Im Land Bremen ist es inzwischen gesetzlich geregelt, dass mindestens alle vier Jahre ein Landesgesundheitsbericht durch das Gesundheitsressort vorgelegt wird. Besagte Regelung kam nun erstmals zum Tragen, die letzte Veröffentlichung datiert auf das Jahr 2010. Der Bericht soll die wichtigsten gesundheitlichen Belange im Land aufgreifen, Problemfelder benennen und eine Basis für etwaige Maßnahmen bilden. Welche Ergebnisse der Bremer Landesgesundheitsbericht 2019 liefert, wollen wir an dieser Stelle kurz zusammenfassen.

Die Grundlagen

Die Basis für den Bericht bilden ausgewählte Gesundheitsdaten regionaler wie überregionaler Institutionen, zum Beispiel vom statistischen Landesamt, dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie oder der senatorischen Behörde selbst.

Zentrale demografische und soziale Indikatoren werden ebenfalls verwendet. Dabei hat, neben der allgemein steigenden Lebenserwartung der Bremer Bevölkerung, die hohe Anzahl an Hartz-IV-Empfängern und Arbeitslosen Folgen für die gesundheitliche Versorgung im Land.

Die Ergebnisse

Bremer Schulanfänger sind häufiger dick und haben schlechte Zähne: Bereits 12 Prozent der angehenden Erstklässler im Land sind übergewichtig oder adipös. Kinder aus Zuwandererfamilien oder aus sozial benachteiligten Stadtteilen sind dabei zwei- bis dreieinhalbmal häufiger betroffen. Ein noch größerer Teil  (15 Prozent) gilt als sogenanntes "Kariesrisikokind". Hier ist der Anteil in Bremerhaven mit mehr als 26 Prozent signifikant erhöht.

Bremerinnen und Bremer sterben früher: In Sachen Lebenserwartung befindet sich das Land Bremen hier auf dem zweitletzten Platz im Bundesvergleich (Frauen 82,4 Jahre; Männer 77,2 Jahre). Gerade die vorzeitige Sterblichkeit - damit ist der Tod vor dem 65. Lebensjahr gemeint - liegt bei Frauen wie Männern über dem Bundesdurchschnitt (2015 - 1330 Fälle). In der Stadtgemeinde Bremerhaven und in ärmeren Stadtteilen ist dieser Faktor zudem noch stärker ausgeprägt.

Zu viele Neugeborene sterben: Die Säuglingssterblichkeit im Land Bremen liegt seit Jahren über dem Bundesdurchschnitt. Auf 1000 Lebendgeborene kommen statistisch 4,9 Todesfälle. Die bundesweite Rate liegt bei einem deutlich niedrigeren Wert von 3,4.

Viele Raucher, viele Lungenkrebserkrankungen: Die Häufigkeit von Lungenkrebserkrankungen im kleinsten Stadtstaat sticht hervor. Naheliegend, denn der Raucheranteil ist im Bundesvergleich bei  Männern am dritthöchsten; die Frauen im Land Bremen rauchen bundesweit gar am meisten und mit zunehmender Tendenz. Die durch andere Krebsdiagnosen hervorgerufenen Todesfälle liegen ebenfalls über dem Bundesdurchschnitt.

Nicht alles ist schlecht: So liegt die Neuerkrankungsrate der häufigsten Infektionskrankheiten im Bundesvergleich deutlich unter dem Durchschnitt. Zudem treten HIV- oder Syphiliserkrankungen eher selten auf. Typisch für einen Stadtstaat ist auch die Tatsache, dass Übergewicht im Schnitt weniger Bremerinnen und Bremer betrifft.

Prävention als Gegenmaßnahme

Aus den Daten des aktuellen Bericht sowie vorheriger Ausgaben ergibt sich eindeutiger Handlungsbedarf. Hinsichtlich der Gesundheitschancen wurde mit dem 2015 verabschiedeten Präventionsgesetz, das auf „den Abbau von sozial bedingter und geschlechtsbezogener Ungleichheit“ zielt, ein erster Schritt getan. Bis jetzt wurden vier Leuchtturmprojekte umgesetzt. Darunter fallen beispielsweise die vom Land und den Krankenkassen (u. a. der TK) finanzierten Gesundheitsfachkräfte an zwölf Grundschulen. Dieses Projekt, als erstes gemeinsames Vorhaben aller Kassen im Land, soll die Gesundheitsförderung an besonders betroffenen Schulen stärken.

Fazit

Das Gesamtbild, welches der Landesgesundheitsbericht hervorruft, ist kein gutes. Auffällig ist die Tatsache, dass Bremen sehr häufig einen Platz im hinteren Bereich des Länderrankings belegt. Richtig ist, dass Indikatoren wie Lebenserwartung und Sterblichkeit keine aktuellen Bedingungen abbilden, sondern das Resultat vergangener Lebensumstände sind. Umso wichtiger ist die Umsetzung von Gegenmaßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt.

Gesundheitsriskantes Verhalten wie Rauchen und Alkoholkonsum müssen noch stärker angegangen werden. Ganz zentral ist die enge Verknüpfung der sozialen und gesundheitlichen Lage. Die bereits in Angriff genommenen Präventionsanstrengungen müssen weiter intensiviert werden. Ungleichheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und darf nicht zu schlechteren Gesundheitschancen Einzelner in der Gesellschaft führen. Mit der Umsetzung von Modellprojekten im Rahmen des Präventionsgesetzes  ist ein erster Schritt gemacht. Jetzt heißt es hier am Ball zu bleiben - wir als TK werden uns dabei weiterhin für eine bessere gesundheitliche Versorgung einbringen.