Die Enquete-Kommission "Sicherstellung der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung in Niedersachsen - für eine qualitativ hochwertige und wohnortnahe medizinische Versorgung" hat im März einen umfangreichen Bericht vorgelegt und dem Landtagspräsidium übergeben. Mit dem Bericht ist den Mitgliedern der Enquete gelungen, was wohl beim Start der Kommission niemand für möglich gehalten hätte. Es liegt ein umfangreicher, fachlich fundierter Katalog von Ideen vor, mit deren Umsetzung die Strukturen in Niedersachsens Gesundheitssystem nachhaltig verbessert werden können. Selten ist es jüngst gelungen, die partei- und verbandspolitischen Grenzen so zu "bezwingen", um dem vielbeschworenen Motto "Patient first" gerecht zu werden. Dafür gebührt allen Mitgliedern der Enquete-Kommission Respekt!

Der zentrale Ansatzpunkt bleibt der niedersächsische Kliniksektor. Der Bericht lenkt den Blick auf das Kernproblem: Eine bloße Fortschreibung der Krankenhausplanung führt zu Fehlentwicklungen. Weder Investitionen, noch Behandlungsangebote mit zeitgemäßer Qualität können so bedarfsgerecht entwickelt werden. Auch der Personaleinsatz wird zwangsläufig fehlgesteuert. Deshalb ist es von vordringlicher Bedeutung, die Krankenhausplanung gesetzlich neu zu regeln und am Bedarf neu auszurichten. Dies sollte noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden. In der Umsetzung ist der Leitgedanke ebenso richtig, Standorte sektorenübergreifend weiterzuentwickeln. Es kann nicht um bloßen Abbau von Strukturen gehen. Im Fokus müssen die Entwicklung regional passender Versorgungsangebote und die Qualität der erbrachten Leistungen stehen. Die Bildung von regionalen Gesundheitszentren kann dabei ein guter Ansatz sein, der aber noch sorgfältig konzeptioniert werden muss. 

Dirk Engel­mann

Dirk Engelmann, Leiter TK-Landesvertretung Niedersachsen Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiter TK-Landesvertretung Niedersachsen

Dass der Bericht einen weiteren Schwerpunkt auf die Digitalisierung legt, ist folgerichtig. Eine nachhaltige, zukunftsfähige Entwicklung des Gesundheitssystems kann nur mit umfassender Digitalisierung einhergehen. Der Bericht legt den Finger in die Wunde: Digitalisierung krankt an mangelnder Infrastruktur, Akzeptanz und auch an mangelnder Veränderungsbereitschaft. Die Folgen können wir in der Corona-Krise aufs Deutlichste beobachten. Wichtige Teile der Daseinsvorsorge sind nicht adäquat reaktions- und handlungsfähig. Hier müssen wir aus der Pandemie die richtigen Lehren ziehen. Digitalisierung im Gesundheitssystem ist auch die Schaffung von Dateninfrastruktur. Hier haben wir in der Legislaturperiode allerdings aufgeholt. Aufgabe für die Leistungserbringerinnen und Leistungserbringer ist es, die Instrumente, wie ePA, e-Rezept oder TI-Lösungen zur Vernetzung in der Behandlung konsequent einzusetzen. Dass es geht, zeigt der Boom digitaler Sprechstunden in der Pandemie! Als TK gehen wir den Weg der konsequenten Digitalisierung des Gesundheitssystems weiter und bieten den Versicherten moderne digitale Lösungen an.

In einer Zeit, wo Politik und öffentliche Verwaltung stark unter Druck geraten sind, ist der Bericht der Enquete ein wichtiges Signal, dass unsere demokratischen Institutionen leistungsfähig sind und im Konsens nachhaltige Ergebnisse schaffen können. Gerade diesen Zeiten bietet der Bericht eine willkommene Zukunftsperspektive, auch weil er die richtigen Lehren aus der Pandemie für das Gesundheitssystem formuliert. Umso wichtiger ist es, die Chancen zur Umsetzung konsequent zu nutzen.