TK spezial: Welche Bedeutung hat für Sie die Gesundheitspolitik im Land?

Torsten Albig, Spitzenkandidat der SPD zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Torsten Albig

Albig: Gesundheit ist für jeden von uns mit das Wichtigste im Leben. Wenn wir einmal krank sind, tritt alles andere in den Hintergrund. Gesundheit ermöglicht uns nicht nur ein erfolgreiches und glückliches Leben. Sie sorgt letztlich auch für das Gelingen des Miteinanders in unserer Gesellschaft. Mir ist wichtig, dass wir allen Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteinern unabhängig von Einkommen, Wohnort oder Alter Zugang zu einer optimalen medizinischen Versorgung ermöglichen. Daran arbeiten wir – gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen im Bund. Und mein Eindruck ist, wir haben schon sehr viel erreicht.

TK spezial: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Herausforderungen für das Schleswig-Holsteinische Gesundheitswesen?

Albig: Schleswig-Holstein ist einzigartig mit seinen Städten, weitläufigen Landstrichen und der Inselwelt. Die wichtigste Herausforderung ist, überall im Land die bestmögliche Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, gerade auch, wenn es schnell gehen muss. Qualität und Wohnortnähe sind die zentralen Kriterien.

TK spezial: Welche gesundheitspolitischen Schritte werden Sie nach einer erfolgreichen Landtagswahl als Erstes in Angriff nehmen?

Albig: Wir wollen unseren bisherigen Kurs fortsetzen. Wir haben zum Beispiel die Allgemeinmedizin am Hochschulstandort Lübeck gestärkt, mit der dringend nötigen umfassenden Sanierung unserer Kliniken begonnen, die Prävention vorangetrieben und ein anonymes medizinisches Versorgungssystem für Menschen eingeführt, die vor Krieg und Verfolgung zu uns geflüchtet sind. Als nächstes gilt zu schauen, wie wir die Allgemeinmedizin für junge Ärztinnen und Ärzte insbesondere auf dem Land attraktiver gestalten und Ansätze der Telemedizin sinnvoll weiterverfolgen können.

TK spezial: Welchen Ansatz verfolgen Sie, um die Krankenhauslandschaft in Schleswig-Holstein nachhaltig zu gestalten? Ist der Einsatz der im Krankenhausstrukturfonds für Schleswig-Holstein bereitgestellten Mittel dafür geeignet?

Albig: Wir haben seit Beginn dieses Jahres einen neuen Krankenhausplan, der die Grundlage für Planungen darstellt und Qualitätsvorgaben formuliert. Dieser Plan wird fortgeschrieben. Aber wir möchten ein Landeskrankenhausgesetz auf den Weg bringen. Durch gezieltere Regelungen können wir die stationäre Versorgung noch weiter verbessern. In den kommenden Jahren werden wir durch Gelder aus dem Krankenhaustrukturfonds hohe Summen für Umbau und Modernisierung der Krankenhäuser im Land mobilisieren. Damit wird die stationäre Versorgungsstruktur zukunftsfest ausgerichtet.

TK spezial: Die Digitalisierung in der Medizin schreitet unaufhaltsam voran. Welche Möglichkeiten und Notwendigkeiten sehen Sie in Schleswig-Holstein?

Albig: In einem Flächenland wie Schleswig-Holstein, das zudem Verantwortung für Inseln und Halligen in Nord- und Ostsee trägt, ist die Entwicklung der Telemedizin eine wichtige Innovation und bietet große Chancen für die Versorgung vor allem im ländlichen Raum. Wir wollen in diesem Bereich im nächsten Jahr bundesweit Vorreiter werden. Dazu müssen wir einige Vorgaben in der Berufsordnung für Ärzte ändern und Gespräche mit der Ärztekammer führen.

Denn die Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner in kleinen Dörfern, in denen kein Hausarzt, geschweige denn ein Krankenhaus in der Nähe ist, sollen keinen zusätzlichen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sein. Durch Telemedizin können Patienten die beste medizinische Versorgung erhalten, weil die Diagnose immer von einem Facharzt gestellt werden kann und es nicht auf darauf ankommt, welcher Facharzt im Falle eines akuten Problems erreichbar ist oder eben auch nicht.

Schleswig-Holstein hat im Bereich Digitalisierung im Gesundheitswesen übrigens auch viel Knowhow. An der Fachhochschule Flensburg ist eHealth schon lange Thema und der globale Netzwerktechnologie-Gigant Cisco kooperiert mit der Uni Lübeck in diesem Fragen.

TK spezial: Wenn Sie einen Wunsch beim Bundesgesundheitsminister frei hätten, welchen sollte dieser erfüllen?

Albig: Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich endlich die Zwei-Klassen-Medizin abschaffen und eine paritätisch finanzierte Bürgerversicherung einführen. Alle sollten die gleiche gute medizinische Versorgung erhalten – unabhängig von Krankenkasse und Geldbeutel. Darüber hinaus sollen alle Menschen krankenversichert sein.

Zur Person

Geboren 1963 in Bremen, aufgewachsen in Ostholstein, ab 1977 in Nordrhein-Westfalen, Abitur und Jurastudium in Bielefeld. Seit 1982 ist er Mitglied der SPD. 1992 kehrte Torsten Albig dann als Jurist nach Schleswig-Holstein zurück. Berufliche Erfahrungen sammelte er in der Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltung ebenso wie in der privaten Wirtschaft. Torsten Albig war u.a. Stadtrat für Finanzen, Ordnung und Kultur und ab 2009 direktgewählter Oberbürgermeister der Stadt Kiel. Seit 2012 ist er Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein.