TK: Die Hessische Krankenhausgesellschaft (HKG) kritisiert in ihrem kürzlich vorgestellten Positionspapier, dass die Investitionskostenpauschalen in den vergangenen zwei Jahren nur aufgrund diverser Corona-Sonderförderungen auskömmlich waren. Im kommenden Jahr rechnet die HKG wieder mit einem Finanzierungsdefizit von 140 Millionen Euro. Mit wie viel Geld können die Kliniken ab 2022 rechnen?

Kai Klose: Im Entwurf für das Haushaltsjahr 2022 sind 300,45 Millionen Euro für die Pauschalförderung der hessischen Krankenhäuser vorgesehen. Hinzu kommen 6 Millionen Euro für Mietförderung sowie 12 Millionen Euro aus einem bereits laufenden Darlehensprogramm. In den kommenden zwei Jahren wird sich das Land zudem mit 48 Millionen Euro an der Förderung der Krankenhäuser aus dem Krankenhauszukunftsfonds des Bundes beteiligen.

Kai Klose

Portrait von Hessens Sozialminister Kai Klose Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Hessischer Minister für Soziales und Integration

TK: Mit dem Krankenhauszukunftsfonds wollen Bund und Länder die Digitalisierung in den Kliniken fördern. Ist eine finanzielle Förderung einzelner Häuser tatsächlich der geeignete Weg? Und welche Erwartungen in Bezug auf die Digitalisierung haben Sie an die hessischen Krankenhäuser? 

Klose: Die über 500 Bedarfsanmeldungen hessischer Krankenhäuser zum Krankenhauszukunftsfonds verdeutlichen uns einen erheblichen Förder- und Investitionsbedarf im Bereich der Digitalisierung. Vor allem wird die digitale Vernetzung der Krankenhäuser untereinander sowie mit allen an der Behandlung von Patientinnen und Patienten beteiligten Akteuren weiter an Bedeutung gewinnen.

TK: Was ist aus Ihrer Sicht der richtige Weg, um beim Thema sektorenübergreifende Bedarfsplanung endlich einen deutlichen Schritt nach vorne zu kommen?

Klose: Die sektorenübergreifende Zusammenarbeit hat in der Pandemie große Fortschritte gemacht. Inzwischen gibt es einen engen und regelmäßigen Austausch zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, öffentlichem Gesundheitsdienst und dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration.

Diesen Geist der Zusammenarbeit wollen wir mit in die Zukunft nehmen. Daher arbeiten wir im Moment mit hoher Priorität an der Aktualisierung des Geriatrie-und des Onkologiekonzeptes. Beide Konzepte haben sich sehr bewährt; sie verbinden die Versorgung sowohl mit Blick auf die stationären als auch auf die ambulanten Leistungen stärker. Damit bringen wir das sektorenübergreifende Denken auch in diesen wichtigen Fachgebieten voran.

TK: Was halten Sie vom Vorschlag der Hessischen Krankenhausgesellschaft, unrentable Kliniken in Gesundheitszentren umzuwandeln? 

Klose: Im Fokus des Ministeriums steht die Sicherstellung einer guten gesundheitlichen Versorgung. Die meisten Krankenhäuser sind unabdingbar für die Versorgung der Bevölkerung und müssen erhalten werden. In diesen Fällen werden Sicherstellungszuschläge gezahlt, um diese Standorte zu erhalten. Wenn ein Standort für die gesundheitliche Versorgung nicht notwendig ist, kann die Transformation in ein Gesundheitszentrum in einigen Fällen eine gute Maßnahme sein, um ein Angebot der Gesundheitsversorgung aufrecht zu erhalten.

TK: In Nordrhein-Westfalen wird aktuell diskutiert, die Krankenhausplanung auf neue Beine zu stellen. Das Land möchte von einer reinen Bettenplanung wegkommen und eine Planung nach Leistungsgruppen etablieren. Ob ein Krankenhaus den Zuschlag für die Erbringung bestimmter Leistungen erhält, soll dabei auch von der Erfüllung bestimmter Qualitätsanforderungen abhängig gemacht werden. Klingt nach einem interessanten Konzept. Wäre dies auch für Hessen denkbar?

Klose: Wir verfolgen mit unseren Fachkonzepten einen inhaltlich vergleichbaren Weg, die Anforderungen an eine gute Versorgung, zum Beispiel in der Geriatrie, zu definieren. Unser Ansatz geht sogar ein Stück weiter und legt einen Qualitätsrahmen für alle Krankenhäuser, nicht nur für Zentren, fest. Grundsätzlich hat die Pandemie aber gezeigt, dass die Krankenhausplanung künftig detailtiefer erfolgen muss.

Zur Person:

Kai Klose ist seit 18. Januar 2019 Hessischer Minister für Soziales und Integration. Von Oktober 2017 bis Januar 2019 war er Staatssekretär und Bevollmächtigter für Integration und Antidiskriminierung im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration. Der Idsteiner ist von Beruf Lehrer und war von 2009 bis 2017 Mitglied des Hessischen Landtages, was er nun wieder ist.