Ein sehr intensives Jahr liegt hinter uns. Die Pandemie hat uns allen viel abverlangt - privat und beruflich. Das wird auch noch weit in das Jahr 2021 so sein.  

Mehrere Impfstoffe werden aktuell entwickelt und stehen teils kurz vor der Zulassung. Die Vorbereitungen zum Betreib der Impfzentren laufen auf Hochtouren. Das macht Hoffnung auf eine langsame Rückkehr zur Normalität. Dennoch müssen wir weiterhin sehr vorsichtig sein und uns weiter an die gebotenen Vorsichtsmaßnahmen halten. Das Virus ist nicht plötzlich weg nur weil es einen Impfstoff gibt! 

Viel gelernt haben wir über die Leistungsfähigkeit und Flexibilität unseres Gesundheitssystems, das sich erfolgreich gegen die Pandemie gestemmt hat. In Schleswig-Holstein haben wir davon profitiert, dass die Zusammenarbeit schon vor Ausbruch des Coronavirus sehr gut funktioniert hat. Da wo es erforderlich war, haben wir Lösungen geschaffen, um diese besondere Situation bestmöglich zu meistern.
Wie ist das also mit den Lessons Learned und den guten Vorsätzen für das Jahr 2021? 

Sören Schmidt-Boden­stein

Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein

Das hilft: Transparenz und Vernetzung

Wir haben Neuland betreten, wohin man sieht: Im Krankenhausbereich mit dem  Cluster für die Behandlung schwererkrankter Covid-19-Patienten. Und mit der Pflicht zur Meldung freier Intensivkapazitäten an das DIVI haben wir den Sinn funktionierender digitaler Register erlebt. Der nächste Schritt ist ante portas: Die koordinierte Steuerung und Verlegung von Patienten über die Landesgrenzen hinaus nach dem Kleeblatt-Konzept - übrigens maßgeblich mitentwickelt vom Institut für Rettungsdienst und Notfallmedizin in Kiel. Das ist ein gutes Beispiel, wie eine im ersten Schritt erreichte Transparenz im zweiten Schritt zu neuen Versorgungskonzepten führt.

In 2021 wird es darum gehen, diese Erfahrungen auch auf andere Versorgungsbereiche zu übertragen - etwa bei der Weiterentwicklung der Notfallversorgung insgesamt. Hier müssen wir im Norden weiter Spitze bleiben. In Nordrhein-Westfalen werden gerade ermutigende Erfahrungen zum Thema "virtuelles Krankenhaus" gesammelt. Da geht es nicht nur um die Vernetzung im stationären Bereich, sondern auch um die Einbeziehung der ambulanten Versorgung in neue Formen der Zusammenarbeit. Das sollten wir uns näher anschauen.

Positive Erfahrungen dauerhaft nutzen

Stichwort niedergelassener Bereich: So viel Veränderung in der Praxis innerhalb eines Jahres  gab es selten - teilweise auch ein Hin und Her. Da wird zuerst ermöglicht, Video-Sprechstunden bei überschaubaren Krankheitssituationen auch für die Krankschreibung und die Verordnung von Arzneimitteln zu nutzen. Die Erfahrungen sind insgesamt positiv. Dann wird dieses Instrument von der Bundesebene  zwischenzeitig wieder auf Eis gelegt, als die Infektionszahlen sich stabilisieren. Gut, dass es jetzt wieder für Ärzte möglich ist, Video-Sprechstunden in vollem Umfang flexibel zu nutzen. Gelernt haben wir doch, dass die Ärzte (und auch die Psychotherapeuten) das Instrument verantwortungsvoll und passgenau einsetzen. Und auch die Patienten die neue Flexibilität zu schätzen wissen.

Ohne Digitalisierung geht es nicht!

2020 hat gezeigt: Je eher wir im Gesundheitssystem das Thema Digitalisierung mit aller Kraft nach vorne bringen, umso eher profitieren wir von einer besseren Zusammenarbeit aller Beteiligten und von den zumindest mittelfristigen Erleichterungen, die damit einhergehen. Haben wir wirklich noch die Ressourcen, dass qualifizierte Fachkräfte herumtelefonieren, um Befundergebnisse von anderen Kliniken oder Ärzten anzufordern, die dann gefaxt werden? 

Mit der elektronischen Patientenakte, dem E-Rezept und der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung stehen ab 2021 wichtige Projekte vor der flächendeckenden Einführung. Erfahrungen konnten wir hier im Norden mit der TK-DocApp sammeln. Ziel muss es sein, jetzt den Schritt in die Regelversorgung hinzukriegen. Schleswig-Holstein wird in besonderer Weise von diesen Initiativen profitieren: Bei uns stellen sich schließlich die Strukturherausforderungen einer Versorgung in der Fläche einschließlich der Inseln ganz anders dar als in vielen anderen Bundesländern.

Pflege: Nachhaltige Reformen endlich angehen

Und last but not least das vielleicht wichtigste Thema: die Pflege. Aus Sicht der Pflegebedürftigen entscheidet die Qualität der pflegerischen Versorgung maßgeblich darüber, mit wieviel Würde das Leben gestaltet werden kann. Vielleicht ist genau das der Kern, der den Pflegeberuf so wertvoll und potenziell erfüllend macht. 2020 war ein unbeschreiblich herausforderndes Jahr für alle Pflegekräfte.

Im kommenden Jahr wird es darum gehen, die Rahmenbedingungen in der Pflege nachhaltig zu verbessern. Drei Themen sehe ich: Die Finanzierung muss auskömmlicher und zukunftsfest geregelt werden. Neue Wege der Entlastung müssen endlich angegangen werden, etwa in Form von mehr digitaler Unterstützung. Und schließlich müssen die Arbeitsbedingungen attraktiver werden. Bei Letzterem geht es unter anderem auch darum, welche Kompetenzen in der Arbeitsteilung zwischen Ärzten, Praxismanagement und Pflegekräften man dem pflegerischen Bereich zumisst. Die aktuellen Diskussionen um neue Formen der primärärztlichen Versorgung in Schleswig-Holstein sind ein spannender Ansatz, der uns in 2021 beschäftigen wird.

Also: Es gibt genug Ansatzpunkte für die To-Do-Liste 2021 - und für die guten Vorsätze.

Das Wichtigste, was ich aus diesem Jahr für das kommende gelernt habe: Wir sind in ganz vielen Bereichen vom Denken und Reden ins gemeinsame Machen gekommen. Praktische Erfahrungen sind nun mal die Basis einer jeden Lernkurve. Und die war 2020 ganz schön steil. Für 2021 kann es deshalb aus meiner Sicht nur heißen: Weiter so!

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