Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
TK: Frau Grimm-Benne, wie gesund und zukunftsfest ist die Krankenhauslandschaft Sachsen-Anhalts?

Petra Grimm-Benne: Eine bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung mit leistungsfähigen, eigenverantwortlich wirtschaftenden Krankenhäusern ist gewährleistet. Mit der Novellierung des Krankenhausgesetzes sind richtige und wichtige Weichen gestellt worden. Der neue Rahmenplan wird darauf aufbauen. 
 
TK: Statt Krankenhäuser zu schließen, sollen sie laut aktuellem Krankenhausgesetz enger und effizienter zusammenarbeiten. Wie beurteilen Sie dies mit Blick auf den bestehenden Wettbewerb?

Grimm-Benne: Wir müssen darüber diskutieren, wie die Häuser ihre Profile schärfen und Ressourcen bündeln können. Nicht jedes Krankenhaus muss alles können und anbieten. Bestimmte Leistungen sollen nur da erbracht werden, wo besondere medizinische Expertise vorliegt. Schon heute stimmen Patienten mit den Füßen ab. Sie wählen genau jenes Krankenhaus, das bei planbaren Eingriffen besonders gut aber womöglich weiter entfernt ist. Kooperationen werden zunehmend wichtiger. Zudem wird Fachpersonal immer knapper und ist nicht überall vorzuhalten. Damit wird sich der Trend der Zusammenarbeit weiter verstärken.
 
TK: Ist der Krankenhausstrukturfonds ein geeignetes Mittel, um die Weichen für die Zukunft zu stellen?

Grimm-Benne: Ja! Mittel des Krankenhausstrukturfonds dürfen nicht mit der Gießkanne verteilt werden. Wir müssen unsere Maßnahmen stärker ausrichten auf ambulante Behandlungen, eine stärkere Verzahnung von stationär und ambulant sowie auf den Einsatz von eHealth und Technik. Für Sachsen-Anhalt stehen in den Jahren 2019 bis 2022 jährlich über 26 Mio. Euro für die Förderzwecke des Krankenhausstrukturfonds zur Verfügung.

 TK: Welche Erwartung haben Sie an die neuen Leistungs- und Qualitätsvereinbarungen, die die Krankenkassen mit den Kliniken abschließen?

Grimm-Benne: Die neuen Leistungs- und Qualitätsvereinbarungen müssen Versorgungsstrukturen regionalspezifisch ausgestalten. Sie müssen einer städtischen als auch ländlichen Struktur und den Besonderheiten unseres Bundeslandes folgen. Sie sollen Kriterien wie Qualität, Bedarfsgerechtigkeit und Leistungsfähigkeit sowie Sicherstellung einer möglichst flächendeckenden Versorgung berücksichtigen. Dabei muss es nicht immer die stationäre Versorgung sein, sondern differenziertere, innovative und bedarfsgerechte Strukturen. 
 
TK: Welche Rolle werden die Themen Digitalisierung, Telemedizin und Telekonsil künftig in der flächendeckenden Krankenhausversorgung spielen?

Grimm-Benne: Die hohen Digitalisierungspotenziale sind nur in Ansätzen ausgeschöpft. Bislang betrifft es nur Teilbereiche wie Qualitäts- und Patientenmanagement, nicht aber die Kernprozesse der Kliniken. Doch Programme zur Assistenz oder zum computergestützten Operieren sind auf dem Vormarsch. Ich sehe in der Digitalisierung ein zukunftsweisendes Instrument für die Verbesserung der Qualität und Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser.

Zur Person

Petra Grimm-Benne ist seit 2016 Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt. Davor gehörte die Fachanwältin für Verwaltungsrecht dem Landtag von Sachsen-Anhalt seit 2002 an. Neben der Arbeit in der Landesregierung ist die 1988 in die SPD eingetretene zweifache Mutter auch leidenschaftliche Kommunalpolitikerin im Schönebecker Stadtrat und Kreistag des Salzlandkreises. Darüber hinaus engagiert sie sich unter anderem als Vorsitzende des Fördervereins der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, als Mitglied der Landessynode der Evangelischen Landeskirche Mitteldeutschland und als Stiftungsratsvorsitzende der Gemeinschaftsstiftung der AWO Sachsen-Anhalt.