Die folgenden Themen sollten aus Sicht der TK auf der Agenda der zukünftigen Landesregierung stehen:

Die Digitalisierung weiter voranbringen

Digitalisierung ist ein wichtiger Schlüssel zur Lösung vieler Probleme in der gesundheitlichen Versorgung. Die schon bestehenden, vielfältigen digitalen Möglichkeiten sollten bei Problemen in der Versorgung immer als ein potenzieller Lösungsansatz Berücksichtigung finden. Insbesondere in Regionen mit einer geringen Ärztedichte können telemedizinische Anwendungen die Distanzen zwischen Arzt und Patient verringern, wenn etwa Routineuntersuchungen wie Blutzuckermessungen oder Krankenschreibungen mittels Fernbehandlung durchgeführt bzw. verschrieben werden. Dazu bedarf es nicht nur einer Aufhebung des Fernbehandlungsverbotes durch die Landesärztekammer, sondern es braucht auch ein konsequentes Einsetzen der daraus resultierenden Möglichkeiten.

Beim Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen ist es auch die Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen wie etwa ein hessenweites Netz der Breitbandversorgung zu schaffen oder neue digitale Anwendungen finanziell stärker zu fördern. Die Gründung des hessischen E-Health-Kompetenzzentrums in der letzten Legislaturperiode kann hier lediglich ein Anfang sein. Die neue Landesregierung sollte es sich zur Aufgabe machen, für moderne Lösungen zu werben und einen innovationsfreundlichen Rahmen für digitale Erneuerungen zu schaffen.

Qualitätsorientierte Krankenhausplanung

Der Gesetzentwurf für die Neuauflage des Hessischen Krankenhausgesetzes sieht vor, Klinik-Verbünde weiter zu stärken. Die Förderung des Zusammenschlusses von Krankenhäusern zu Verbünden ist der richtige Weg, um eine qualitativ hochwertige Versorgung im stationären Sektor sicherzustellen. Die einzelnen Krankenhäuser innerhalb eines Verbundes müssten nicht mehr zwingend alle medizinischen Leistungen selbst anbieten. Stattdessen können sie sich auf Fachgebiete spezialisieren. Gemeinsam können die Kliniken so die für eine qualitativ hochwertige Versorgung erforderlichen Mindestfallzahlen erreichen. Gerade bei hochkomplexen Versorgungsangeboten gibt es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Anzahl der erbrachten Leistungen und der Qualität.

In der Neufassung des Hessischen Krankenhausgesetzes bekennt sich die Landesregierung außerdem zu den auf Bundesebene vom Institut für Qualitätssicherung und Transparenz (IQTIG) entwickelten Qualitätsindikatoren und will diese künftig in der hessischen Krankenhausplanung eins zu eins berücksichtigen. Aus Sicht der TK ist in diesem Zusammenhang jedoch wichtig, dass Kliniken und Krankenhausabteilungen, welche die IQTIG-Vorgaben nicht einhalten, von der Krankenhausplanung konsequent ausgeschlossen werden.

Mehr Investitionen in Kliniken

Auch wenn Hessen im Vergleich zu anderen Bundesländern verhältnismäßig viel Geld in Krankenhäuser investiert, kommt das Land nicht im gesetzlich vorgesehenen Maße seinem Investitionsauftrag nach. In der Folge finden im stationären Bereich weiter Quersubventionierungen durch die Krankenkassen statt. Die Investitionen des Landes werden aber dringend benötigt. Die künftige Landesregierung sollte deshalb seine Investitionen im stationären Sektor auf das gesetzlich vorgesehene Niveau anheben.

Anreize zur Niederlassung von Ärzten schaffen

Die Sicherstellung der Versorgung auf dem Land wird auch in der nächsten Legislaturperiode ein zentrales Thema in der Landespolitik bleiben. Viele Ärzte, die in den Ruhestand gehen, haben Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden, der die eigene Praxis übernimmt. Als Folge davon drohen Unterversorgungen in einigen ländlichen Regionen in Hessen. Der bereits beschriebene Einsatz von Telemedizin kann Versorgungsprobleme auf dem Land zum Teil lösen, muss aber zugleich unter anderem durch Anreize zur Niederlassung von Ärzten in den unterversorgten Regionen ergänzt werden. Für die neue Landesregierung gilt es, im Rahmen des Hessischen Gesundheitspaktes - in enger Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) und den Krankenkassen - weitere nachhaltige Lösungen zu erarbeiten.

Die Pflege stärken

Die Stärkung der Kranken- und Altenpflege gehört ebenfalls zu den großen Herausforderungen der kommenden Jahre. Die Politik muss jetzt die richtigen Weichen stellen, um einen akuten Pflegenotstand abzuwenden. Die Landesregierung sollte sich dabei nicht nur auf Maßnahmen beschränken, um mehr Berufseinsteiger für den Pflegeberuf zu begeistern. Auch für Menschen, die bereits in der Pflege arbeiten, müssen sich die Rahmenbedingungen verbessern, damit diese ihren Beruf nicht frühzeitig aufgeben. Eine höhere Vergütung wird ebenso benötigt, wie bessere Arbeitsbedingungen in den Kliniken und Pflegeheimen. Beispielsweise müssen die Arbeitsplätze altersgerechter werden und es muss für Pflegekräfte leichter werden, nach einer familienbedingten Auszeit zurück in den Beruf zu finden.

Notfallversorgung neu strukturieren

In Hessen wie im Bund werden die Notaufnahmen der Klinken zunehmend durch Patienten mit leichten Beschwerden frequentiert, mit der Folge von hohen Wartezeiten sowie fehlenden Ressourcen der Klinikangestellten für die tatsächlichen Notfälle. Eine Ursache des Problems liegt dabei in der sektoralen Trennung der verschiedenen Akteure in der Notfallversorgung. Viele Patienten wissen nicht, dass es für leichte Krankheiten Alternativen zur Notaufnahme gibt. Es bedarf folglich einer besseren Patientensteuerung.

Die Errichtung von gemeinsamen Leitstellen des Notrufs (112) sowie des ärztlichen Bereitschaftsdienstes (116117) könnte hier erste Abhilfe schaffen, indem schon am Telefon entschieden wird, ob der Patient ins Krankenhaus muss oder eine Versorgung durch den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder gar ein Besuch des Hausarztes die sinnvollste Behandlung ist. Begleitend dazu sollten in Kliniken flächendeckend sogenannte Portalpraxen errichtet werden, die rund um die Uhr besetzt sind und die die erste Anlaufstelle für alle Patienten der Notaufnahme sein müssen. Diese Portalpraxen dienen den Patienten als Dreh- und Angelpunkt und verweisen einfache oder nicht dringende Fälle an Praxen des Bereitschaftsdienstes. Das Klinikum Höchst hat als erstes hessisches Krankenhaus eine solche Portalpraxis errichtet und zieht eine positive Zwischenbilanz. Die künftige Landesregierung sollte sich zur Verbesserung der Notfallversorgung für solche Portalpraxen hessenweit in den Kliniken einsetzen.