Kiel, 22. April 2022. Laut einer Umfrage entscheiden sich 91 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein bei einer planbaren Operation für ein Krankenhaus, das umfassende Erfahrungen mit dem Eingriff hat, auch wenn es weiter vom Wohnort entfernt liegt. Nur neun Prozent würden die wohnortnahe, nichtspezialisierte Klinik wählen.  

"Den Menschen ist zunehmend wichtig, dass sie gut und sicher behandelt werden. Und sie sind bereit, dafür längere Wege in Kauf zu nehmen. Den Wunsch nach mehr Qualität sollten wir in der Krankenhausplanung berücksichtigen. Wir brauchen eine bedarfsorientierte und klare Zuordnung der Aufgaben für die einzelnen Kliniken im Land. Diese muss begleitet werden mit einer Finanzierungsreform der Krankenhausvergütung, die aus einem Mix von Fallpauschalen, Vorhaltekosten und Qualitätszuschlägen besteht", fordert Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein.  

Um ein Stimmungsbild zur Gesundheitspolitik und -versorgung in Schleswig-Holstein zu erhalten, hat die Techniker Krankenkasse (TK) im Januar 2022 eine repräsentative Forsa-Umfrage in Auftrag gegeben. Im Fokus standen auch die stationäre Versorgung und die Krankenhausstruktur im Norden. 

Behandlungsqualität schlägt Wohnortnähe beim Thema Krankenhaus. Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Mehr Qualität in der stationären Versorgung durch neue Strukturen 

Laut TK werden in Schleswig-Holstein zu viele Eingriffe in Krankenhäusern vorgenommen, die nicht über die ausreichende Qualifikation und Routine verfügen, wie sie in spezialisierten Kliniken vorhanden ist. Das führe laut Schmidt-Bodenstein dazu, dass etwa chirurgische Eingriffe an der Wirbelsäule zwar von vielen Krankenhäusern, jedoch oft nur in kleiner Zahl erbracht würden.    

Das Landeskrankenhausgesetz hält der Kassenchef für ein starkes Instrument, um die Qualität in der stationären Versorgung weiter zu steigern. "Es muss festgelegt werden, welches Krankenhaus in Schleswig-Holstein welche klar definierten Leistungen erbringen soll. Dazu gehört auch die Definition von strukturellen und personellen Voraussetzungen - genauso wie die Festlegung von Qualitätskriterien", so Schmidt-Bodenstein. Dann könne das Land Schleswig-Holstein im Rahmen einer Qualitätsstrategie zum Beispiel vorgeben, dass nur bestimmte Kliniken mit einer Neurochirurgie Eingriffe an der Wirbelsäule vornehmen dürfen.   

Neue Aufgaben für kleine Krankenhäuser erschließen

Insbesondere kleine Krankenhäuser in ländlichen Regionen sind - wenn es um spezialisierte Leistungen geht - oft weniger stark aufgestellt. Parallel wird es in bestimmten Regionen des Landes immer schwieriger, die ambulant-ärztliche Versorgung sicherzustellen, weil Arztpraxen keine Nachfolgerinnen oder Nachfolger finden.   

"Die Perspektive einer Neuausrichtung als regionales Gesundheitszentrum (RGZ) kann hier für kleinere Krankenhäuser die Chance bieten, sich stärker ambulant und vernetzt auszurichten", erläutert Schmidt-Bodenstein seinen Vorschlag. Diese Zentren könnten dann die 24-Stunden-Akut- und Notfallversorgung in Kooperation mit dem Rettungsdienst beinhalten und die ambulante Regelversorgung sowie die kurzstationäre Grundversorgung in den Bereichen Chirurgie und Innere Medizin sicherstellen. Eine telemedizinische Anbindung an Krankenhäuser höherer Versorgungsstufen würde diesen neuen Versorgungsansatz ergänzen.    

Hinweis für die Redaktion

Für die Trendbefragung Monitor Gesundheit SH  hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der TK im Januar 2022 500 Erwachsene in Schleswig-Holstein repräsentativ befragt. Die Vorschläge zur Ausrichtung der Gesundheitspolitik in Schleswig-Holstein hat die TK in einem Positionspapier zur Landtagswahl zusammengefasst.