Finanzierung der Krankenhäuser in einem Landeskrankenhausgesetz zusammenfassen. Investitionen in den Krankenhausbau werden wir bedarfsgerecht umsetzen. Der Abbau des Sanierungsstaus in den Krankenhäusern ist ein Schwerpunkt bei der Sicherung der sozialen Infrastruktur. Die finanziellen Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds können hierbei unterstützend eingesetzt werden. Den von uns eingeschlagenen Weg werden wir weiter verfolgen, so können wir die Versorgung in ganz Schleswig-Holstein sichern. Auf Bundesebene setzen wir uns weiterhin für einen bundesweit einheitlichen Basisfallwert ein, um eine gerechte und angemessene Finanzierung der Krankenhausbehandlung in Schleswig-Holstein zu erreichen.

TK spezial: Die Digitalisierung in der Medizin schreitet unaufhaltsam voran. Welche Möglichkeiten und Notwendigkeiten sehen Sie in Schleswig-Holstein?

Heinold: Wir möchten die Chancen der Digitalisierung nutzen. Die Digitalisierung soll uns helfen, alten Herausforderungen durch neue Technologien besser begegnen zu können. Telemedizin ist eine Möglichkeit, die wir nutzen wollen. Durch die Telemedizin können zum Beispiel Blutdruck- oder Blutzuckerwerte elektronisch übermittelt werden. Wichtig ist aus unserer Sicht jedoch: Kein Computer kann das wichtige Vertrauensverhältnis und die Expertise der Ärztinnen und Ärzte vor Ort ersetzen!

TK spezial: Wenn Sie einen Wunsch beim Bundesgesundheitsminister frei hätten, welchen sollte dieser erfüllen?

Heinold: Ein Sofortprogramm für die Sicherung der medizinischen und pflegerischen Versorgung. Für dieses Maßnahmenpaket wünsche ich mir alles, was die

Versorgung der Patienten verbessern würde: Gleiche Bezahlung für Schleswig-Holsteins Krankenhäuser (einheitlicher Basisfallwert), Absicherung der Kliniken im ländlichen Raum durch eine Basisfinanzierung, ein bundesweites Sofortprogramm für die Unikliniken, Unterstützung für die Hebammen (etwa bei der Haftpflichtversicherung), Übernahme der Ausbildungskosten für Fachkräfte (Physio-, ErgotherapeutenInnen und andere), Personalmindeststandards für die Pflege und alle im Gesundheitswesen tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Zur Person

"Ich bin 1958 in Gütersloh geboren und in Hamburg und Schleswig-Holstein groß geworden. Als Erzieherin habe ich in unterschiedlichen sozialpädagogischen Einrichtungen gearbeitet. Es folge eine einjährige Weltreise und die Geburt meiner beiden Söhne. Bevor ich 1996 Landtagsabgeordnete wurde engagierte ich mich für die GRÜNEN im Segeberger Kreistag und war 10 Jahre Vorsitzenden des Vereins für Jungend- und Kulturarbeit im Kreis Segeberg. Im Schleswig-Holsteinischen Landtag war ich u.a. Parlamentarische Geschäftsführerin und stellv. Vorsitzende des Finanzausschusses. Seit 2012 bin ich Finanzministerin von Schleswig-Holstein, im Januar 2017 wurde ich zur GRÜNEN Spitzenkandidatin für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein gewählt."